Bibel
Die Bibel - Gottes Wort?
chen Geschichten der Bibel Gottes Wort?
Was unterscheidet die Bibel von anderen Büchern? Sie ist ein heiliges Buch, sie ist „Gottes Wort“.
Erfahrungen mit Gott
Der Verfasser des ersten Samuelbuches berichtet, wie David bereits vor
dem Kampf gegen Goliat fühlte, dass Gott ihn dabei unterstützen
wird. Der nur mit einer Steinschleuder ausgerüstete David besiegt
tatsächlich
den erfahrenen und besser ausgerüsteten Krieger.
An dieser Begebenheit wird deutlich, was Christen unter „Gottes Wort“ verstehen:
Menschen hielten in Geschichten ihre Erfahrung fest, wenn sie spürten,
dass Gott ihr Leben berührt. Die alten biblischen Berichte sind Zeugen
für etwas, das sich menschlichem Begreifen entzieht: den Glauben an
einen lebendigen Gott, der mit den Menschen und dieser Welt durch ihre Geschichte
geht.
In der Begegnung mit dem Leser
Die biblischen Geschichten entfalten erst
dann ihre Wirkung als „Wort
Gottes“, wenn sie der Leserin oder dem Leser begegnen. Allerdings kann
es vorkommen, dass nicht jede Erzählung uns berührt. Es ist aber
möglich, dass in einem unerwarteten Moment für den Bibelleser ein
bestimmter Vers als Antwort auf seine persönliche Lebensfrage aufleuchtet.
Diese Erfahrung machte beispielsweise Martin Luther. Den Mönch trieb
die Frage umher, wie er trotz seiner Schwächen und Verfehlungen vor
der Strafe Gottes bewahrt werden kann. Im Brief des Paulus an die Römer
findet er, wonach er sucht: „Denn im Evangelium wird offenbart die
Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt.“ Er
erkennt: Durch eigene Leistung und Anstrengung erhält der Mensch nicht
die Gnade Gottes, sondern sie ist ein Geschenk. Allein durch den Glauben
ist der Mensch bereit, sie zu empfangen.
Diese Bibelstelle war die Initialzündung für Luthers >> Rechtfertigunslehre,
mit der er schließlich die Reformation ins Rollen brachte.
Dichtung oder Wahrheit?
Kritische Stimmen geben zu bedenken, dass die biblischen
Geschichten eine Erfindung mehr oder weniger frommer Leute seien, die dafür
die historische Wahrheit kräftig verbogen haben.
Die Bibel ist tatsächlich kein historischer Tatsachenbericht. Sie wurde
von Menschen aufgeschrieben, die von ihrem Glauben, von Sehnsüchten
und Ängsten, von Erinnerungen und Hoffnung berichten. Viele der Texte
widersprechen einander, so wie sich Menschen widersprechen, die ihre Lebensgeschichten
erzählen. Andere Texte sind später mit einer bestimmten Absicht
gekürzt, umgeschrieben oder zusammengefasst worden. Auch gehen christliche
Theologen davon aus, dass die biblischen Texte nicht wortwörtlich den
Verfassern von Gott diktiert wurden (Verbalinspiration).
Einzelne Bibelstellen nicht verallgemeinern
Wie können die biblischen Geschichten dann ein Maßstab für unser Leben sein? Auch Martin Luther fühlte sich erdrückt von der Fülle der - teilweise gegensätzlichen - Aussagen der Bibel und macht das, was zu Christus hinführt, zur Richtschnur aller Auslegung. Einfacher ausgedrückt: Die einzelne Bibelstelle sollte auf das biblische Gesamtzeugnis, den rote Faden, der die Bibel inhaltlich durchzieht, hin überprüft werden.
„Gottes Wort“ bedeutet also nicht, dass die Inhalte der Bibel
die absolute Wahrheit beanspruchen. In dem einleitenden Text „Gottes
Wort im Menschenwort“ zur Lutherbibel steht hingegen, wie es zu deuten
ist: Die Geschichte der Bibel wurde aufgeschrieben, „weil Menschen
in ihr das Wirken Gottes erkannten und weil die Erzählung davon anderen
die Augen für Gottes Wirken auch in ihrem Leben öffnen kann.“
[Dr. Joachim Schmidt, Volker Rahn, RD]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN