Bekenntnis

Das Barmer Bekenntnis

 

In jedem hessen-nassauischen Gesangbuch steht sie unter der Rubrik „Bekenntnisse“ – die theologische Erklärung von Barmen. Was aber bedeutet sie für Protestanten? Nach dem Kirchenpräsidenten der EKHN, Prof. Peter Steinacker, mahnt die Barmer Theologische Erklärung „bis heute zur Wachsamkeit gegenüber unkirchlichen Einflüssen und vor überzogenen Machtansprüchen auf den Glauben und die Kirche“.

Der Hintergrund

Am 31. Mai 1934 wurde in Barmen, heute ein Stadtteil von Wuppertal, die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet. Sie markierte den öffentlichen Beginn des Kirchenkampfes zwischen den nationalsozialistisch orientierten „Deutschen Christen“ und der oppositionellen Bekennenden Kirche.
In sechs Thesen unterscheidet die Erklärung klar zwischen der Offenbarung Gottes in der Bibel und anderen angeblichen Äußerungsformen in der Natur oder der Geschichte. Die Bibel wird als die einzig legitime Offenbarung bezeugt. Gottes Wort ist einzigartig, eine andere Offenbarung gibt es nicht.

Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur und deren Gedankengut

Was abstrakt theologisch wirkt, hatte enorme politische Folgen: Viele Pfarrer, die sich zur Loyalität gegenüber dem Staat verpflichtet sahen, fanden hier das entscheidende Argument zum inneren Widerstand. In der Folge entstanden zunächst die Brüderräte und später die Bekennende Kirche. In der Bekennenden Kirche wandten sich ganze Gemeinden gegen die Gleichschaltung der Evangelischen Kirche im NS-Staat. Allerdings gingen nur wenige Christen soweit, den aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit all seinen Unmenschlichkeiten konsequent mitzutragen. Einer von ihnen war Pastor Martin Niemöller, der nach Kriegsende der erste Kirchenpräsident der EKHN wurde und die Tradition der Bekennenden Kirche fest in der EKHN verankern wollte.

Meilensteine der Bekennenden Kirche in Hessen

Hessen hat für die Bekennende Kirche eine besondere Bedeutung gespielt, denn hier entstand der erste und der letzte Text dieser NS-kritischen Kirchenbewegung.
Der Text der Barmer Theologischen Erklärung ist wenige Tage vor seiner Verabschiedung in Frankfurt am Main vorbereitet worden. Maßgeblich beteiligt waren dabei der reformierte Theologe Karl Barth, der aus der Schweiz stammte und in Bonn Theologieprofessor war, sowie der lutherische Pfarrer Hans Asmussen aus Altona. Die beiden vereinten zum ersten Mal seit 400 Jahren reformierte und lutherische Kirchen zu einer gemeinsamen theologischen Erklärung.

Die EKHN ist heute eine von zehn evangelischen Kirchen in Deutschland, welche die Barmer Erklärung in ihren Grundartikel mit aufgenommen hat.

[Pfarrer Stephan Krebs / RD]