Kinder fragen nach dem Karfreitag
Warum hängt der Mann da?
Mit dem Kindergarten ist Lisa das erste Mal in einer Kirche. Der Pfarrer erklärt ein Element nach dem anderen, die Orgel, den Taufstein, den Altar, die Kanzel. Doch Lisa kann ihre Augen nicht von dem schmalen und ausgemergelten Körper des Mannes nehmen, der schräg hinter dem Altar an einem Kreuz schwebt.
Lisa fragt: „Warum hängt der Mann da?“
„Weil die Menschen ihn töten wollten“, antwortet der Pfarrer.
„Was hat er denn gemacht, war er böse?“
„Nein, er war nicht böse, die Menschen waren böse.“
„Warum sind die Menschen denn böse gewesen?“
„Menschen sind manchmal böse“, antwortet der Pfarrer,
aber so richtig zufrieden mit seiner Antwort ist er nicht.
Es ist ein schwieriges Thema: Karfreitag für Kinder. Ein paar Monate vorher lag das Jesuskind zu Weihnachten noch in der Krippe und jetzt hängt es erwachsen geworden am Kreuz. Dreißig Jahre auf ein paar Monate eingedampft. So, als würde es das Leben dazwischen gar nicht geben.
Kinder fühlen mit dem gekreuzigten Jesus mit
Kinder fühlen sich in der Welt entweder geborgen, bedroht oder
irgendwie dazwischen. Aber alles, was geschieht, hat direkt mit ihnen
zu tun. Sie begreifen sich als Auslöser von Ereignissen. Wenn die
Eltern sich streiten, fühlen sie sich verantwortlich. Wenn Jesus
ans Kreuz genagelt wird, fühlen sie es mit ihm. Sie trennen nicht
von sich ab, was anderen geschieht, sondern erleben es immer hautnah
mit. Und sie fragen: „Was ist richtig und was ist falsch?“ „Wer
ist gerecht oder ungerecht?“, „Ist das gut oder böse?
Sie suchen Orientierung.
Die biblische Geschichte erzählen
Nichts hilft mehr, Kindern die religiöse Seite des Lebens nahe
zu bringen, als die biblischen Geschichten zu erzählen, auch vom
Karfreitag. Also zu erzählen von Jesus, der sein Kreuz von Jerusalem
hinauf nach Golgatha trug, dann gekreuzigt wurde, neben ihm noch zwei
andere. Wie Pilatus ein Schild schrieb, auf dem „König der
Juden“ stand, wie die Soldaten sich dann seine Kleider nahmen und
unter sich in vier Teile aufteilten und um sie losten. Kinder werden
gebannt zuhören, wenn sie dann erfahren, dass er, als er durstig
wurde, nur einen Schwamm mit Essig zum Trinken bekam und dass aber seine
Mutter, ihre Schwester und ein Jünger bei ihm blieben bis zum Schluss
und als er starb, der Himmel sich verfinsterte und der Vorhang im Tempel
zerriss.
Die Kinder werden danach garantiert fragen: „Und dann?“ Das
ist eine andere, die Oster-Geschichte von der Auferstehung. Sie sollte
auf keinen Fall danach fehlen.
[Dietmar Burkhardt]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN