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Du wirst gebraucht!

Gnade nur für Menschen? Tiere auf dem Gnadenhof

ev|TvPapagei und PflegerinPapagei auf dem Gnadenhof „Kellerranch“

Zu alt für die Rennbahn, kommt das Pferd zum Schlachter. Zu teuer in der Pflege, wird die Schlange einfach ausgesetzt. Aber auf dem Gnadenhof „Kellerranch“ finden ungewollte Tiere eine Unterkunft und ein schönes Leben.

Von Wiebke Heß

Die „Kellerranch“ beherbergt ungefähr 300 Tiere. Sie liegt ganz idyllisch an einem Waldstück in Weiterstadt. Geöffnet ist täglich. An den Tiergehegen sind Informationstafeln angebracht, auf denen steht, um welches Tier es sich handelt und von wo es ursprünglich herkommt: Asien, Südamerika, Afrika. Hier leben nämlich nicht nur Hunde, Kaninchen und Pferde, sondern auch Gelbwangenamazone (Papageienart), Rhesusaffen und Erdmännchen. Was auf den ersten Blick einem Zoo gleicht, hat in Wahrheit traurige Einzelschicksale zu erzählen. Denn die Ranch nimmt Tiere auf, die nicht mehr gewollt und einfach ausrangiert werden.

Ahnungslosigkeit beim Kauf der Tiere

„Oft sind die Besitzer mit der Haltung der Tiere überfordert. Dann müssen sie weg und keiner weiß, wohin mit ihnen.“ Karl-Heinz Keller, der Leiter der Ranch, kritisiert vor allem die Haltung exotischer Tiere. „Niemand braucht einen Affen, einen Nasenbären oder ein Stinktier in der Wohnung! Die Leute haben sie oftmals aus dem Internet bestellt, was, zum Leidwesen der Tiere, auch noch legal ist!" Oft sind Unwissenheit oder eine schlechte Beratung beim Kauf der Tiere der Grund, weshalb sie anschließend wieder abgegeben werden.

Leben auf dem Schrottplatz

Immer wieder werden auch Tiere aufgenommen, die das Veterinäramt beschlagnahmt hat. Auszubildende Chantal Barthel steht neben zwei Eseln. „Die beiden wurden von einem Schrottplatz geholt, auf dem sie leben mussten. Die Halterin hatte zwar eine kleine Wiese für sie, allerdings gab es dort zu viel schlechtes Unkraut, das sie nicht fressen durften." Also kamen sie auf die Kellerranch. Hier wird großen Wert auf eine artgerechte Haltung und Pflege gelegt. Sind die Tiere gesund gepflegt oder haben sich von schweren Traumata erholt, werden sie weiter vermittelt. Handelt es sich um ein Wild- oder artgeschütztes Tier, kommt es in eine qualifizierte Tierschutzeinrichtung. Die Katze, der Wellensittich oder auch die Ziege dürfen zu ausgesuchten Privatpersonen in ein neues Heim. Nicht mehr vermittelbare Tiere dürfen mit all ihren kleinen oder größeren Wehwehchen auf der Keller-Ranch bleiben und dort ihren Lebensabend verbringen. „Es ist schon anstrengend", sagt Auszubildende Chantal Barthel, „aber die Tiere danken es einem auch und das ist schön zu sehen. Vor allem, wie sie wieder aufblühen können. Sie sind genauso lebenswert und brauchen genauso viel Liebe, wie alle anderen Haustiere auch."

Helfende Hände werden gebraucht und gesucht

Knapp dreißig Helfer packen auf der Ranch mit an. Auch Ehrenamtliche der evangelischen Kirche helfen mit. Ruth Wille, ein engagiertes Kirchenmitglied, ist regelmäßig dabei. Ihren Hund hat sie auch von hier. „Er ist heute noch ein guter Hund. Wer von hier ein Tier bekommt, hat wirkliches Glück! Es sind eben Tier und Mensch, die hier im Mittelpunkt stehen.“ Familie Keller kümmert sich schon seit über 50 Jahre um bedürftige Tiere. Das Geld dazu kommt von Spenden, Patenschaften und Vereinsmitgliedern. Die Pflege der Tiere kostet allerdings jeden Monat 12.000 €. Ehrenamtliche Helfer werden daher immer gebraucht und gesucht. „Von A, wie Ablage, bis Z, wie Zäune streichen, gibt es bei uns immer reichlich zu tun.“

Mehr Bewusstsein für eine artgerechte Tierhaltung

Karl-Heinz Keller ist stolz auf die Jugendarbeit im Ranchbetrieb. „Wir arbeiten ständig mit sozialen Institutionen, wie Kindergärten und Schulen, zusammen. Außerdem arbeiten wir hier mit Behinderten und bieten Führungen an." Ziel ist es nicht, die Ranch in eine kurzweilige Unterhaltungsoase zu verwandeln, sondern aufzuklären. Das Thema artgerechte Tierhaltung soll sich im Bewusstsein der heranwachsenden Generation tief verwurzeln. Zwar liebt Keller seine Ranch, ist aber froh um jedes Tier, das nicht ausgesetzt oder verwahrlost aufgefunden wird, sondern ein würdevolles Leben in einem liebevollen Zuhause führen kann.

Der Gnadenhof ist bereits in der zweiten Generation in Familienbesitz. Seit 2002 werden die Tiere durch den Tierhilfeverein Kellerranch e.V. unterstützt. Der Gnadenhof sucht immer Ehrenamtliche und lädt zu regelmäßigen Treffen ein: Jeden letzten Donnerstag im Monat. Alle Infos unter www.kellers-ranch.de.

Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Gorfer

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