Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Wolfgang Amadeus Mozart

Wunderkind der Musik

Foto: © Dieter Schütz / pixelio.de (www.pixelio.de)

Es ist ein Eintrag unter Tausenden in jenem Jahr. Und doch markiert er den Beginn eines neuen Zeitalters - zumindest in der Musik. Das Kirchenbuch der Dompfarre zu Salzburg vermeldet im Jahre 1756, dass ein gewisser „Johannes Chrysostomos Wolfgangus Theophilus, ehelicher Sohn des Edlen Herrn Leopold Mozart, Hofmusikus, und der Maria Anna Pertlin, dessen Gattin, am 27. Januar 1756 um 8 Uhr Abends geboren und am 28. Jänner 1756 um 10 Uhr nach katholischem Ritus getauft“ worden sei. Wolfgang Amadé, so wird sich das musikalische Jahrtausendtalent später selbst nennen. Amadé, die französische Form von Theophilus, zu deutsch: Gottlieb. Erst die Musikverlage und die Radiostationen des 20. Jahrhunderts werden daraus das heute geläufige Amadeus machen.

Dichter, Physiker und Philosophen verehren Mozart

Es gibt kaum einen der Großen in der jüngeren Weltgeschichte, der nicht eine tiefe Verbeugung vor dem mit 35 Jahren verstorbenen genialen Musikus aus Österreich machte. Johann Wolfgang von Goethe hielt schon das Wort Komposition für Mozartwerke für ehrenrührig. Albert Einstein war den Mozartsonaten verfallen, die der Physiker sich größtenteils selbst aneignete: „Die meiste Lebensfreude kommt aus der Geige.“ Und der spleenige dänische Philosoph Sören Kierkegaard wollte im 19. Jahrhundert gar eine eigene Sekte gründen - mit Mozart als neuem Heiland.

Das Außergewöhnliche

Doch was ist dran, an jenem göttlichen Wunderkind, das als erster „Popstar“ der Musikgeschichte gilt?

Mozart: Der Meister, der selbst hart gesottenen Atheisten beim „Credo“ aus der „Missa Solemnis“ heilige Schauer über den Rücken laufen lässt.

Mozart: Der Notenzauberer, der Musikkennern aus der konzertanten Hochkultur beim Kanon Nummer 231 aus dem Köchelverzeichnis die Schamesröte ins Gesicht treibt: „Leck mich im Arsch“, lautet der Text.

Mozart: Kaum ein anderer - das Wort sei verziehen - Komponist konnte wohl die Höhen des Lebens wie die Tiefen des Daseins ähnlich musikalisch ausloten.

Und doch bleibt selbst für Experten die Person Mozart seltsam fremd. Der Schriftsteller und Mozart-Biograf Wolfgang Hildesheimer hat immerhin mehr als zwei Jahrzehnte der Erforschung des Musikerlebens gewidmet. Am Ende zieht er eine ernüchternde Bilanz: „Nah kommen wir Mozart nicht.“ Zu groß bleibe der Abstand zum Meister, zu spärlich seien die Zeugnisse aus der Geschichte, einfach zu überwältigend töne seine Musik. Wie eine Tonspur läuft Mozarts Musik meist neben seinem Leben her. Nur selten berühren sie sich.

Das Wunderkind

Überliefert ist, dass Mozart bereits mit vier Jahren seine ersten Werke schreibt und mit sechs auf eine über drei Jahre dauernde Konzerttournee quer durch Europa mit seiner Familie geht. Mozart ist ein umjubelter Kinderstar. Selbst in britischen Pubs tritt er auf; schon damals ein Sündenfall im Kulturbetrieb.

Mozart erhält die Kündigung durch den Bischof

Eine Festanstellung in europäischen Potentaten-Kreisen wird bei dieser Biografie trotz aller Genialität schwer. Österreichs Erzherzogin Maria Theresia riet dringlich davon ab, Menschen wie die Mozarts in Dienst zu nehmen, die wie Bettler durch die Welt zögen. Doch das Genie sucht verzweifelt nach Gönnern. „Ihr müsst nach Geld trachten“ mahnt der Vater. Beim Salzburger Erzbischof Hieronymus Colloredo findet er als Konzertmeister der Hofkapelle Unterschlupf. Mozart reist weiter viel - nach Italien etwa - und nimmt sich ebenso viel heraus. Musikalische Messen im Gottesdiensttakt, wie vom Bischof gewünscht, sind für Mozart nichts. Und es kommt zum folgenschwersten Fußtritt der Musikgeschichte. „Bey der thüre durch einen tritt im arsch“, sei er aus dem Dienst geflogen, schreibt Mozart.

Erfolg als Freigeist

Das ist der Beginn der imponierendsten Schaffensphase. Es entstanden der „Figaro“, „Don Giovanni“ und die „Zauberflöte“. Das Publikum selbst wird zu Mozarts Mäzen. Dies scheint auch die Zeit der Auseinandersetzung mit der Kirche gewesen zu sein. Mozart wird 1784 Freimaurer. Hierarchien waren ihm zuwider. In den Logen fand er eine Atmosphäre von Gleichgesinnten - ohne Unterschied des Standes. Viele Musikexperten sind sich sicher, dass in der Oper „Die Zauberflöte“ maßgebliche Ideale der Freimaurer wie Freiheit und Gleichheit vertreten werden und das Singspiel einer Werbeveranstaltung für die Logen gleichkommt. Doch der Heidelberger Ägyptologe und Mozart-Fan Jan Assmann kommt zu einem anderen Schluss: Mozart war genauso von der „Mysteriologie“ Ägyptens fasziniert, die sich in den schillernden Figuren der Oper widerspiegele. Und die Kraft der Liebe sei es, die das Stück maßgeblich zusammenhalte. Womit wir wieder beim Christlichen wären.

Mozarts Haltung zum Glauben

Tatsächlich scheint Mozart im Geiste katholisch geblieben zu sein, auch wenn der Salzburger Erzbischof Coloredo sicher daran seine Zweifel gehabt hätte - ganz unabhängig davon, dass Mozart schon als Halbwüchsiger einen Orden vom Papst persönlich verliehen bekam. Mozart jedenfalls hatte für die Gottlosigkeit der französischen Revolution nur ein Kopfschütteln übrig. Den Tod des Kirchenkritikers Voltaire nahm er mit Genugtuung zur Kenntnis. Da war das Genie längst Freimaurer.

Heute würde sich Mozart wohl zur katholischen Kirchen-Volksbewegung zählen. An der Kirche, die seinerzeit vielfach Aberglaube und ein „dekadentes Mönchtum“ förderte, kann der freiheitsliebende Komponist kein Interesse gehabt haben, mutmaßt der katholische Theologe Hans Küng. Nachweislich hasste er das „pfäffische Wesen“.

Trotzdem war er gläubig. „Spuren der Transzendenz“, also des Übersinnlichen, sieht Küng ständig in den Werken des Meisters aufscheinen. Es sei auffällig, wie Mozart bemüht sei, ständig Grenzen zu überschreiten. Für Musikkenner oder auch ungeschulte Ohren halte er permanent Überraschungen parat, und jeder müsse sich bei Mozart dem „Reiz der Ungewissheit des Woher-Wohin“ aussetzen. Woher und wohin: Das sind die Grundfragen menschlichen Lebens und Glaubens. Und für Küng war es das Göttliche an Mozart, dass er es verstand, „das Ganze in seiner höheren Einheit“ darzustellen. Wer sich Mozart ganz hingebe, könne das hören: Es sei seine Musik, die einen von innen heraus plötzlich durchdringe. Und was sei dies anderes, als die Aussage des alten Apostels Paulus: „In Gott leben, weben und sind wir.“

Mozarts Haltung zur evangelischen Konfession

Ob das auch nüchterne Evangelische verstehen? Mozart selbst hatte zeitlebens daran so seine Zweifel. Ausgerechnet von einem Aufenthalt in der Bach-Stadt Leipzig ist der Satz überliefert, dass „die aufgeklärten Protestanten“ wohl nie so recht erspüren könnten, was es mit dem „Agnus dei“ auf sich habe, dem Lamm, das die Sünde hinweg nimmt und Frieden gebe.

Diese Aussage ließ dem wohl einflussreichsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts, Karl Barth, keine Ruhe. Ihm erschien Mozart gar im Schlaf, wie Barth selbst bezeugt. Einmal habe er den Traum gehabt, Mozart die theologische Examensprüfung abnehmen zu müssen - wohl wissend, dass er die Musik-Koriphähe auf keinen Fall durchfallen lassen dürfe.

Auf Barths Frage, was Theologie und Dogmatik sei, habe der Kandidat trotz mehrmaliger freundlicher Hinweise auf die zahlreichen Messen geschwiegen. Kein Wunder: Der Autor der 13-bändigen monumentalen „Kirchlichen Dogmatik“ hatte nach den Lehrsätzen der Kirche gefragt; Mozart zielte auf die religiöse Erfahrung ab. Trotzdem wurde Karl Barth ein Jünger Mozarts.

Der evangelische Denker bekannte: „Wenn ich je in den Himmel kommen sollte, würde ich mich dort zunächst nach Mozart und dann erst nach Augustin und Thomas, nach Luther, Calvin und Schleiermacher erkundigen.“

Sicher ist sich Barth jedenfalls, dass die Engel zum Lobe Gottes eher Mozart als Bach spielen. Denn dann höre ihnen der liebe Gott besonders gerne zu. Doch was macht für Barth die Faszination aus? Bach musiziere Lehren, Beethoven spiele sich selbst. Mozart aber klinge einfach nur: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ meint der große Theologe.

Das Ende - ein Trauerspiel

Das Ende des himmlischen Kindes ist indessen ein Trauerspiel. Auf großem Fuß lebend, plagen Mozart permanent Geldsorgen. Historiker mutmaßen, dass er zudem dem Glücksspiel frönte. An einer rätselhaften Krankheit stirbt er. Aus Kostengründen wird er in einem Massengrab beigesetzt.

Doch seine Musik lebt. Und sei es in den U-Bahn-Stationen von Millionenstädten. Denn wo Wolfgang Amadeus Mozart erklingt, sinkt - wissenschaftlich belegt - die Kriminalitätsrate. Und der erste Weltmusiker der Geschichte hätte vermutlich auch nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn manch modernes Mobiltelefon heute die „Kleine Nachtmusik“ fiept. Mozart liebte es, wenn die Leute seine Melodien auf den Straßen summten.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Mozarts Leben

1756: Als siebtes Kind der Familie Mozart am 27. Januar in Salzburg geboren.

1760: Vater Mozart erwähnt die frühesten Kompositionen seines Sohns.

1762:
Erste Konzertreisen des „Wunderkinds“ nach München und Wien.

1763:
Erste große Tournee, die ihn in den folgenden drei Jahren durch Deutschland, Frankreich, England, Holland und die Schweiz führt.

1764:
Mozart schreibt seine früheste Symphonie; erste Begegnung mit dem Bach-Sohn Johann Christian. Mozart lernt die italienischen Opern kennen.

1769:
Mozart wird in Salzburg Konzertmeister der fürsterzbischöflichen Hofmusik - ehrenhalber und ohne Besoldung. Reisen nach Italien.

1770:
Mozart feiert in Italien erste Erfolge als Komponist. In Rom erhält er vom Papst persönlich den Orden vom Goldenen Sporn und darf sich fortan mit dem Titel „Cavaliere“ schmücken.

1772:
Mozart wird Konzertmeister der Hofkapelle des Salzburger Bischofs Colloredo; weitere Italien-Reisen.

1776:
Erste Spannungen im erzbischöflichen Dienst.

1777:
Reise nach Mannheim: Bemühungen um die Schaffung einer deutschen Oper.

1779:
Rückkehr nach Salzburg, wo Mozart „Hof- und Domorganist“ wird

1781:
Mozart wird „freischaffender Künstler“; schon länger war es zu künstlerischen und persönlichen Spannungen mit Bischof Colloredo gekommen. Mozart wollte sich nicht unterordnen. Colloredo erkannte das Genie nicht an. Ein letzter Vermittlungsversuch endet mit einem Eklat: „Bey der thüre durch einen tritt im arsch“ sei er hinausgeworfen worden.

1782:
Mozart wird Wiener und hält sich zunächst mit kaiserlichen Aufträgen über Wasser. Heirat mit Konstanze Weber; „Die Entführung aus dem Serail“ entsteht.

1784:
Mozart wird Freimaurer.

1786:
Uraufführung der Oper „Die Hochzeit des Figaro“; in den beiden Folgejahren entstehen die größten Werke. Dennoch verschlechtert sich die materielle Lage Mozarts durch seinen aufwendigen Lebensstil stetig.

1790:
Mozart reist auf eigene Kosten zur Kaiserkrönung nach Frankfurt; er erhofft sich neue Reputation und Aufträge - ohne Erfolg. Er kehrt nach Wien zurück.

1791:
Die „Zauberflöte“ und das legendenumwobene „Requiem“ entstehen, das unvollendet blieb. Mozart arbeitete an dem Auftragswerk für einen Adeligen bis zum Tod.

1791:
Am 5. Dezember stirbt Mozart mit 35 Jahren in Wien an „hitzigem Frieselfieber“ - vermutlich einer schweren rheumatischen Erkrankung oder Infektion. Bis heute sind Theorien von einem Giftmord nicht verstummt.

Das Gesetz ist durch Mose gegeben;
die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden."

Johannes 1, 17

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStock-baona

Zurück zur Webseite >

to top