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Stadtkirchenarbeit in Oppenheim

Kirchen für Kirchenferne

pixabay.com/simschmidtBlick auf die Kirche, im Hintergrund Teile von Oppenheim und RheinKatharinenkirche in Oppenheim

Kirchenläden und Cityseelsorge halten den Kontakt zwischen Kirche und eher kirchenfernen Menschen aufrecht. In Oppenheim locken beispielsweise Projekttage Jugendliche in die mittelalterliche Katharinenkirche. Mit Erfolg. Dennoch ist die langfristige Finanzierung unsicher.

Ein wenig ulkig sieht es schon aus, als die Kinder der Grundschulklasse 4b im einheitlichen dunklen Überwurf mit übergezogenen Kapuzen schweigend die Altstadtgasse hinauf zur Oppenheimer Katharinenkirche trotten. Für einen Vormittag sind die 23 Mädchen und Jungen in die Rolle von Novizen geschlüpft. „Wir machen jetzt eine Zeitreise und ihr werdet Lehrlinge im Kloster”, hatte die erfahrene Kirchenführerin Ulla Eisenhardt ihre jungen Gäste begrüßt. Bevor die Schüler in einer mittelalterlichen Schreibstube den Umgang mit Feder und Tinte kennenlernen, statten sie der gotischen Kirche noch einen Besuch ab.

Truthahnfeder statt Tintenfüller

Dort dürfen sie eine Weile alleine durch dass riesige Kirchenschiff laufen, in den Buntglasfenstern und auf den uralten Grabmälern von Rittern und Landadeligen nach altertümlichen Buchstaben Ausschau halten und zum Abschluss austesten, wie schwer die riesige Altarbibel ist, wenn man sie in die Hand nimmt. Anschließend geht es in einen mit vollgeklecksten Schreibpulten eingerichteten alten Gewölbekeller unter dem Gemeindehaus. Mit kratzenden Truthahnfedern schreiben die Viertklässler dort unter sachkundiger Anleitung einen Spruch aufs Papier. Das geht nicht ohne einige Hinweise auf das harte Leben mittelalterlicher Schüler, für die die Prügelstrafe noch zum Alltag gehörte.

Manche Schulen sind Stammgäste

Die Idee zu dem mittelalterlichen Schreibstuben-Projekttag hatte Magdalena Schäffer, Referentin für Stadtkirchenarbeit an der Oppenheimer Katharinenkirche, vor Jahren von einer Tagung aus Bayern mitgebracht. „Wir wollten ein Angebot speziell für Kinder und Jugendliche machen”, erzählt sie. 2014 kamen die ersten Klassen aus der Umgebung, manche Schulen wurden mittlerweile so etwas wie Stammgäste. Missioniert werde dabei nicht, aber dass Kinder eine Kirche zumindest einmal von innen gesehen haben, ist ein durchaus erwünschter Effekt.

Stadtkirchenarbeit heißt Kontakt zu kirchenfernen Menschen herstellen

Nicht nur im rheinhessischen Oppenheim, sondern bundesweit stehen die großen Kirchen seit Jahrzehnten vor der Frage, wie sie noch Menschen erreichen wollen, die nicht aktiv zur eigentlichen Kirchengemeinde gehören. Dabei hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass es gut ist, wenn auch Touristen, Konzertbesucher oder Kulturinteressierte kirchliche Ansprechpartner finden. Kirchenläden und Cityseelsorge halten den Kontakt zwischen Kirche und eher kirchenferneren Kreisen aufrecht. Die hessen-nassauische Landeskirche spricht von Stadtkirchenarbeit und hatte bislang an einer ganzen Reihe von herausragenden Kirchen entsprechende Stellen finanziert.

Das traf bislang auch auf Oppenheim zu. An der Katharinenkirche finden jährlich etliche Chor- und Orgel-Konzerte mit Organisten, Orchestermusikern und Sängern aus der ganzen Welt statt, außerdem besuchen bis zu 30.000 Touristen im Jahr die gotische Kirche der Kleinstadt am Rhein. Als Schäffer ihre Stelle als Stadtkirchenreferentin antrat, ging es anfangs vor allem um Aufgaben im Bereich Kulturmanagement. Sie hält Kontakte zu den Künstlern, kümmert sich aber auch um ein Souvenirlädchen neben der Kirche und seit einigen Jahren verstärkt um das Thema Kirchenpädagogik.

Weitere Finanzierung ab 2020 unklar

Ob und wie die Stadtkirchenarbeit in Oppenheim und anderswo in der Landeskirche weitergeht, ist derzeit allerdings unklar. Die EKHN stellt zum 1. Januar 2020 die Finanzierung ein, nur noch in Großstädten mit über 100.000 Einwohnern sollen die Stellen erhalten bleiben. An allen anderen Städten müssen die Personalkosten dann vor Ort gestemmt werden. Für die Katharinenkirche suchen die Verantwortlichen vor Ort nach Wegen, die Stelle zu retten. Magdalena Schäffer arbeitet vorerst mit Volldampf an ihren nächsten Projekten: an Ausbildungskursen für eine neue Generation von Kirchenführern und einem Programm für ältere Schüler unter dem Titel „Auf Luthers Spuren durch Oppenheim”.

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Jesaja 60,2

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von unsplash_tyssul-patel

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