Abendmahl
Zentrale Streitpunkte im evangelisch-katholischen Abendmahlsverständnis
- Opfer
Die katholische Kirche versteht die Eucharistie als Opfergabe, sie spricht vom "Messopfer". Priester und Gemeinde vergegenwärtigen in der Eucharistiefeier das Kreuzesopfer Christi. Durch den Akt der Gläubigen bringt sich Christus im katholischen Verständnis Gott selbst dar. In diesem Sinne wird Eucharistie auch als Opfer der Kirche betrachtet.
Die evangelische Kirche trennt sich ganz vom Opfergedanken. Die theologische Lehre stellt den Vergebungsaspekt in den Vordergrund. So vergewissern sich die Gläubigen nach protestantischem Verständnis im Abendmahl der Vergebung der Sünden. In der Gemeinschaft wird des Todes und der Auferstehung Jesu Christi gedacht.
- Wandlung
Für die gläubigen Katholiken wandeln sich in der Eucharistiefeier Brot und Wein in den wirklichen Leib und das wirkliche Blut Christi (Transsubstantation). Die sogenannte eucharistische Gegenwart Christi besteht auch nach der Feier weiter. Brot und Wein werden durch die Eucharistie zu heiligen Hostien. In der katholischen Kirche bekommen die Gläubigen bei der Eucharistiefeier lediglich das Brot ausgeteilt.
Dagegen ist nach lutherischer Auffassung Christus zwar im Abendmahl in Brot und Wein leiblich gegenwärtig, doch verwandelt sich das Brot nicht wirklich-stofflich in den Leib Christi (Konsubstantation). Es ist hier keine Wiederholung des Opfertodes Jesu, sondern es wird die Sündenvergebung in den Vordergrund gestellt. Andere (reformierte) Kirchen sehen im Abendmahl eine rein symbolisch-geistliche Handlung, bei welcher der Heilige Geist den Glaubenden seines Glaubens gewiss macht.
- Priesteramt
Nach katholischer Lehre kann die Eucharistiefeier nur von einem nach katholischem Recht gültig geweihten Priester vollzogen werden. Nur er kann, stellvertretend für Christus, das Messopfer darbringen. Nur durch ihn kann Christus handeln.
Anders ist es in der evangelischen Kirche. Die Rolle des Leiters einer Abendmahlsfeier ist bei den Protestanten zweitrangig. Entscheidend ist: Christus lädt ein, Christus allein beauftragt und was geschieht, das geschieht "im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes". Von daher hängt die Gültigkeit des Abendmahls nicht an der Person, die es leitet. Das evangelische Abendmahl kennt deshalb auch kaum konfessionelle Grenzen. Jeder, der getauft ist, kann daran teilnehmen.
[Volker Rahn, Evangelische Sonntagszeitung]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN