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Kirchliche „kunstinitiative2017“ startet

Mit Wachsresten, Unschärfen und Steckdosen

Daniela Kneip Velescukunstinitititive2017: Steckdosenmuster in der Arbeit „Power Point“ von Daniela Kneip Velescukunstinitititive2017: Steckdosenmuster in der Arbeit „Power Point“ von Daniela Kneip Velescu

Die Ergebnisse des ersten Kunstwettbewerbs der hessen-nassauischen Kirche sind ab 30. April zu sehen: Mit tonnenweise Wachs, sehenswerten Unschärfen und bunten Steckdosen geht es dann in Darmstadt der "Gnade" an den künstlerischen Kragen.

Bildergalerie

Kunstinitiative2017: Kerzenreste zur Installation  „5 Tons of Prayer“ von Georg Lutz. kunstinitiative2017: Dreharbeiten zur Videoinstallation „With a Fading Glance“ von Lisa Weber.

Darmstadt, 21. April 2017. Mit einem Festgottesdienst werden am kommenden Sonntag (30. April) um 10 Uhr in der Darmstädter Martinskirche die Ausstellungen der drei Gewinner des ersten Kunstpreises der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eröffnet. Die prämierten Projekte der „kunstinitiave2017“ sind dann in Darmstadt in der Martinskirche (Heinheimer Straße), in der Michaelskirche (Liebfrauenstraße) sowie in der Stadtkirche (An der Stadtkirche) zu sehen. Anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation hatte die hessen-nassauische Kirche erstmals einen Kunstpreis ausgelobt. Mehr als 20 junge Künstlerinnen und Künstler wurden Anfang 2016 zu dem Wettbewerb eingeladen, um sich in ihren Entwürfen mit dem Kirchenraum und dem für die Reformation zentralen Thema „Gnade“ zu beschäftigen. Dabei setzten sich vor einer unabhängigen Jury Daniela Kneip Velescu (Frankfurt), Georg Lutz (Stuttgart) und Lisa Weber (Mainz) durch. Nun dürfen sie ihre Entwürfe in drei Darmstädter Kirchen umsetzen. Der Kunstpreis ist ein Förderpreis, der mit 45.000 Euro dotiert ist. Er dient den ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstlern zur Realisierung ihrer Projekte.

Neue Erfahrungen

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung, der im Eröffnungsgottesdienst predigt, erhofft sich davon „neue Erfahrungsräume“ in der Kirche. Es gehe darum, sich mit der Wahrnehmung der gesellschaftlichen und kirchlichen Situation durch Künstlerinnen und Künstler auseinanderzusetzen. „Schauen und Nachdenken“ sei gefragt. Der erste Kunstpreis dient nach Worten Jungs zudem dazu, im 500. Jahr der Reformation junge Künstlerinnen und Künstler auf die evangelische Kirche deutlicher aufmerksam zu machen. Der Protestantismus habe dazu beigetragen, Kunst zuerst von der kultischen und dann auch von der kirchlichen Inanspruchnahme zu befreien. Dann habe sie endgültig den Weg in die weltliche Kultur gefunden und sei dadurch auch offen für neue Aufgaben geworden. Jetzt gehe es aber darum, die Auseinandersetzung der Kunst mit religiösen und kirchlichen Themen wieder zu stärken, so Jung.

Spirituelle Steckdosen

Für die Michaelskirche arbeite Daniela Kneip Velescu im Innen- und Außenbereich mit textilen Materialien, die mit Piktogrammen von Steckdosen bedruckt sind. Die Künstlerin bezieht zum einen mit ihren Motiven den Außenraum der Kirche mit ein und fertigt zum anderen neue Sitzbezüge für die Kirchenbänke mit dem Steckdosenmotiv an. Die Künstlerin stellt in ihrer Arbeit „Power Point“ Gnade in humorvoller Weise als spirituelle Energie dar, die Menschen verbindet.

Reste von Kerzenwachs

Der Stuttgarter Künstler Georg Lutz bestückt die Martinskirche in seiner Installation „5 Tons of Prayer“ mit Wachsresten von Andachtskerzen aus Kirchenräumen. Er verknüpft die Themen Gnade und Beten auf verblüffende Weise. Der offene Charakter des Kunstwerks wird dadurch verstärkt, dass Besuchende die Kerzenstummel an einem eigens dafür gefertigten Tisch wieder neu entzünden können.

Malerische Unschärfen

Die Stadtkirche als dritter Ort des Projektes präsentiert die Videoinstallation „With a Fading Glance“ von Lisa Weber. Ihre künstlerische Arbeit bezieht sich auf Ingeborg Bachmanns Erzählung „Ihr glücklichen Augen“ aus dem Jahr 1972 und nähert sich dem Thema „Gnade“ über die Frage, wie Menschen sich und andere sehen – und was sie nicht sehen. Durch malerische Unschärfe, Überblendungen und Überbelichtung der Videobilder ergeben sich kraftvoll verstörende Bildsequenzen, die unser eigenes Sehen herausfordern.

Ausstellung und Programm bis Juni

Die Kunstwerke sind bis einschließlich 23. Juni 2017 in den Kirchen zu besichtigen. Das Programm umfasst neben der Ausstellung auch Künstlergespräche, Vorträge, musikalische Veranstaltungen und besondere Gottesdienste. Zudem wird ein Katalog erscheinen, in dem alle eingereichten Wettbe-werbsbeiträge dokumentiert sind. Die Initiative konnte mit Unterstützung der Evangelischen Akademie Frankfurt und der EKHN-Stiftung realisiert werden. Die Projektleitung der „kunstitiative2017“ liegt bei Dr. Markus Zink, Referent Kunst und Kirche im Zentrum Verkündigung der EKHN und Christian Kaufmann, Evangelische Akademie Frankfurt.

Öffnungszeiten der Ausstellungen (bis 23. Juni) 

Daniela Kneip Velescu
Michaelskirche
Liebfrauenstraße 10, Darmstadt
Dienstag-Samstag 14-18 Uhr
Sonntag 11-12 Uhr
Im Juni nur am 1., 8., 15. und 22. geöffnet!

Georg Lutz
Martinskirche
Heinheimer Straße 43, Darmstadt
Dienstag-Samstag 15-19 Uhr
Sonntag 11-12 Uhr
Im Juni nur am 1., 8., 15. und 22. geöffnet!

Lisa Weber
Stadtkirche
An der Stadtkirche 1, Darmstadt
Dienstag-Freitag 9-16 Uhr
Samstag 9-12 Uhr
Sonntag 11-12 Uhr 

Mehr Informationen und Programm auch im Internet unter:
www.ekhn-kunstinitiative.de

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

1. Petrus 1, 3

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto, shironosov

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