Karfreitag

Was kann Karfreitag für mein Leben bedeuten?

Oder: Die eigene Schuld zum Kreuz tragen



Die Ärztin war während einer schwierigen Operation einen Moment unaufmerksam. Ihr ist ein Kunstfehler unterlaufen - nun wird ihr Patient ein Leben lang unter Schmerzen leiden.
Der Buchhalter hat jahrelang heimlich Firmengelder in die eigene Tasche geleitet. Ein Leben als reicher Mann war zu verlockend – er konnte nicht widerstehen.

Der Lastwagenfahrer ist nach einem anstrengenden Tag hinterm Steuer in einen Sekundenschlaf gefallen. Nur deswegen konnte er nicht rechtzeitig bremsen – ein Mädchen musste sterben.
Sie hat ihm im Streit Worte an den Kopf geworfen, die ihn sehr getroffen haben. Er kann die Worte nicht vergessen und schon gar nicht verzeihen – jetzt denkt er über Trennung nach.

Menschen machen Fehler - manche verändern das ganze Leben

Wir Menschen machen Fehler. Manchmal auch schwerwiegende Fehler, die nicht mit einem kurzen „Sorry“ abgetan sind. Und selbst wenn wir diese schweren Fehler aufrichtig bereuen: Sie belasten uns weiter, sie holen uns in unserem Alltag ein – sie verändern unser Leben. Was, wenn man mit der Schuld nicht fertig wird? Kann und will ein Mensch so weiterleben? Mit niedergeschlagenem Blick und einem krummen Rücken?

Wir Christen glauben: Der niedergeschlagene Blick und der krumme Rücken sind nicht das letzte Wort! Es gibt eine Möglichkeit, mit Schuld umzugehen, sie sogar loszuwerden. Das ist die Botschaft von Karfreitag.

In der kirchlichen Tradition wird diese Botschaft mit dem – für heutige Ohren sperrigen Satz – „Jesus ist für unsere Sünden am Kreuz gestorben“ ausgedrückt.

Für Fehler gerade stehen - in Würde

Niemand kommt umhin, für begangene Fehler gerade zu stehen. Vielleicht vor Gericht – möglicherweise nur vor dem eigenen Gewissen. Aber kein Mensch verliert vor Gott wegen eines schwerwiegenden Fehlers seine Würde. Auch, wenn es sich nach einem solchen Fehltritt anders anfühlen mag: Zur Sünde gehört die Vergebung dazu. Wer einen Fehler gemacht hat, darf auf eine zweite Chance hoffen, bleibt nicht für immer bloß „Sünder“: die zänkische Frau, die ihren Partner in die Flucht gestritten hat; der schlafende Trucker, der ein Kind auf dem Gewissen hat; der gierige Buchhalter, der Geld veruntreut; die pfuschende Ärztin, die einem Patienten das Leben zur Hölle gemacht hat.

Das Kreuz: Eine "Ent-lastung"!

Denn Gott trägt für uns die Last der Schuld: wir selbst haben die Schuld „am Kreuz“ - also: hinter uns gelassen, sie zieht uns nicht mehr runter. Gott will, dass wir Menschen frei für die Zukunft bleiben. Er will, dass wir einen Blick dafür bekommen, wie wir unser Leben gestalten müssen, um nach einem Fehler mit geradem Rücken und offenem Blick weiter zu leben. Manche Menschen werden ihr Leben ändern müssen. Der Lastkraftwagenfahrer ergreift nach dem Unfall vielleicht einen anderen Beruf. Der Ärztin gelingt es möglicherweise, auch nach dem Kunstfehler wieder angstfrei zu operieren und noch vielen Menschen mit guter Arbeit das Leben zu retten.

Es kann helfen über das Getane zu sprechen, wenn man seine Schuld zum Kreuz bringen möchte. Im Internet besteht für Sie die Möglichkeit, ihre Gedanken dem „Pfarrer im Netz“ mitzuteilen.

Sicherheitshinweis:
Ihre Mail an die Seelsorger wird natürlich vertraulich behandelt. Allerdings lässt sich für den Übertragungsweg der Mails durch das Internet keine Vertraulichkeitsgarantie geben. Es lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass Mails von Unbefugten mitgelesen werden.

[Björn Raddatz / Rita Deschner]