evangelisch - katholisch

Unterschiede trotz gemeinsamer Grundlagen: evangelisch und katholisch

Die Glaubensspaltung während der Reformation des 16. Jahrhunderts teilte die abendländische Christenheit in evangelische und katholische Christen. Seit einigen Jahrzehnten ist man wieder auf der Suche nach der Einheit.

Gemeinsamkeiten


Vieles eint überraschend katholische und evangelische Christen:

  • der Glaube an Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist
  • das Verständnis der Bibel als Wort Gottes
  • die Taufe
  • der Glaube, dass Christus im Abendmahl beziehungsweise der Eucharistie mit Leib und Blut gegenwärtig ist
  • der Glaube, dass wir von Gott geliebt und angenommen werden
  • das apostolische Glaubensbekenntnis
  • die Feier des Sonntags, vieler Feste im Kirchenjahr sowie etliche gemeinsame Kirchenlieder
  • der vielfältige Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

 

Was noch trennt

Noch immer trennen aber auch fundamentale Unterschiede die evangelische und katholische Kirche:

Der Papst

Eines der zentralen Probleme ist das Papstamt. Im katholischen Kirchenverständnis ist der Papst der legitime Nachfolger des Apostels Petrus und als solcher zum obersten Hirten der Kirche bestimmt. Diesen Anspruch lehnen die Evangelischen wegen der fehlenden biblischen Begründung strikt ab. Sie glauben an das Priestertum aller Gläubigen
Hintergrund (Papst)

Das Amtsverständnis

Nach katholischer Überzeugung erhalten die Geistlichen im Weihe-Sakrament ein besondere Prägung. Eine Weihekette lebendiger Zeugen reicht dabei nach katholischer Ansicht bis zu den von Jesus erwählten Aposteln zurück. Die Evangelische Kirche lehnt diese sakrale Sicht des geistlichen Amtes ab. Für Protestanten gibt es bestimmte, mitunter auch von Gott gewollte Funktionen, welche die Gemeinde jemandem überträgt. Evangelische Geistliche werden wegen ihrer fehlenden Weihe deshalb nicht von der katholischen Kirche anerkannt.
Hintergrund (Amt)

Die Sakramente und das Abendmahl

Die evangelische Kirche kennt nur zwei Sakramente: Die Taufe und das Abendmahl. Denn nur sie sind in den biblischen Überlieferungen als solche bezeugt. Die katholische Kirche feiert sieben Sakramente, die sich erst im Lauf der Geschichte entwickelten. Nach katholischer Lehre kann die Abendmahlsfeier nur ein geweihter Priester austeilen. Nach evangelischer Auffassung kann im Prinzip jeder Getaufte das Abendmahl darreichen. Denn nach evangelischer Lesart ist es nicht die Kirche oder ihre Würdenträger, die zum Heiligen Mahl einladen, sondern Christus selbst. Beide Konfessionen glauben aber daran, dass Christus in Brot und Wein beim Mahl gegenwärtig ist. Allerdings sind Brot und Wein für Evangelische nach der Feier wieder normales Brot und Wein. Für katholische bleiben sie geheimnisvoll gewandelt und können daher in der Kirche aufbewahrt, verehrt und Kranken in die Wohnung gebracht werden.
Hintergrund (Sakramente)


Das Verständnis der Gnade Gottes

Ursprünglicher Ausgangpunkt für die Streitigkeiten, die vor fünf Jahrhunderten zur Aufteilung in die evangelische und katholische Christen führten, war die Frage, auf welche Weise die Sünden eines Menschen vergeben werden. Luthers Antwortmöglichkeit wurde als so genannte Rechtfertigungslehre bezeichnet.
Ein zentraler Punkt war hierbei das unterschiedliche Verständnis von dem Wirken der Gnade Gottes. Während sich Gläubige in der katholischen Kirche traditionell durch rituelle Praxis der Gnade Gottes vermeintlich annähern können, bleibt sie bei Protestanten ein unverfügbares Geschenk Gottes. Erstaunlicherweise näherten sich hier beide Konfessionen in den vergangenen Jahrzehnten wieder an. Der Tenor: Die Gnade Gottes bleibt Geschenk
Hintergrund (Gnade)

[Volker Rahn, Evangelische Sonntagszeitung]