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Sieben Bundestagskandidaten diskutierten in Florstadt

Wie gerecht ist Deutschland?

Dekanat WetterauSieben Bundestagskandidaten diskutieren über Gerechtigkeit

Wie können wir unsere Gesellschaft gerecht gestalten? Soziale Gerechtigkeit ist ein Begriff, der unterschiedlich gefüllt werden kann. Dies wurde beim Aufeinandertreffen von sieben Bundestagskandidaten in Florstadt deutlich.

Zu der Podiumsdiskussion unter der Moderation von Gerd Bauz hatte das Wetterauer Bündnis für Soziale Gerechtigkeit eingeladen. Mit dabei waren Oswin Veith (CDU), Natalie Pawlik (SPD), Kathrin Anders (Bündnis 90/Die Grünen) Peter Heidt (FDP), Julian Eder (Die Linke), Thorsten Schwellnus (Freie Wähler) und Klaus Herrmann (AfD). Richard Kunkel von der katholischen Betriebsseelsorge Oberhessen begrüßte die Gäste und führte ins Thema ein.

Bildung als Garant für Gerechtigkeit

„Es geht uns gut in Deutschland und in der Wetterau.“ CDU-Kandidat Oswin Veith warf einen positiven Blick auf das Erreichte. Durch die in den letzten Jahrzehnten geschaffenen guten Rahmenbedingungen für Handwerk, Industrie und Unternehmertum seien in Deutschland mehr Menschen in Arbeit als je zuvor. „Jeder der Arbeit hat ist ein Segen für sich und für dieses Land.“ In Zukunft müsse noch mehr in Bildung investiert werden. Im Wetteraukreis habe man viel Geld für die Sanierung der Schulen in die Hand genommen. „Bildungsinvestitionen sind die Grundlage für die Zukunft unserer Kinder und damit für die Zukunft des Landes,“ sagte Veith. Der Christdemokrat plädierte dafür, handwerkliche Berufe wieder mehr zu würdigen.

Auch SPD-Kandidatin Nathalie Pawlik verwies auf Erfolge der amtierenden Regierungskoalition. Die SPD habe in der Regierung den Mindestlohn ebenso durchgesetzt, wie die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Ihre Partei wolle künftig für mehr Gerechtigkeit für Familien sorgen und plane deshalb gebührenfreie Kindergärten und einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Schulkinder. Ungerechtigkeiten in der Bildungspolitik gelte es zu beseitigen: „Es kann nicht sein, dass das Studium kostenlos ist und die Meisterausbildung unglaublich viel Geld kostet,“ kritisierte die Sozialdemokratin. Arbeit sei wichtig für die soziale Teilhabe, deshalb stellte Pawlik öffentlich geförderte Beschäftigung und Qualifikation für Langzeitarbeitslose in Aussicht.

Und was ist mit den Armen?

„Es bringt nichts die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, wenn die Menschen von ihrer Arbeit nicht mehr leben können,“ argumentierte Julian Eder von den Linken. Solange dies der Fall sei, gebe es keinen Grund zufrieden zu sein. Eder rechnete vor, wie ungleich Reichtum in Deutschland verteilt ist: „Die 36 reichsten Deutschen besitzen so viel, wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung.“ Reiche sollen nach Meinung der Linken stärker besteuert werden, von dem Geld könne man Hartz IV abschaffen und stattdessen eine Mindestsicherung von 1050 Euro finanzieren.

AfD-Kandidat Klaus Herrmann hingegen warnte vor zu viel Umverteilung. Schließlich könne man das soziale Netz nicht über alle auswerfen, argumentierte er. Seine Partei wolle Hartz IV abschaffen und Langzeitarbeitslose dafür zu einer gemeinnützigen „Bürgerarbeit“ verpflichten. In Deutschland müsse mehr für kinderreiche Familien getan werden, glaubt der AfD-Politiker.

Kathrin Anders von Bündnis 90/Die Grünen sieht noch viel Handlungsbedarf in Sachen Armutsbekämpfung. In einem Land, in dem jedes 5. Kind unter der Armutsgrenze lebe, könne man sich nicht bequem zurücklehnen, glaubt Anders. Sie möchte sozialen Berufen "endlich den Stellenwert geben, den sie verdienen" und forderte höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte und Kita-Erzieher. 

Teures Wohnen in den Städten

Es gebe in der Wetterau ein Stadt-Land-Gefälle, sagte die Sozialdemokratin Pawlik. Grünen-Kandidatin Anders stimmte zu: „Menschen mit geringem Einkommen können sich keine Wohnung in Städten wie Bad Vilbel oder Bad Nauheim mehr leisten.“ Auch für Thorsten Schwellnus von den Freien Wählern sind steigende Mietpreise und die daraus resultierende Wohnungsnot ein wichtiges Thema. Grundstücks-Spekulanten seien mitverantwortlich für die Misere, urteilte Schwellnus. Der liberale Kandidat Peter Heidt sprach die unterschiedliche Entwicklung des Wetterauer West- und Ostkreis an.  „Im Westkreis steigen die Mieten, im Ostkreis gibt es zu wenig Arbeitsplätze.“ Ein Mittel dagegen könne nach Meinung Heidts die Ansiedlung von mehr Unternehmen im Ostkreis sein. 

Der Aufreger Rente

Richtig in Wallung gerieten die Politiker beim Thema Rente. Die Forderung der Grünen und Linken nach einer Rentenversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen sollen, wurde von FDP und CDU vehement abgelehnt. „Ein absoluter Skandal“ urteilte Peter Heidt und auch Oswin Veith war der Meinung: „So kollabiert unser Rentensystem.“ Es dürfe keine weitere Absenkung des Rentenniveaus geben, argumentierte Schwellnus von den Freien Wählern. „Menschen sollen in Würde altern können,“ sagte er.

Führen mehr Arbeitsplätze, bezahlbarer Wohnraum, die Abschaffung von Hartz IV oder eine Rentenreform zu mehr Gerechtigkeit in Deutschland? Für die rund 150 Zuhörer in Florstadt bot die Podiumsrunde eine gute Gelegenheit, sich dazu vor der Wahl eine eigene Meinung zu bilden.

Dieser Artikel wurde automatisch von einer Website der regionalen Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau übernommen. Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist der Autor/die Autorin dieses Artikels.

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103, 2

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Cecilia Bajic

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