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Zweifeln erlaubt

Müssen Christen alle willkommen heißen? (Mit Video)

Hans GentheZweifeln erlaubt. Müssen Christen alle willkommen heißen?Kirchenpräsident Volker Jung, kath. Stadtdekan Johannes zu Eltz, Andrea Seeger und Martin Vorländer (Evangelische Sonntagszeitung)

„Zweifeln erlaubt“ war das Thema, dem sich Kirchenpräsident Dr. Volker Jung und der katholische Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz am 14. Juni 2017 in der Frankfurter Heilig-Geist-Kirche stellten. Rund 150 Teilnehmende diskutierten die Frage: „Müssen Christen alle willkommen heißen?“ Auch die Zweifler kamen zu Wort.

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Zweifeln erlaubt. Müssen Christen alle willkommen heißen? Zweifeln erlaubt. Müssen Christen alle willkommen heißen? Zweifeln erlaubt - Müssen Christen alle willkommen heißen? Zweifeln erlaubt. Müssen Christen alle willkommen heißen?

Kirchenpräsident Volker Jung ging es in seinem Kurzvortrag um die Frage des christlichen Selbstverständnisses. „Uns Christen kann das Schicksal von Menschen auf der Flucht nicht egal sein.“ Die Bibel kenne viele Geschichten von Flucht und Migration. Sie empfehle, den Fremdling nicht zu bedrücken und erinnere daran, dass die Israeliten selbst Fremdlinge in Ägypten gewesen seien. Der Kirchenpräsident der EKHN betonte: „Wir brauchen eine gute Streitkultur.“ Kommunikation bedeute, verschiedene Sichtweisen vorzubringen. 

„Wir wünschen uns eine empathische Gesellschaft, die die Schwachen nicht verachtet“, so Jung. Natürlich könne man nicht erwarten, dass diese Haltung von allen Menschen geteilt werde. Der Kirchenpräsident der EKHN nannte zwei No-Gos: sich vor der Not fremder Menschen einfach zu verschließen, sowie sich selbst als höherwertig anzusehen. Er betonte: „Entscheidungen werden in unserer Gesellschaft im Diskurs getroffen.“

Gesprächskultur mit Muslimen entwickeln

Der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz outete sich gleich als „Frankfurter mit Migrationshintergrund“. Christen müssten jedermann willkommen heißen. „Daran entscheidet sich, ob ich Christ bin oder nicht.“ Keiner könne sich vom Christlichen heimlich verabschieden. Allerdings sagte er auch: „Zweifeln ist erlaubt, ja sogar geboten.“ Zu Eltz forderte eine Gesprächskultur mit Muslimen, die davon ausgehe, dass der andere nicht überzeugt werden müsse, sondern dass die Gesprächspartner sich offen begegneten, sodass das Gespräch bereichern könne. Allwissenheit und Unfehlbarkeit machten dagegen den Dialog unmöglich. 

Der katholische Stadtdekan nannte aber auch Schwierigkeiten, die den interreligiösen Dialog beeinflussten. Sehr viele Muslime, die schon Jahrzehnte hier lebten, sprächen nur gebrochen Deutsch. Zu Eltz berichtete, dass es keine Ansprechpartner gebe, die alle oder viele Muslime verträten. So sei es auch nicht zielführend, nur mit liberalen und assimilierten Muslimen einen Dialog zu führen. Stadtdekan zu Eltz gab auch zu bedenken, dass Muslime in aller Regel ganz besonders höflich seien und das auch bei uns voraussetzten. Außerdem sei ihm beim interreligiösen Dialog wichtig, dass man ihn mit Leichtigkeit und Humor angehe.

Kritische Fragen, Befürchtungen und positive Erfahrungen

Auf den Stühlen lagen Zettel und Stifte für Fragen des Publikums bereit. Bereits vorab hatte die Evangelische Sonntags-Zeitung Meinungen über Facebook gesammelt. “Wer Kritik übt, wird platt gemacht“, hatte jemand geschrieben. Man werde mit seinen Zweifeln zum Schweigen gebracht. Das sollte an diesem Abend anders sein. Mitveranstalter waren das Haus am Dom des Bistums Limburg sowie die Evangelische Akademie Frankfurt. Mehr als anderthalb Stunden gingen die Referenten auf die Fragen und Aussagen des Publikums ein. Jeder hatte 60 Sekunden Redezeit. Immer wieder gab es auch Applaus.

Auf eine Frage gab es keine Antwort: „Wissen wir überhaupt, was in den Moscheen über Christen gepredigt wird?“ Wie tief manche Befürchtungen sitzen, offenbarte diese Frage: „Wie soll man sich dagegen behaupten, das die so viele Kinder kriegen?“ Gefragt wurden die Kirchenvertreter, warum die Kirchen nach den Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht so lange geschwiegen hätten (Hier ein Statement aus der EKHN zu den Übergriffen). Das Verhalten einzelner Muslime sei nicht hinnehmbar.
Aber auch positive Erfahrungen wurden ausgetauscht. So erzählte eine Frau freudig vom Deutschunterricht in ihrer Gemeinde, wo die Geflüchteten in „ihrer Kirche“ mithelfen.

Eine neue Diskussionskultur

Der evangelische, leitende Geistliche Volker Jung räumte ein, dass sich die Diskussionskultur verschärft habe. Hinter dem „Man wird doch mal sagen dürfen“ verstecke sich oft eine diskriminierende Grundhaltung. Auch zu Eltz gab zu bedenken: „Behandelt die anderen, wie ihr behandelt werden möchtet.“ Aus der christlichen Willkommenskultur könne man kein Programm machen. Das sei immer eine persönliche Einstellung und eine persönlich verantwortete Verhaltensweise. Der katholische Stadtdekan befürwortete ein breites Meinungsspektrum, ermutigte aber: „Wir müssen  unsere Einstellung zu den Geflüchteten so vertreten, dass sie von anderen nachvollzogen werden kann.“

Zu den Fragen langfristiger Integration positionierten sich beide Kirchenvertreter klar. Sie antworteten auf Fragen wie: „Sollen wir jetzt, wo die Gleichberechtigung von Mann und Frau mühsam fast errungen ist, noch einmal 50 Jahre warten?“ Zu Eltz beschrieb die Integration so vieler Menschen als eine riesige Aufgabe von Generationen. Er erläuterte: „Das Grundgesetz ist das Buch, an das sich hier alle halten.“ Auch Volker Jung machte klar: „Integration bedeutet, das Grundgesetz zu akzeptieren und dazu gehört auch die Religionsfreiheit.“

Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.

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