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Gesellschaft

Propst Schmidt: Wandel auf dem Land ist weit fortgeschritten

Nikada/istockphoto.com

Immer mehr Menschen leben nicht auf dem Land, sondern in Städten. Der Trend nennt sich Urbanisierung. Aber manche Menschen gehen einen anderen Weg. Sie zeigen kreativ, wie das Leben auf dem Land aussehen kann.

EKHNPropst Matthias Schmidt

Junge Leute ziehen weg, Häuser stehen leer - der gesellschaftliche Wandel auf dem Land ist nach Aussage des oberhessischen Propstes Matthias Schmidt schon weit fortgeschritten. „Vieles wird abgebaut“, vor allem die Infrastruktur mit Schulen und Kindertagesstätten, Lebensmittelmärkten und Nahverkehr, sagte Schmidt in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der oberhessische Propst hat in diesem Jahr auf der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau einen Bericht zum ländlichen Raum vorgetragen. Dazu hatten die sechs Pröpstinnen und Pröpste zehn beispielhafte Orte im Kirchengebiet besucht.

„Häuser stehen leer, Geschäfte schließen.“ 

Schmidt kam dabei mit Einwohnern, Landwirten, Schulleitern, Bürgermeistern, Tankwarten, Vereinsmitgliedern und Mitarbeitern von Kirche und Diakonie ins Gespräch. Dem Vogelsberg etwa droht in den kommenden zehn Jahren ein Bevölkerungsverlust von zehn Prozent. Es ist ein gesellschaftlicher Wandel, den wir global erleben. Die Politik kann an vielen Stellen nur reagieren, aber auch einiges machen“, sagte Schmidt.

Viele junge Familien zögen in die Ballungszentren. „Häuser stehen leer, Geschäfte schließen.“ Zum Beispiel hätten die Mitarbeiter der kirchlichen Beschäftigungsgesellschaft Neue Arbeit in Alsfeld Schwierigkeiten, ihren Arbeitsplatz zu erreichen, da sie auf Busse und Bahnen angewiesen sind. Familien zögen nur dann in Dörfer, wenn sie gute Betreuungsstrukturen für ihre Kinder vorfänden - doch gerade die würden abgebaut, wenn nur wenige Kinder im Dorf leben.

„Es stimmt nicht, dass niemand mehr auf dem Land leben will“

„Es gibt aber auch junge Leute, die nicht weg wollen. Es stimmt nicht, dass niemand mehr auf dem Land leben will“, betonte Schmidt. Er habe auf seiner Visitationsreise viel Kreativität erlebt: neue Dorfläden oder Nachbarschaftsinitiativen, die Fahrten zum Arzt organisieren oder Gärten vom Unkraut befreien. Es gebe viele ermutigende Projekte wie das Mehrgenerationen-Projekt Dorfschmiede in Freienseen im Vogelsberg. Diese Initiativen bräuchten die Unterstützung von Kirche und Politik.

Kirche als einzige Institution vor Ort

In vielen Orten sei die Kirche die einzige verbliebene Institution. „Viele Menschen sagen: Solange die Kirche da ist, gibt es noch Hoffnung“, sagte Schmidt. Die Kirche sei eine „hervorragende Netzwerkerin“. Sie könne Vereine und Menschen miteinander ins Gespräch bringen und Gebäude zur Verfügung stellen. Dafür sei aber auch ein „innerer Paradigmenwechsel“ nötig: „Wir sind nicht nur für unsere Kirchenmitglieder da, sondern übernehmen Verantwortung für alle Menschen.“

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Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Gorfer

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