Kerb, Kirchweih, Kerwe
Kerb feiern mit evangelischem Profil
Evangelische Straußenwirtschaft mit Fundraising-Aspekt
Wenn Kerb gefeiert wird, geht es hoch her in vielen Gemeinden in Hessen und Nassau. Da geben die Kerweborsch die Höhepunkte des letzten Jahres zum Besten und die Jungen und Mädchen quietschen vor Begeisterung am Autoscooterstand. Das bunte Treiben hat sich ursprünglich jedoch aus einer kirchlichen Tradition heraus entwickelt. Dr. Christiane Braungart, Referentin für ehrenamtliche Verkündigung im Zentrum Verkündigung der EKHN, erklärt: „Die Kerb, das heißt die Kirchweih, wird zur Erinnerung an die erste Weihe der Kirche gefeiert.“
Kirchliche Tradition der Kerb aktualisieren
Dieser Brauch stammt häufig noch aus vorreformatorischer Zeit, hat also katholische Wurzeln. Allerdings sei es auch für Protestanten ein schöne Gelegenheit, an die Vollendung des Baus der Kirche im Ort zu erinnern. Dieser Hintergrund sei zum Teil in Vergessenheit geraten und deshalb ermutigt die Referentin Kirchengemeinden, die Kerb und ihre Bedeutung wieder ins Bewusstsein zu bringen. „Zwischen diesen Mauern wurde Menschen das Wort Gottes gepredigt, sie haben zusammen gesungen und gebetet, ihren Glauben bekannt. Zwischen diesen Mauern wurden Menschen getauft, haben Menschen den Bund fürs Leben geschlossen, wurde von Menschen Abschied genommen. Davon zu erzählen ist wichtig, gerade bei einer Kirmes.“ Traditionell gibt es ein einigen Kirchengemeinden einen Kerbegottesdienst; in anderen Gemeinden machen sich der Pfarrer oder die Pfarrerin auf den Weg zu den Menschen ins Festzelt und feiern dort den Gottesdienst.
Fundraising-Idee und Feiern im Einklang
Eine weitere Möglichkeit praktiziert die Evangelische Kirchengemeinde Egelsbach im Rhein-Main-Gebiet. In dem Ort ist die Tradition eines großen Ortsfestes noch lebendig. In Egelsbach hat die evangelische Kirche eine eigene Straußenwirtschaft im Hof des Pfarrhauses und so heißt die Aktion zur Kirchweih „Kerb im Parrehof“. Dort locken deftige Speisen, frisch gepresster Apfelsaft und ein eigens kreiertes Getränk namens „Bäffchen“ zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Freitag und Samstagabend erfreut Live Musik die Ohren, am Sonntag zum Kaffee gibt es Swing und montags zum Frühschoppen ertönen Kerbklassiker der Kerbmusikanten.
Die Einnahmen sind mittlerweile zu einem großen Eckpfeiler der Finanzpolitik in der Gemeinde geworden. Jedes Jahr geht der Erlös von „Kerb im Parrehof“ an ein anderes Gemeindeprojekt: für die Kinder und Jugendarbeit, für die Restaurierung der Bilder in der Kirche oder für den neuen Zaun am Pfarrhaus.
In den 19 Jahren – solange läuft bereits diese Aktion - ist sie längst zum Selbstläufer geworden. Über 100 ökumenische ehrenamtliche Mitarbeiter helfen mit. Gaby Melk, Initiatorin der ersten Stunde, berichtet: „Zur Kerb im Parrehof kommen ganz unterschiedliche Menschen aus allen Altersgruppen. Auch Menschen, die etwas distanziert gegenüber der Kirche sind, finden hier aktiven Anschluss. Ich erinnere mich an eine Frau, die Kontakt zur Gemeinde über `Kerb im Parrehof´ fand und heute Mitglied im Kirchenvorstand ist.“
(Stefan Seib-Melk / Rita Deschner / CB)
Stand: 11. Oktober 2010
zurück | letzte Aktualisierung: 11.10.2010 | copyright by EKHN