Losungen

Quelle: Andrea Fischer
Foto: Andrea Fischer


Jahreslosung 2012


„Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
(2. Korintherbrief Kapitel 12, Vers 9)


Gedanken von Pfarrer Martin Reinel zur Jahreslosung:

Manche Bilder des zu Ende gehenden Jahres 2011 scheinen der Jahreslosung des kommenden Jahres 2012 Recht zu geben: Auch Schwachheit kann erfolgreich sein. Überwiegend friedlich demonstrierten Tausende von Menschen in arabischen Ländern und lehnten sich gegen despotische Regierungen auf. Der Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo wurde zum Symbol des „arabischen Frühlings“. Eine jüngere Generation nutzte Internet und Facebook, um alte Machtstrukturen in Frage zu stellen. Bisher Mächtige mussten gehen, scheinbar Schwache entwickelten Stärke.
Allerdings richten sich zu Beginn des Jahre 2012 viele Blicke nun wieder skeptisch auf die betroffenen Länder: Ob diese Aufstände tatsächlich auf Dauer die Machtverhältnisse ändern und demokratischere Verhältnisse bringen, ist sehr fraglich. Denn Gewalt gibt es weiterhin, Reformen lassen auf sich warten und radikale Kräfte scheinen mancherorts die Oberhand zu gewinnen. Es sieht so aus, als ob die Schwachen kaum mehr Unterstützung bekommen als früher. Die Realität der Welt scheint ihre Macht zu behaupten und äußere Stärke weiterhin zu siegen.

Dagegen hält die Jahreslosung aus dem Korintherbrief des Apostel Paulus an der Hoffnung einer anderen Welt fest: „Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Die tägliche Losung

Die "Evangelische Brüder-Unität / Herrnhuter Brüdergemeinde" sorgt dafür, dass jedes Jahr die täglichen Losungen und Lehrtexte in rund 50 Sprachen erscheinen. Bekannt ist diese kleine Gemeinschaft auch durch die Herrnhuter Sterne, die zur Advents- und Weihnachtszeit in vielen Wohnungen und Kirchen leuchten.

Die Erwartung, dass Machtlose doch zu ihrem Recht kommen, dass Armen Gerechtigkeit widerfährt und Gebeugte aufrecht gehen können, bezeichnet eine der Grundlinien des Glaubens und Kernüberzeugungen der Bibel. Der junge David nimmt es mit dem Riesen Goliath auf und wird zum Symbol frischen Muts. Gott führt das versklavte Volk Israel aus Ägypten in die Freiheit. Die Propheten verkünden: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja Kapitel 42, Vers 3) Jesus Christus erlebt die tiefsten Momente des Menschseins, stirbt am Kreuz und wird auferweckt - Grund christlichen Glaubens und Hoffnung für die ganze Welt.

Die Botschaft der Jahreslosung gibt weder eine Handlungsanleitung, um den Mächten dieser Welt ein schnelles Schnippchen zu schlagen. Noch hilft sie einfach und ohne Schmerzen über menschliche Trauer und weltliches Elend hinweg. Allerdings eröffnet sie neue Horizont und andere Blickwinkel: Die bisherigen Machtverhältnisse sind nur scheinbar unverrückbar festgefügt. Und Stärke ist nicht das einzige, was zählt.
Das sagt die Bibel: Gott stellt sich auf die Seite der Menschen, auch wenn sie Niederlagen einstecken müssen. Gott nimmt hin, dass Menschen ohnmächtig werden und verlässt sie nicht. Gleichzeitig sollen Menschen nicht in dieser Ohnmacht stecken bleiben, sondern neuen Lebensmut gewinnen. Nicht Fesseln und Abhängigkeit sollen das Leben bestimmen, sondern Liebe und Herzlichkeit.

Menschen können dem Willen Gottes gemäß leben, wenn sie bei anderen nachsichtig sind und selbst wagen, neu anzufangen. Wenn sie mit ihren Stärken anderen helfen und ihre Fähigkeiten zum Wohle der Gemeinschaft einsetzen. Letztlich zählen nicht Macht und Einfluss, sondern Hingabe und Zuwendung.
Ein schönes Bild für solche Kraft, die in den Schwachen mächtig ist, sind zarte Blüten, die den Asphalt durchbrechen. Blumen, die auf steinigen Mauern wachsen. Pflanzen, die plötzlich Wurzeln fassen, wo man es nicht vermutet. Auch ohne machtvolle Beigaben, ganz ohne äußere Stärke wächst da etwas aus innerem Antrieb heraus.

Pfarrer Martin K. Reinel, Öffentlichkeitsarbeit der EKHN


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