Die Kirchensteuer
Themen-Special "Kirchensteuer und Finanzen"
Die Kirchensteuer konkret: Fakten und Argumente zu der wichtigsten Geldquelle
Wie wird die Kirchensteuer berechnet?
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Die Kirchensteuer beträgt in der EKHN neun Prozent der Lohn- oder Einkommensteuer. Die echte Belastung durch die Kirchensteuer ist aber meist um 20 bis 48 Prozent geringer, weil sie bei der Einkommensteuererklärung als Sonderausgabe geltend gemacht werden kann. Das verringert die zu zahlende Einkommensteuer. Wer keine Lohn- oder Einkommensteuer entrichtet, bezahlt auch keine Kirchensteuer. Dies trifft in der Regel auf Personen zu, die in der Ausbildung sind oder Rente beziehen, die keinen oder nur einen geringen Verdienst haben.
Für wen kann ein Kappungsantrag sinnvoll sein?
Ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von circa 265.000 Euro (Grundtabelle) oder circa 530.000 Euro (Splittingtabelle) kann ein Kappungsantrag gestellt werden. Dann kommt ein anderer Berechnungsmodus zum Zuge, bei dem 3,5 Prozent des zu versteuernden Einkommens als Kirchensteuer berechnet wird. Das kann zu einem etwas günstigeren Ergebnis führen. Für Mitglieder, deren zu versteuerndes Einkommen unterhalb der genannten Beträge liegt, ist die konventionelle Berechnung die günstigere Variante.
Was zahlen Ehepartner, die nicht der gleichen Konfession angehören?
Wenn ein Ehepartner evangelisch und der andere katholisch ist, wird die Kirchensteuer auf beide Kirchen gleich verteilt. Wenn derjenige Ehepartner, der keiner Kirche angehört, das zu versteuernde Einkommen alleine erarbeitet, der andere Ehepartner aber einer Kirche angehört, kann ein besonderes Kirchgeld anfallen. Es richtet sich nach der Höhe des Familieneinkommens, ist aber erheblich niedriger als die Kirchensteuer. Die Kirche folgt damit der staatlichen Steuergesetzgebung, die eine Familie auch in finanzieller Hinsicht als Gemeinschaft sieht. Deshalb leistet auch ein Ehepartner, der kein Mitglied einer Kirche ist, einen Beitrag für den Angehörigen, der der Kirche angehört.
Warum ziehen die Finanzämter die Kirchensteuer ein?
Die Kirchen wollen den Verwaltungsauftrag möglichst gering halten. Deshalb ziehen sie die Kirchensteuer nicht selbst ein, sondern beauftragen die staatlichen Finanzämter damit. Dabei trügt der Eindruck, Staat und Kirche seien weiterhin verflochten, denn es handelt sich um eine Dienstleistung, für die die EKHN den Finanzämtern in Hessen drei und in Rheinland-Pfalz vier Prozent der Einnahmen bezahlt, das waren zusammen 13,3 Mio. Euro im Jahr 2010. Ein Gewinn für beide Seiten: Der Staat hat Einnahmen und die EKHN kann auf ein eigenes, kostenträchtigeres Einzugssystem verzichten. So kommt mehr Kirchensteuer bei den Menschen an.
Welche Alternativen gibt es?
In vielen Ländern sind die Kirchen ausschließlich auf Spenden und Kollekten angewiesen. In anderen – etwa Italien – finanzieren sich die Kirchen über eine allgemeine Kultur- oder Sozialsteuer. Beides hat Nachteile. Eine Spendenfinanzierung führt zu starken Schwankungen und macht eine verlässliche Planung unmöglich. Kirchen, die sich über Spenden finanzieren, konzentrieren sich in der Regel auch auf das interne Leben ihrer Gemeinden.
Eine staatliche Finanzierung wie durch eine Kultursteuer würde die Kirche vom Staat abhängig machen und damit ihre Bedeutung als eine nicht staatliche Kraft in der Gesellschaft schwächen. Das in Deutschland -bestehende System vermeidet beide Nachteile.
Welche Vorteile hat die Kirchensteuer?
Die Kirchensteuer trägt zum sozialen Ausgleich bei, denn sie berücksichtigt die finanzielle Leistungsfähigkeit der einzelnen Mitglieder. Alle haben dieselben Rechte und steuern das bei, was sie können.
Die Kirchensteuer bindet die Kirchen fest in die Gesellschaft ein. Ihre finanzielle Lage ist direkt an die finanzielle Situation der Wirtschaft und der Menschen gekoppelt.
Die Kirchensteuer macht die Kirchen unabhängig vom Staat und vom Zugriff Einzelner. Ihr Einzug durch die Finanzämter ist zuverlässig, transparent im Verfahren und diskret im Einzelnen. Niemand muss sich der Kirche gegenüber finanziell offenbaren. Niemand kann sich übermäßigen Einfluss verschaffen.
Die Kirchensteuer schafft die Grundlage dafür, dass die Kirchen ein verlässlicher Partner sein können. Sie ermöglicht eine vielfältige geistliche und soziale Arbeit.
Welche Nachteile hat die Kirchensteuer?
Das Aufkommen der Kirchensteuer ist abhängig vom konjunkturellen Umfeld. Die Kirche muss also für lange konjunkturell schwache Phasen Vorsorge treffen.
Der diskrete Einzug durch die Finanzämter macht es der Kirche unmöglich, sich gezielt und persönlich für die Zuwendungen zu bedanken.
zurück | letzte Aktualisierung: 23.08.2011 | copyright by EKHN