Berufe in der evangelischen Kirche
Gemeindepädagogin und Gemeindepädagoge
Ingo Molter ist Gemeindepädagoge in sieben Kirchengemeinden. Er gewinnt, qualifiziert und begleitet ehrenamtliche Mitarbeitende in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Daneben hat er zwei weitere Schwerpunkte, die sich aus der Konzeption und
in Absprache mit dem Anstellungsträger herauskristallisiert haben: Die „Einsteigergottesdienste“ und die Arbeit mit Babys.
Die „Einsteigergottesdienste“ stellen ein Angebot für die ganze Gemeinde dar, sind jedoch exakt abgestimmt auf die Bedürfnisse von Kindern und Eltern. »Kinder sollen Kirche als zum Alltag zugehörig auffassen«, erklärt
der gebürtige Biebesheimer. Die Gottesdienste sind lebendig, Kinder und Erwachsene werden beteiligt. Die Lieder sind so ausgewählt, dass sie auch Kinder, die noch nicht lesen und schreiben können, mitsingen.
Ingo Molter kommt aufgrund der wöchentlichen Treffen mit den Babys, Kleinkindern und Eltern über Alltags- Lebens- und Glaubensfragen ins Gespräch.
Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen organisieren oft auch Jugend freizeiten . Sie koordinieren unter anderem die selbständigen Aktivitäten der Jugendlichen und behalten den Blick für das Ganze. Planung, Durchführung und
Auswertung der Freizeiten sind grundlegend. So sorgte die Gemeindepädagogin Martina Radgen für die Finanzierung eines Zeltlagers, klärte Verwaltungsangelegenheiten und transportierte Zelte und Ausrüstung. Neben alldem gilt es, ein offenes
Ohr für die Anliegen der Mädchen und Jungen zu haben
Allerdings führen GemeindepädagogInnen nicht nur Jugendfreizeiten durch, sie sind in unterschiedlichen Handlungsfeldern tätig. Sie arbeiten mit verschiedenen Zielgruppen in Erziehung, Bildung, Verkündigung und Seelsorge.
Martina Radgen ist inmitten der Jugendlichen in ihrem Element: „Mit dem Heaven´s Camp wollen wir den Jugendlichen zeigen, dass in der evangelischen Kirche Platz für ihre Bedürfnisse ist. Hier erleben sie mit viel Spaß und Freude
christliche Inhalte.“
Das Konzept scheint aufzugehen: Der Jugendgottesdienst im Camp war bis auf den letzten Platz besetzt.
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Die Arbeit von Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen ist sehr vielfältig und umfasst ein breites Aufgabenspektrum. Je nach Konzeption variieren die Aufgabenschwerpunkte:
- Gewinnung und Qualifizierung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen
- Konzeptionsarbeit
- Organisation und Leitung von Gruppen, Projekten und Freizeiten,
- Gestaltung der Gemeinde als sozialen Raum,
- Schaffung von Gelegenheiten zur Begegnung,
- Planung, Durchführung und Auswertung von Veranstaltungen,
- Beratung von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen,
- Mitarbeit am kirchlichen Unterricht (Konfirmandenunterricht),
- Leitung oder Mitarbeit in Dienst- und Projektgruppen (z.B.: Nachbarschaftshilfe, Besuchsdienst in Pflege- und Altenheimen),
- Begleitung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen,
- Zusammenarbeit mit zwischengemeindlichen, übergemeindlichen und kommunalen Stellen sowie mit Vereinen und anderen Glaubensgemeinschaften,
- Verkündigung,
- Vertretung in kirchlichen und kommunalen Gremien,
- Religionspädagogische Arbeitsfelder (spirituelle Angebote),
- Sozial- und Finanzmanagement (Finanzplanung, -überwachung, Zuschussbeantragung),
- Öffentlichkeitsarbeit und
- Berichtswesen gegenüber kirchlichen Gremien (Dekanantssynodalvorstand, , Kirchenvorstand, Synode, Evangelsiche Jungend Vertretung im Dekanat)
- Geschäftsführung des Jugendverbandes auf Dekanatsebene.
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Gemeindepädagoginnen und -pädagogen arbeiten in verschiedenen Bereichen und in unterschiedlichen Ebenen, zum Beispiel in Kirchengemeinden, Dekanaten, Propsteien, der Landeskirche oder bei Vereinen und Verbänden. Ein Schwerpunkt in Kirchengemeinden
liegt zur Zeit in der Begleitung von Kindern und Jugendlichen sowie zunehmend in der Arbeit mit und für Familien. Als Jugendreferent(in), Bildungsreferent(in), Beauftragte für Frauenarbeit oder Blindenseelsorger(in) ist man hingegen für
das Dekanat, die Propstei oder die Landeskirche zuständig. In kirchlichen oder diakonischen Einrichtungen wie in Stadtjugendpfarrämtern oder Krankenhäusern arbeiten GemeindepädagogInnen als pädagogische MitarbeiterInnen oder Altenheim-
bzw. KrankenhausseelsorgerInnen.
In diesen Einsatzbereichen erfüllen GemeindepädagogInnen ihren beruflichen Auftrag:
- Qualifizierung von Ehrenamtlichen
Gewinnung, Begleitung und Unterstützung von Ehrenamtlichen,
Ausbildung von Ehrenamtlichen,
Fort- und Weiterbildung für Ehrenamtliche
Qualifizierung von Ehrenamtlichen in verschiedenen Arbeitsbereichen und in verschiedenen Arbeitsformen (Fachtage, Seminare, Studientage und Kurse)
- Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien:
Gruppenarbeit mit Jugendlichen (Kinder-, Jungschar- und Jugendgruppen),
KonfirmandInnen-Unterricht, zum Teil auch Religionsunterricht an Schulen,
Offene Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit (Klubarbeit, Jugendbetreuung),
Jugendbildungsarbeit (Seminare),
Jugendfreizeiten,
Mitwirkung bei der Selbstvertretung der Jugend und
Leitung und Mitarbeit in Jugendfreizeitstätten,
Arbeit mit Familien,Familienfreizeiten
Familiengottesdienste und
Beratungsangebote für Familien
- Erwachsenenbildung:
Planung, Durchführung und Auswertung von Bildungsveranstaltungen,
freizeitpädagogische Arbeit (Familienerholung, Studienreisen, Freizeitgestaltung),
Frauen- und Männerarbeit,
Arbeit mit SeniorInnen sowie
- Seelsorge und Beratung
Seelsorge in Krankenhäusern und Altenheimen
Trauersseelsorge
Aufbau und Begleitung von Besuchsdienstkreisen
- Mitwirkung und Gestaltung von Gottesdiensten
Gestaltung von Jugendgottesdiensten,
Gottesdienste mit Zielgruppen (z.B. Familiengottesdienste)
- Öffentlichkeitsarbeit
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Gemeindepädagogen/innen – kompetente Partner/innen für pädagogisch-kirchliche Aufgaben
Bereits die Berufsbezeichnung beschreibt Aufgabe und Ziel zugleich. Die Mitarbeitenden initiieren und begleiten Lern- und Bildungsprozesse in Gemeinde, Dekanat und Kirche. Wesentlich geht es darum, das Evangelium erfahrbar werden zu lassen. Das geschieht in lebendiger, partizipativer und kommunikativer Form. So wird deutlich, dass die biblische Botschaft elementare Fragen des Lebens aufgreift. Die Lebenssituationen der Menschen und die Gotteserfahrungen aus der Bibel werden miteinander „ins Gespräch“ gebracht und damit werden wirksame / heilsame Einsichten und Lebenszuversicht eröffnet.
Grundlage ist eine mit der/dem ArbeitgeberIn entwickelte und abgestimmte Konzeption sein, die vor allem Gestalt und Struktur des jeweiligen Einsatzortes einbezieht. Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen arbeiten partnerschaftlich mit Gruppen und Einzelnen. Sie fördern und stärken das „Priestertum aller Gläubigen“, begleiten Menschen aller Altersstufen und haben auch die kirchlich distanzierteren Menschen im Blick.
Zurzeit gibt es in der EKHN rund 230 volle Stellen inklusive von 9,75 Stellen in der Seelsorge an Universitäts- bzw. Großkliniken insbesondere in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (außerschulisch und schulbezogen), mit Familien, in
der Alten- und Krankenhausseelsorge sowie in der Erwachsenenbildung und in gesamtkirchlichen Einrichtungen. Ehrenamtliche in diesen Bereichen zu unterstützen und zu qualifizieren ist eine vorrangige Aufgabe.
Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen haben in der Regel evangelische Religionspädagogik an einer kirchlichen Fachhochschule oder Sozialarbeit/Sozialpädagogik studiert. Im letzten Fall kommt eine theologisch-gemeindepädagogische
Vertiefung hinzu.
Das Buch „Tagesläufe – Streifzüge durch den Gemeindepädagogischen Alltag“ gibt einen guten Überblick zur Entstehung des Berufs sowie Einblicke in Handlungsfelder gemeindepädagogischer Arbeit.
Das Buch ist über folgende Kontakte zu beziehen:
Manfred Scharf (Geschäftsführer des Berufsverbandes IVGM)
Tel.: 06133/573042
Fax: 06133/573043
Roland Lieske (Referent für pädagogische Ausbildung)
Kirchenverwaltung der EKHN
Dezernat 2 Personal und Organisation
Referat Personalentwicklung
Paulusplatz 1
64285 Darmstadt
Telefon: 06151 - 405 558
Fax: 06151 - 405 555 558
Broschüre informiert über den Beruf
Die Broschüre "Gemeindepädagogik - Chancen und Herausforderungen in Studium und Beruf" der EKHN informiert über die Ausbildung und das Berufsbild von Gemeindepädagogen und –pädagoginnen.
Sie kann kostenlos angefordert werden unter Telefon 06151/405 380,
oder online abgerufen werden.
Gemeindepädagogik - Chancen und Herausforderungen in Studium und Beruf (PDF, 561 KB)
[Roland Lieske]
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Formale Voraussetzungen
- Zugehörigkeit zu einer evangelischen Kirche,
- abgeschlossenes Studium zum / zur Religions- oder Gemeindepädagog(en/in) an einer evangelischen Fachhochschule oder
- ein abgeschlossenes Studium als Sozialpädagoge/in, Sozialarbeiter/in mit einem Zertifikat Gemeindepädagogik und
- ein erfolgreich abgeschlossenes Kolloquium nach den ersten beiden Berufsjahren oder ein Diplom im Zusatzstudiengang „Religionspädagogik“
Zur Zeit ist eine neue Anstellungsverordnung in Arbeit. So haben aktuell noch Gemeindediakone/innen bzw. Diakone/innen von anerkannten Ausbildungsstätten in Verbindung mit einer Aufbauausbildung die Chance zur Anstellung.
Persönliche Voraussetzungen
„Wer als Gemeindepädagoge arbeiten möchte, muss über soziale Kompetenzen im Umgang mit Menschen verfügen “, erklärt die Gemeindepädagogin Dr. Nicole Piroth. Als zweiten wichtigen Punkt nennt sie die Bereitschaft,
das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und Konsequenzen aus den Überlegungen zu ziehen. „Die Ausbildung zur Gemeindepädagogin oder zum Gemeindepädagogen ist nicht allein auf Wissenserwerb, wie beispielsweise ein Ingenieursstudium
angelegt, auch an der eigenen Persönlichkeit wird gearbeitet“, so Dr.Nicole Piroth, die noch bis vor kurzem an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt als Dozentin unterrichtete.
Die Auseinandersetzung und das Gespräch über den Zusammenhang von Glauben(szweifel), Lernen und Alltag des Lebens gehören unabdingbar zu diesem Beruf. Interessierte sollten zum Beispiel in der Lage sein, reflektiert mit anderen Menschen über
Spiritualität bzw. kirchliche Hintergründe zu sprechen oder im Konfirmandenunterricht den christlichen Glauben in versteh- und erlebbarer Weise zu vermitteln.
Gefragt sind ebenso Fähigkeiten wie planen, organisieren von Projekten, entwickeln von Konzepten, leiten von Gruppen sowie Kreativität, Kooperationsfähigkeit und Empathie, insbesondere in der Krankenhaus- und Altenheimseelsorge.
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Wer die Hochschulreife besitzt und anschließend Diplompädagogik mit Schwerpunkt Sozialwesen, Sozialpädagogik oder Sozialarbeit studiert, dem stehen zwei Möglichkeiten in der hessen-nassauischen Landeskirche offen, wie er die Ausbildung zur/ zum Gemeindepädagogin/en absolvieren kann:
- Die Studentin oder der Student erwirbt die „Gemeindepädagogische Zusatzqualifikation“ an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt, die auch das Studium der Sozialarbeit / Sozialpädagogik
anbietet. Die Qualifikation kann während
des Studiums oder berufsbegleitend erworben werden und schließt mit einem Zertifikat ab.
Drei Elemente sind Bestandteil der Zusatzqualifikation: 1. Die theologischen und gemeindepädagogischen Grundlagen, 2. das gemeindepädagogisches Praxiserkundungsprojekt und die Praxisreflexion und 3. die thematische Spezialisierung.
- Seit 2004
besteht die Möglichkeit, nach dem Studium der Sozialpädagogik oder Sozialarbeit das Erweiterungsstudium „Religionspädagogik“ anzuschließen. Dieses zweisemestrige Studium wird mit einem Diplom abgeschlossen. Damit
weist die Absolventin oder der Absolvent ein Doppeldiplom auf, welches gute Chancen bei der Arbeitssuche bei kirchlichen, diakonischen und weltlichen Trägern eröffnet.
Inhaltlich erwerben die Studierenden im Studienbereich „Theologie“ wichtige Kenntnisse aus der Kirchengeschichte und reflektieren Gegenwartsfragen im systematisch-theologischen Kolloquium nach. Nicht nur die grundlegenden Theoriekonzepte der Gemeindepädagogik vermitteln die DozentInnen, auch praktische Erfahrungen haben beispielsweise in der „Theorie-Praxis-Werkstatt Seelsorge und Beratung“ ihren Platz im Ausbildungs-Lehrplan.
Übrigens: die Berufsbezeichnung „Gemeindepädagoge / Gemeindepädagogin“ ist geschützt und an bestimmte Ausbildungsstandards gebunden. Die Berufsbezeichnung gilt nur für diejenigen, die das Studium und die entsprechende Qualifikationen absolviert haben. Die endgültige kirchliche Anerkennung mit der Berufsbezeichnung „Gemeindepädagogin/Gemein-depädagoge“ wird für Absolventinnen und Absolventen mit der „Gemeindepädagogischen Zusatzqualifikation“ erst erworben, wenn weitere gemeindepädagogische Studienanteile in den ersten zwei Berufsjahren im kirchlichen Dienst besucht werden. Um diese Seminare zu besuchen, kann Fortbildungsurlaub genommen werden. Zum Abschluss folgt ein Kolloquium durch die hessen-nassauische Landeskirche.
Auch wer an sein Studium der Sozialpädagogik mit gemeindepädagogischem Zertifikatsabschluss das Zusatzstudium Religionspädagogik anschließt, kann sich nach bestandener Prüfung als GemeindepädagogIn bezeichnen.
In der EKHN
werden auch Absolventen evangelischer Fachhochschulen aus anderen Landeskirchen anerkannt, falls sie dort eine vergleichbare Ausbildung abgeschlossen haben.
Evangelische Fachhochschule Darmstadt (EFHD): www.efh-darmstadt.de
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Der Blick auf die EKHN-Stellenbörse zeigt, dass Gemeindepädagoginnen und –pädagogen gefragt sind. Allerdings hängt der kirchliche Sozialbereich eng mit der Entwicklung der Steuereinnahmen insgesamt ab. Und die zeigt bekanntlich nach unten. Vor diesem Hintergrund sind bereits einzelne Stellenkürzungen geplant. Arbeit gäbe es allerdings genug. Vor allem wenn man sich die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ansieht, die ein Anwachsen der Zahl älterer Menschen zeigt, gewinnt die Arbeit mit SeniorInnen an Bedeutung. Bis jetzt arbeiten GemeindepädagogInnen hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen. In den letzten Jahren ist die Familie als Zielgruppe allerdings etwas stärker in den Vordergrund gerückt.
Stellenausschreibungen
Wer als Gemeindepädagogin oder als Gemeindepädagoge nach einer Stelle sucht, wird bei den Stellenangeboten im Internet fündig.
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Noch Fragen? Für weiterführende Informationen wenden Sie sich bitte an eine der aufgeführten Kontaktpersonen.
Referent für pädagogische Ausbildung in der hessen-nassausichen Kirchenverwaltung:
Roland Lieske
Kirchenverwaltung der EKHN
Dezernat 2
Personal und Organisation
Referat Personalentwicklung
Roland Lieske
Paulusplatz 1
64285 Darmstadt
Tel: 06151.405-558
Interessenverband der GemeindepädagogInnen und gemeindepädagogischen MitarbeiterInnen im Bereich der EKHN e.V. (IVGM): www.ivgm.de
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"Gemeindepädagogin / Gemeindepädagoge", Webseite der EKD
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zurück | letzte Aktualisierung: 16.01.2009 | copyright by EKHN