Meditation

18. März 2008

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Liedermacher Clemens Bittlinger erzählt von seinen Meditationserfahrungen und seinem Album „Perlen des Glaubens“

„Finde heraus, was das Wichtigste in Deinem Leben ist“

 

Die „Perlen des Glaubens“ haben Clemens Bittlinger inspiriert, ein eigenes, gleichnamiges Album zur Gebetskette zu veröffentlichen. Der 1959 in Mannheim geborene Bittlinger ist Liedermacher zahlreicher neuer geistlicher Stücke, Buchautor und Pfarrer in der EKHN. Dort ist er als Referent für den Bereich „Mission und Ökumene“ im Dekanat Darmstadt-Land zuständig. Bekannt wurden er und seine Lieder unter anderem durch Auftritte auf Kirchentagen und im Fernsehen. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2007 in Köln präsentierte er vor mehr als 30.000 Besuchern das Album „Perlen des Glaubens“. Im Rahmen der „Nacht der Lieder“ hatte er Bundespräsident Horst Köhler und seiner Frau die „Perlen des Glaubens“ überreicht.
Über Bittlingers Meditationspraxis und seine musikalische Inspiration befragte ihn Rita Deschner.

Was hat Sie an der Kette "Perlen des Glaubens" begeistert?

Clemens Bittlinger: An den "Perlen des Glaubens" hat mich begeistert, dass man hier etwas zum Anfassen in die Hand bekommt, gewissermaßen einen "Katechismus für die Hand". Wir Protestanten begreifen ja manchmal unseren Glauben sehr kopf- und wortlastig. Der reformatorische Ruf "sola scriptura" (allein durch die Schrift) hat eben auch eine Kehrseite.  Wir haben verlernt, dass der christliche Glaube ein ganzheitliches Geschehen ist: Leben mit allen Sinnen. Dies wieder zu entdecken, dabei können uns die Perlen helfen. Des weiteren haben mich die Inhalte und die Reihenfolge der Perlen sehr angesprochen und begeistert, meine Lieblingsperle ist die dunkelblaue "Perle der Gelassenheit" und die "Perle der Auferstehung". Zudem ist dieses Perlenband auch noch ein schönes Schmuckstück.

Meditieren Sie selbst mit dieser Kette?

Das Lied zur „Perle der Stille“
(Erste und zweite Strophe)

„Stille sonderbar,
plötzlich bist du da.
Jeder Ton und jedes Wort
birgt für dich Gefahr.
Stille, wunderbares Gut,
Perle, goldner Traum,
der in jedem Herzen ruht,
findest selten Raum.

Stille sonderbar,
man bemerkt dich nicht,
diese Welt ist voller Lärm,
unsre Ohren dicht.
Stille, du bist einfach da,
wie ein Angebot,
das schon immer bei uns war
und du tust so gut.“

(Clemens Bittlinger)

Clemens Bittlinger: Ich trage das Perlenband ziemlich oft und bewege es manchmal so neben bei in Gedanken und verbinde die eine oder andere Perle mit einem kurzen Gebet. Für mich als Pfarrer unserer Landeskirche ist dieses Perlenband außerdem ein wunderbarer Fundus, aus dem ich auch spontan mal für eine Andacht schöpfen kann.

Wie sind Sie ganz am Anfang mit dieser Meditationshilfe umgegangen?

Clemens Bittlinger: Ich habe mir erst einmal meine eigenen Gedanken dazu gemacht, mir überlegt, ob die Reihenfolge für mich stimmt und welche Bedeutung die "Perle der Stille" in meinem Leben hat. Dann habe ich begonnen, die vorhandene Literatur dazu zu studieren. Und schließlich kam ein eigener kreativer Prozess in Gang, an dessen Ende das Songalbum zu den "Perlen des Glaubens" stand.

Was entfaltet sich während der Auseinandersetzung mit der Kette?

Clemens Bittlinger: Es entfaltet sich ein spiritueller Weg, bei dem ich lerne, dass auch die "Perle der Wüste" und die "Perle der Dunkelheit" oder die "drei Geheimnisperlen" zu den Schätzen meines Glaubens gehören. Ich lerne auch Seiten an und in mir schätzen, die auf den ersten Blick vielleicht unattraktiv und negativ belastet sind. Außerdem kann man anhand der "Perlen des Glaubens" auch den Weg Jesu nachvollziehen und darüber meditieren. Das Lied der Gottesperle "Du bist ewig, du bist nahe, du bist Licht und ich bin dein"* begleitet mich und könnte vielleicht irgendwann einmal so etwas ähnliches wie ein Herzensgebet werden. Das ist eine wunderbare Erfahrung!

Warum war es Ihnen wichtig, Ihre Erfahrungen mit den Perlen des Glaubens musikalisch umzusetzen?

Clemens Bittlinger: Naja, ich bin eben vor allem auch ein Liedermacher, das heißt ein Komponist und Texter. Als ich die Perlenkette das erste Mal sah und in die Finger bekam, war mir sofort klar: Damit lässt sich ein wundervolles Konzept umsetzen. Nach meinen Konzerten kommen immer wieder Leute auf mich zu und erzählen mir, wie sie sich in bestimmten Lebenslagen an Liedern wie "Sei behütet", "Aufstehn aufeinander zugehn" oder "Schritte wagen" festgehalten haben. Wie schön, dachte ich mir, wenn ich nun diesen Menschen tatsächlich etwas "in die Hand" geben kann und dann auch noch in Verbindung mit meiner Musik.

Auf welche Weise stellen Sie die "Perlen des Glaubens" in Ihrem Album inhaltlich vor?

Clemens Bittlinger: Wir erzählen eine Geschichte. Wenn ich sage „wir“, dann heißt das: die Spiritualin und Pfarrerin der Nordelbischen Kirche Dr. Kirstin Faupel-Drevs, der Schweizer Produzent und Arrangeur David Plüss und ich. Wir erzählen die Geschichte eines Pilgers, der von einem Engel ein Perlenband geschenkt bekommt und mit dem Schmuckstück die Aufgabe: „Finde heraus, was das Wichtigste in Deinem Leben ist“. Daraus entwickelt sich ein Dialog zwischen dem Pilger und dem Engel. In diesem Zwiegespräch werden die einzelnen Perlen kurz vorgestellt – die Lieder greifen diese Gedanken auf und führen sie weiter – an vielen Stellen kann man auch mitsingen und es gibt eine ausführliche Notenausgabe (mit Chorsätzen) zu dieser CD.


* „Du bist ewig“: Text: Martin Lönnebo, Musik: Johann Denke