Buß- und Bettag
Geschichte
Die Ursprünge
Bereits im heidnischen Rom kannte man Bußzeiten. Das Staatsoberhaupt ordnete sie an, um Bedrohungen wie Kriege oder Seuchen abzuwenden. Im Mittelalter entwickelten sich so genannte Quatembertage, die später trotz Martin Luthers Kritik in der Reformationszeit, als regelmäßig gefeierte Buß- und Bettage fortgeführt wurden.
Luthers Auffassung
Luther kritisierte übrigens zu Lebzeiten nie die eigentliche Buße oder Beichte, sondern lediglich die menschenverachtende Bußpraxis der katholischen Kirche und den damit verbundenen Ablasshandel. Das Thema Beichte und Buße nimmt das für die Protestanten maßgebliche Augsburger Bekenntnis von 1530 in den Artikeln 11 und 12 ausführlich auf.
Aus Vielen wird Einer
Der erste evangelische Buß- und Bettag fand 1532 in Straßburg als Reaktion auf die Türkenkriege statt. Im 16. und 17. Jahrhundert vermehrte sich die Zahl der Buß- und Bettage; im Jahr 1878 gab es in den deutschen Ländern 47 Bußtage an 24 Terminen. Mit der Einführung eines allgemeinen Buß- und Bettages befasste sich die Eisenacher Konferenz evangelischer Kirchenleitungen 1853 und 1878. Er wurde auf den Mittwoch vor dem letzten Sonntag nach Trinitatis, vor dem Ewigkeitssonntag, festgelegt. Dies wurde von den meisten Landeskirchen übernommen. Vermutlich stand dahinter neben der gedanklichen Einheit von Thron und Altar auch die traumatische Erfahrung des 30-jährigen Krieges. Hier waren Bußübungen zur Abwendung des Unheils zum öffentlichen Bestandteil geworden.
Arbeitsfreier Feiertag?
Währen der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Buß- und Bettag 1934 deutschlandweit auf diesen Tag festgelegt. Mit dem Erlass Hitlers über den Bußtag 1939 wurde er auf einen Sonntag verlegt und damit faktisch abgeschafft. Ab 1981 war er dann wieder in der ganzen Bundesrepublik Deutschland arbeitsfreier Feiertag. Seit seiner Abschaffung im Jahr 1995, zugunsten der Finanzierung der Pflegeversicherung, ist er in Deutschland nur noch im Bundesland Sachsen gesetzlicher Feiertag.
[Volker Rahn - Evangelische Kirchenzeitung, Richard Birke - Pfarrer]
zurück | letzte Aktualisierung: 15.11.2007 | copyright by EKHN