Meditation
Perle für Perle dem eigenen Glauben auf der Spur
Erfinder Martin Lönnebo: „Sucht euren eigenen Weg damit"
„Die neue Kette am Handgelenk meiner Kollegin fiel mir sofort ins Auge und ich habe sie darauf angesprochen.“ So berichtete eine Lehrerin aus dem Hessischen Ried, wie sie von der Gebetskette „Perlen des Glaubens“ erfahren hat. Offensichtlich nehmen zunehmend mehr Menschen diese Gebetskette als Anlass, um über ihren Glauben nachzudenken und darüber zu sprechen. Diesen Eindruck bestätigt Pastorin Sandra Peters-Hilberling, die Projektleiterin der "Perlen des Glaubens", aus der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Nachdem im Jahr 2003 die Kette in Deutschland eingeführt worden sei, habe das nordelbische Amt für Öffentlichkeitsarbeit bis heute rund 100.000 Exemplare verschickt. „In diesem Jahr feiern wir Ende Mai und Anfang Juni das fünf-jährige Jubiläum in Deutschland!“ freut sich die Pastorin. Gelungenes Marketing allein kann die Menschen allerdings nicht überzeugt haben. Was also ist das Besondere an den 18 mit einer Schnur verbundenen Perlen?
Glaube zum Anfassen
„Die Kette ist Glaube zum Anfassen. Sie kann Menschen ermöglichen, ihre persönliche Gebets- und Mediationspraxis zu finden“, erklärt Pfarrerin Dorothea Hillingshäuser, Sprecherin des Fachbereiches Missionarisches Handeln und Geistliches Leben vom Zentrum Verkündigung der EKHN.
Sie erklärt die Bedeutung der farbigen Perlen: „Die goldene Perle symbolisiert Gott, den Anfang und das Ende. Dann gibt es die weiße Ich-Perle, die beiden roten Perlen der Liebe, die blaue Perle der Gelassenheit und die schwarze Perle der Nacht. Dazwischen finden Sie kleine ovale Perlen der Stille.“ Spirituelle Anregungen lassen sich in einem Begleitbüchlein sowie in einer Meditations- und einer Musik-CD und dem Lied „Du bist ewig“ von Martin Lönnebo und Johan Denke finden.
Martin Lönnebo, der Erfinder und schwedischer Bischof im Ruhestand, empfiehlt allerdings seinen Zuhörenden, nachdem er den Umgang mit der Kette erklärt hat: "Jetzt habe ich euch so viel von den Perlen erzählt. Das könnt ihr getrost vergessen. Sucht lieber euren eigenen Weg damit."
Vielfältige und persönliche Zugangswege
Und die Wege sind unterschiedlich, wie Pfarrerin Hillingshäuser während ihrer Veranstaltungsreihen erfährt: „Manche Menschen gestalten mit der Kette ihren Tagesrückblick, andere denken täglich über eine einzige Perle nach.“ Es freut sie, dass die Anwenderinnen und Anwender in allen Altersgruppen vertreten seien. „Die Kette kommt unheimlich gut an. Auch die Jungs haben sich die Kette sofort übergestreift, nachdem ich sie unter den Konfirmanden und einer Gruppe Senioren in einem Gottesdienst ausgeteilt hatte“, bestätigt Pfarrer Hermann Birschel von der Evangelischen Kirchengemeinde Stockstadt. Eine Mädchengruppe habe anschließend sogar freiwillig vorgeschlagen, im Vorstellungsgottesdienst die Gebetskette zu präsentieren. Momentan dürften rund 150 Menschen aus seiner Gemeinde die Kette besitzen.
Pfarrerin Hillingshäuser weiß aber auch, dass nicht jeder einen Zugang zur Kette findet. „Für manche Menschen sind die Perlen hilfreich und inspirierend, andere können nichts oder wenig damit anfangen“, so die Pfarrerin.
Die Geschichte zur Kette
Interview mit dem Liedermacher Clemens Bittlinger über die Perlen des Glaubens
Ansprechmöglichkeit in Hessen-Nassau:
Zentrum Verkündigung der EKHN FB Miss.Handeln u.Geistl.Leben
Pfarrstelle Geistliches Leben
Markgrafenstraße 14
60487 Frankfurt
Telefon: 069 - 71379136
Die Idee zu den „Perlen des Glaubens“ hatte Martin Lönnebo, evangelischer Bischof aus Schweden im Ruhestand, im Jahr 1996. Er hatte griechische Fischer mit ihren Perlenketten auf der Insel beobachtet, auf der er aufgrund eines Sturmes fest saß. In dem Begleitbuch heißt es dazu: „Er zeichnete einen `Rettungsring´ aus Perlen auf Papier und gab jeder Perle eine besondere Bedeutung“. Die nordelbische Pastorin Kirstin Faupel-Drevs brachte die Idee aus Skandinavien schließlich nach Deutschland. Seit 2003 ist die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche die Herausgeberin der Perlen und bietet Informationen sowie Bestellmöglichkeiten auf der Internetseite www.perlen-des-glaubens.de an. Einer größeren christlichen Öffentlichkeit in Deutschland wurde die Gebetskette zum ersten Mal 2003 auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin vorgestellt.
Clemens Bittlinger, Liedermacher und Pfarrer in der EKHN, war es schließlich, der auf dem Kirchentag in Köln 2007 Bundespräsident Horst Köhler und seiner Frau die Perlen des Glaubens überreichte. Bittlinger hatte sich durch die Kette musikalisch inspirieren lassen und im letzten Jahr das Album „Perlen des Glaubens“ heraus gebraucht. In einem Interview schildert er, wie er persönlich Zugang zu den Perlen gefunden hat. Zum Interview
Die „Perlen des Glaubens“ sind allerdings nicht die einzigen Gebetsketten, ihre Tradition reicht viel weiter und in unterschiedliche Religionen zurück. Auch im Islam, Buddhismus und Hinduismus verwenden Gläubige Gebetsketten. Im katholischen Umfeld ist vor allem der Rosenkranz bekannt, der aus 59 Perlen besteht.
[Rita Deschner /DH]
zurück | letzte Aktualisierung: 27.03.2008 | copyright by EKHN