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„Du bist heilig“ – was bedeutet das aus evangelischer und katholischer Sicht?

Von Pfarrer Axel Zeiler-Held, Evangelische Peterskirche, Großen-Linden

istock-EsebeneBild über Heiligkeit

Fragt man Menschen auf der Straße nach Unterschieden zwischen der römisch-katholischen und den evangelischen Kirchen, so wird oft die Heiligenverehrung benannt. In der Praxis ist es auch so, dass Heilige in den Kirchen und Gottesdiensten der Protestanten keine große Rolle spielen, während sie in der römisch-katholischen Kirche an vielen Stellen vorkommen.

Dabei unterscheiden sich evangelische und katholische Kirche im Verständnis von „Heiligen“ im Grunde nicht. In beiden Kirchen wird der Begriff in doppelter Weise verwandt: Zunächst kann man sagen, dass alle Christinnen und Christen „Heilige“ sind, denn alle gehören zur „Gemeinschaft der Heiligen“, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Heilig werden die Menschen nicht aufgrund besonderer Leistungen, sondern weil sie zu Gott gehören, der heilig ist und so werden auch die Menschen geheiligt.

Darüber hinaus gab und gibt es Menschen, in deren Leben diese Heiligkeit (die allen Christen zueigen ist) besonders sichtbar wird. In den Anfängen der Christenheit waren es vor allem Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet wurden, die als Heilige verehrt wurden. Später wurden auch andere Christen, die durch ihr Leben eine besondere Bedeutung hatten, als Heilige bezeichnet. Von Anfang an bemühten sich die Theologen, zwischen der Anbetung Gottes und der Verehrung der Heiligen zu unterscheiden. Aber in der Frömmigkeit der Menschen, vor allem im Mittelalter, war diese Unterscheidung kaum festzustellen. So nahm zum Beispiel der Handel mit Gegenständen, die mit Heiligen in Verbindung gebracht wurden (Reliqiuen), große Ausmaße an, und war mit vielen magischen Vorstellungen verbunden. Die Kirche versuchte, durch kirchenrechtliche Maßnahmen den Heiligenkult in Bahnen zu lenken. So entwickelte sich in der katholischen Kirche ein exakt festgelegtes Verfahren zur Heiligsprechung von Menschen.

Luther und seine Gefolgsleute versuchten, den Heiligenkult einzudämmen, ohne die Bedeutung der Heiligen ganz aufzugeben. „Man soll der Heiligen gedenken, um dadurch seinen eigenen Glauben zu stärken. Es ist jedoch gegen die Schrift, sie neben Jesus Christus als Vermittler und Versöhner anzurufen, weil dadurch seine Versöhnungstat durch den Kreuzestod in Frage gestellt werde“ lautet der entscheidende Satz aus den lutherischen Bekenntnisschriften.

Dass die katholische Kirche Heilige „anbete“, ist ein häufiges Missverständnis. Es gibt aber die Praxis, dass im Fall von Heiligen nicht nur für einen Verstorbenen gebetet wird (was im evangelischen Verständnis durchaus möglich ist), sondern auch zu einem Verstorbenen (nämlich dem Heiligen). Damit verbunden ist meist der Wunsch, der entsprechende Heilige möge vor Gott für die Bitten des Menschen eintreten.

Im protestantischen Verständnis ist das Gebet zu Heiligen nicht vorgesehen. Im evangelischen Bereich gibt es auch keine kirchenrechtlichen Verfahren, die festlegen, wer als „heilig“ gilt. „Heilige“ können aber sehr wohl Vorbilder für die Lebensgestaltung oder auch zu Identifikationsfiguren werden, um das geistliche Leben daran auszurichten. So verstanden nützt das Gedenken an die „Heiligen“ der Kirchengeschichte, um im eigenen Leben den Satz „Du bist heilig“ erfahrbar zu machen.

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Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft / noch seine Güte von mir wendet.

Psalm 66, 20

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto, Vectoring

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