Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Gedenken am 24. April

„Völkermord an Armeniern endlich aufarbeiten“

Lampochka/istockphoto.comArmenien - GedenkstätteDie ewige Flamme der Gedenkstätte in Tsitsernakaberd, die an den Völkermord an den Armeniern 1915 erinnert

Kirchenpräsident Volker Jung und Bischof Martin Hein kritisieren den Umgang mit dem Genozid in der Türkei scharf und weisen die Bundesrepublik auf ihre Verantwortung hin. Zudem regen sie Gemeinden zum Gedenken an. Der Beginn des Völkermords in der Türkei jährt sich am 24. April zum 100. Mal.

Darmstadt / Kassel, 21. April 2015. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, und der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, haben die evangelischen Gemeinden in einem Schreiben dazu aufgerufen, an den bevorstehenden 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern mit Gottesdiensten und Glockengeläut zu erinnern. Am 24. April 1915 begann die Verfolgung christlicher Bevölkerungsgruppen in der Türkei. Zwischen 1915 und 1919 wurden nach Schätzungen über eine Million christliche Armenier und fast eine halbe Million assyrischer, chaldäischer und griechisch‐orthodoxer Christen bei Massakern, Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen getötet.

Jung und Hein kritisierten in dem Rundbrief an die rund 2000 evangelischen Kirchengemeinden auch den Umgang der heutigen türkischen Regierung mit dem Genozid. Bislang sei eine „offene Diskussion dieses Völkermordes in der Türkei gemäß der türkischen Verfassung verboten“. Das Land habe zwar erste Schritte hin zu einer Aussöhnung mit dem Staat Armenien unternommen. Es fehle bisher aber eine wissenschaftliche Erforschung. Als positives Beispiel nannten sie die Aufarbeitung der eigenen Geschichte Deutschlands, die gezeigt habe, „dass der kritische Umgang mit der eigenen Vergangenheit eine aus der Schuld vergangener Generationen erwachsene Verantwortung zur Erinnerung an geschehenes Unrecht“ sein könne. Hein und Jung seien überzeugt, dass es „nicht nur für die Opfer wichtig ist, den Völkermord an den Armeniern endlich anzuerkennen, sondern auch für den innertürkischen Demokratisierungsprozess und die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit in der Türkei“.

Die beiden leitenden Geistlichen erinnerten in ihrem Schreiben auch an die Verantwortung Deutschlands für den Völkermord an den Armeniern „weil es als Bündnispartner des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkrieges wissentlich die Ermordung und Vertreibung armenischer Christen in Kauf genommen hat“. Sie begrüßten deshalb das Bekenntnis des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2005 zu Deutschlands Mitschuld und „erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich bei ihren Verhandlungen mit der Türkei für eine Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern einsetzt und diese zu einer Bedingung für einen EU-Beitritt macht“. Außerdem baten sie die hessische und die rheinland-pfälzische Landesregierung um die Umsetzung der 2005 vom Bundestag angeregten Maßnahmen zur Aufnahme des Armenier-Genozids in Schulcurricula und Schulbücher. Gerade Jugendliche mit türkischem Hintergrund könnten auf diese Weise einen Einblick in die türkische Geschichte erhalten, der ihren Eltern in der Türkei verwehrt werde.

Schließlich empfahlen Jung und Hein den Gemeinden in beiden Kirchen, sich dem Aufruf der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland anzuschließen und den Dialog mit armenischen Gemeinden in ihrer Nachbarschaft zu suchen und durch besondere Veranstaltungen an den Völkermord zu erinnern. Außerdem regten sie an, der Idee der ACK-Kirchen zu folgen und beispielsweise in den Sonntagsgottesdiensten für die Opfer des Völkermordes zu beten und am 24. April 2015 um 17 Uhr anlässlich des Beginns der Verfolgung die Glocken zu läuten. 

Dokumentation:
Schreiben an die Gemeinden im Wortlaut


Gedenken an den Armeniergenozid

Am 24. April 2015 gedenken armenische Christinnen und Christen weltweit des Völkermordes im Osmanischen Reich, der vor hundert Jahren mit der Verhaftung armenischer Intellektueller und Politiker begann. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges fanden mehr als eine Million armenischer Christinnen und Christen bei Massakern und Zwangsumsiedlungen den Tod. Nicht zu vergessen eine halbe Million assyrischer, chaldäischer und griechisch-orthodoxer Christen, die am Ende des osmanischen Reiches Opfer von Massakern und Vertreibung wurden.

Dass eine offene Diskussion über den armenischen Völkermord bis heute in der Türkei nicht möglich ist und nach § 301 der türkischen Verfassung strafrechtlich verfolgt werden kann, halten wir für nicht akzeptabel. Zu verleugnen und zu vergessen, ist der letzte Schritt des Völkermordes. Aus eigener Erfahrung bekräftigen wir, dass der kritische Umgang mit der eigenen Vergangenheit eine aus der Schuld vergangener Generationen erwachsene Verantwortung zur Erinnerung an geschehenes Unrecht ist. Es ist, davon sind wir überzeugt, nicht nur für die Opfer wichtig, dass die türkische Regierung den Völkermord an den Armeniern anerkennt, sondern auch für den innertürkischen Demokratisierungsprozess, die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit in der Türkei und ein besseres Verhältnis zum Nachbarstaat Armenien. Der transparente und ehrliche Umgang mit der eigenen Vergangenheit kann der Verherrlichung von Gewalt und rassistischem Nationalismus entgegenwirken. Wir nehmen Ansätze eines Umdenkens in der Türkei wahr und ermutigen alle, die sich sowohl in der Türkei als auch in Deutschland für eine Aufarbeitung des armenischen Völkermordes und eine Förderung des Dialogs zwischen Türken und Armeniern einsetzen.

Wir sind uns bewusst, dass Deutschland eine Mitverantwortung an dem Völkermord an den Armeniern während des 1. Weltkrieges trägt. Politisch Verantwortliche in Deutschland haben wissentlich die Deportation und den Tod vieler Menschen in Kauf genommen, um das Verhältnis zum osmanischen Bündnispartner nicht zu gefährden. Wir begrüßen das Bekenntnis des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2005 zu Deutschlands Mitschuld und erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich bei ihren Verhandlungen mit der Türkei für eine Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern einsetzt und diese zu einer Bedingung für einen EU-Beitritt macht. Außerdem bitten wir die Hessische und die Rheinland-Pfälzische Landesregierung um die Umsetzung der 2005 vom Bundestag angeregten Maßnahmen zur Aufnahme des Armenier-Genozids in Schulcurricula und Schulbücher. Gerade Jugendliche mit türkischem Hintergrund könnten auf diese Weise einen Einblick in die türkische Geschichte erhalten, der ihren Eltern in der Türkei verwehrt wurde.

Wir empfehlen unseren Kirchengemeinden, sich dem Aufruf der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland anzuschließen und den Dialog mit armenischen Gemeinden in ihrer Nachbarschaft suchen und durch besondere Veranstaltungen an den Völkermord der Armenier in ihren Gemeinden zu erinnern. Außerdem regen wir dazu an, sich den anderen ACK-Kirchen anzuschließen und im Gottesdienst für die Opfer des Völkermordes zu beten und am 24. April 2015 um 17:00 Uhr die Glocken zu läuten.

Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Gorfer

Zurück zur Webseite >

to top