Weihnachten

Das Licht der Welt


Das Licht in den Mythen der Menschheit und ihren Religionen hat das Licht fast überall auf der Welt seinen Platz. Und so wirft es auch seinen Schatten auf die Bibel.

Rettergestalt erscheint in strahlendem Glanz

Schon im Alten Testament spiegelt sich das Licht in der Figur des Messias wider. Immer wieder, wenn dort von der großen Rettergestalt die Rede ist, wird sie mit strahlendem Glanz in Verbindung gebracht: "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht" (Jesaja 9). Auch im Neuen Testament blitzt dies wieder auf, wie der Mainzer Theologe Otto Böcher feststellt: "Dass Gott sich in Feuer und Licht offenbart, weiß das Neue Testament aus dem Alten."

Spätestens seitdem Jesus von Nazareth von den ersten Christen als Messias gesehen wurde, verbanden sich auch die alten Zuschreibungen mit ihm. Vor allem das Johannesevangelium macht davon reichlich Gebrauch und lässt Christus sagen: "Ich bin das Licht der Welt" (Johannes 8). Dass deshalb auch der Stall von Bethlehem und die biblische Weihnachtsgeschichte von Sternen und Lichterscheinungen illuminiert wird, erscheint klar.

Und dass der traditionelle Geburtstermin des Heilands Ende Dezember sich von Anfang an in außerordentlich verdächtiger Nachbarschaft zu römischen, persischen und syrischen Sonnenfesten befand, kann kaum ein Zufall sein. Die Christen waren also keineswegs die ersten, die dem Licht huldigten. Abgeschaut haben sie vieles von der jüdischen Mutterreligion. Und das gilt auch für die Adventsfeiern mit den stimmungsvollen Kerzen.

Der Adventskranz hat jüdische Wurzeln

Der Beginn dieses Brauchs soll auf das 19. Jahrhundert und Johann Heinrich Wichern zurückgehen. Der Gründer der "Inneren Mission", eines Vorläufers der Diakonie, soll die jüdische Tradition der Chanukkakerzen zum Vorbild für die Adventslichter genommen haben. An das jüdische Fest anknüpfend, führte er einen der ersten Adventskränze ein. Doch anders als heute strahlten Wicherns Lichter noch heller: Er sah 24 Kerzen vor, die an den 24 Tagen vor Heiligabend angezündet werden sollten.

(Volker Rahn, Evangelische Sonntagszeitung)