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Interkulturelle Woche eröffnet

Kirchenpräsident mahnt zu Besonnenheit im Bundestagswahlkampf

EKHN/Frank SommerBundesweite Eröffnung der Interkulturellen Woche in Offenbach 2017Bundesweite Eröffnung der Interkulturellen Woche in Offenbach 2017

Flüchtlingsfragen sind zuletzt populistisch aufgeladen worden, sagt der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung bei der bundesweiten Eröffnung der Interkulturellen Woche am Montagabend in Offenbach. Statt auf Integration setzten nun viele Wahlprogramme lieber auf Abgrenzung. Mit fatalen Folgen für die Menschen, darunter viele Jugendliche.

IKWLogo und ein aus bunten Fäden geflochtenes Band„Vielfalt verbindet.“ - unter diesem Motto findet die Interkulturelle Woche (IKW 2017) statt.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in Offenbach ist am Montagabend (18. September) die 42. Interkulturelle Woche bundesweit eröffnet worden. Dabei mahnte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung angesichts des Endspurts im Bundestagswahlkampf zu mehr Besonnenheit in Flüchtlingsfragen. Zuletzt habe sich eine oft „populistisch verzerrte Sicht“ der Begriffe Nation oder Identität in den Vordergrund gedrängt,  erläuterte Jung.  In der Folge werde in vielen Wahlprogrammen heute eher „gesichert, abgewehrt und verhindert“, statt Integration zu fördern oder eine menschliche Flüchtlingspolitik voranzutreiben. Jung wünsche sich deshalb, dass die Interkulturelle Woche, „gerade in der angespannten Situation, in der wir zurzeit sind, viele Menschen neu inspiriert“. Zusammenleben sei eine gemeinsame Anstrengung. Jung: „Es kann aber gelingen, wenn alle bereit sind, zu lernen und auch manchmal etwas herzugeben.“  

Asylanträge sorgfältiger prüfen

Beim anschließenden Besuch der Offenbacher Theodor-Heuss-Berufsschule mit Jugendlichen, die teilweise von Abschiebung bedroht sind, mahnte Jung die Behörden zu sorgfältigerer Prüfung von Asylbegehren. So stünden Jugendliche kurz vor dem Schulabschluss und wollten hier leben. Stattdessen würden ihre Anträge oft mit pauschalen Gründen abgelehnt. Individuelle Fluchtgründe spielten kaum noch eine Rolle. Er wiederholte die kirchliche Forderung nach „fairen Asylverfahren“, gerade für Jugendliche. Kein Mensch dürfe wieder in Krieg und Gewalt zurückgeschickt werden. Als Beispiel nannte Jung das Land Afghanistan, in das wieder vermehrt abgeschoben werde.

Mehr Begegnung gefragt

In seiner Einführung während des Gottesdienstes hatte der Mainzer Weihbischof Udo Bentz Bezug auf das diesjährige Motto der Interkulturellen Woche §Vielfalt verbindet" Bezug genommen. Er betonte, dass ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft auf Dauer weder durch Abgrenzung noch durch aufgenötigte Assimilierung gelingen könne. Vielmehr komme es auf Begegnung, verantwortliche Teilhabe und Integration als wechselseitigen Prozess an – ein Weg, der nur gemeinsam gegangen werden könne und alle Beteiligten verändere.

Fluchterfahrungen im Gottesdienst

Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Schule, einer beruflichen Schule der Stadt Offenbach, setzten unter dem Titel „Schlepper am Meer“ bei der Eröffnung auch eigene Fluchterfahrungen in Szene. Zum Abschluss des ökumenischen Gottesdienstes entboten Vertreter der jüdischen Gemeinde, der muslimischen Gemeinschaft und der Bahai-Gemeinde einen Friedensgruß.

Gemeinsames Wort 

Im Gemeinsamen Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2017 betonen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos: „Die aktuelle Debatte um den Umgang mit Flüchtlingen verweist mehr denn je auf die größeren, grundsätzlichen Fragen von respektvollem Miteinander, freiheitlichen Grundrechten und demokratischer Willensbildung. Als christliche Kirchen sagen wir in aller Klarheit: Politik, die Fremdenfeindlichkeit schürt, von Angst gegen Überfremdung lebt, einseitig nationale Interessen betont, ein nationalistisches Kulturverständnis pflegt und Grundfreiheiten in Frage stellt, ist mit einer christlichen Haltung nicht vereinbar. Ausländerfeindlichkeit, Diffamierung anderer Religionsgemeinschaften, die Überhöhung der eigenen Nation, Rassismus, Antisemitismus, Gleichgültigkeit gegenüber der Armut in der Welt – all das führt nicht in eine gute Zukunft.“

Hintergrund: Interkulturelle Woche

Die Interkulturelle Woche findet 2017 zum 42. Mal statt. Sie ist eine bundesweite Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Deutschlandweit sind während der Interkulturellen Woche mehr als 5.000 Veranstaltungen an über 500 Orten geplant. Der heutige Gottesdienst ist der geistliche Auftakt der Interkulturellen Woche, die vom 24. bis 30. September 2017 stattfindet.

Mehr Informationen: www.interkulturelle-woche.de

 

 

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von pixabay/comfreak

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