Kunst

20. Dezember 2007

 

Lucas Cranach: Ausstellung über den Maler, der der Reformation ein Gesicht gab


Welche Bedeutung Cranach und seine Kunst für den Protestantismus haben, erläutert Dr. Norbert Stieniczka.


Denken wir heute an Martin Luther, so haben wir in aller Regel eines der in zahlreichen Variationen von Lucas Cranach dem Älteren gemalten Portraits vor unserem geistigen Auge. Cranach porträtierte zahlreiche weitere Personen der Reformationsgeschichte, wie Philipp Melanchthon, die sächsischen Kurfürsten, Katharina von Bora oder auch Kardinal Albrecht von Brandenburg. Er schuf zudem eine neue, protestantische Bildsprache, die in ihrer formelhaften Vereinfachung die rasche Vervielfältigung ermöglichte und die Verbreitung der neuen Lehre förderte. Das Frankfurter Städel Museum widmet ihm nun eine Sonderausstellung.

Gemälde von Lucas Cranach:
Martin Luther

Der Reformator Martin Luther

1529
Mischtechnik auf Rotbuchenholz

Hessisches Landesmuseum Darmstadt / Foto: Wolfgang Fuhrmannek

Katharina von Bora

Katharina von Bora, die Frau Luthers

1529
Mischtechnik auf Rotbuchenholz

Hessisches Landesmuseum Darmstadt / Foto: Wolfgang Fuhrmannek

Jesus

Christuskopf mit Dornenkrone

um 1520/25
Mischtechnik auf Lindenholz

Privatbesitz

Quelle: ausgestellt im Städel-Museum

Sein Leben

Über Cranachs junge Jahre wissen wir heute nicht viel. Nicht einmal über sein Geburtsjahr herrscht Gewissheit. Meist wird das Jahr 1472 angegeben. Er stammte aus dem Ort Kronach in Oberfranken. Sein Vater soll Maler gewesen sein und bei ihm erhielt er wohl auch seine erste Ausbildung. Genaueres wissen wir dann erst über seine Wiener Zeit. Dort machte er zwischen 1501 und 1504 durch Graphiken, Portraits und vor allem Landschaftsdarstellungen auf sich aufmerksam und fand zahlreiche Nachahmer. 1505 holte ihn Friedrich der Weise als Hofmaler in seine Residenzstadt Wittenberg.

Sein Wirken

Cranach übte diese Funktion noch unter dessen Bruder Johann dem Beständigen und Neffen Johann Friedrich dem Großmütigen aus und machte sie zum Zentrum eines Wirtschaftsbetriebes, mit dem er den Kunstmarkt Ost- und Norddeutschlands beherrschte. Er organisierte den Kunstbetrieb neu und unterhielt eine Werkstatt mit mehr als zehn ausgebildeten Angestellten, welche die Bilder, für die er nur noch die Gesichtsvorlagen lieferte, ausführten und kopierten. Doch Cranach produzierte nicht nur Gemälde, er stattete ganze Schlösser mit Wand und Deckengemälden aus, entwarf Kostüme, bemalte Möbel, Kutschen und Stoffe, gestaltete Wappen und Medaillen und kümmerte sich sogar um die Außenbemalung von Wänden und die Vergoldung von Turmknäufen. Zudem besaß er eine Apotheke und eine Druckerei und betrieb Wein-, Farben-, Gewürz- und Zuckerhandel. Auf diese Weise stieg er zum zweitreichsten Bürger Wittenbergs auf, wurde Mitglied des Stadtrats und drei Mal sogar Bürgermeister. 1508 verlieh ihm der sächsische Kurfürst das Wappen mit dem geflügelten Drache, womit Cranach fortan seine Bilder signierte.

Maler, Verleger und Wegbegleiter der Reformation

Als geschäftstüchtiger Unternehmer produzierte Cranach auch weiterhin traditionell katholische Auftragsbilder, bestimmend wurde aber seine enge persönliche, künstlerische und geschäftliche Verbindung mit Martin Luther. Er übernahm die Funktion als Brautwerber und Trauzeuge bei Luthers Heirat. Beide übernahmen gegenseitig Patenschaften für ihre Kinder. Cranach verlegte Lutherschriften in hohen Auflagen in seiner Druckerei und illustrierte reformatorische Flugblätter. Er lieferte die Vorlagen für Kupferstich- und Holzschnittporträts Luthers und aus seiner Werkstatt gingen mehr als 1000 Lutherbilder hervor. Auch seinem protestantischen Landesherrn hielt er die Treue. Als Johann Friedrich der Großmütige nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg durch Kaiser Karl V. gefangen gesetzt wurde, folgte ihm Cranach 1550 zunächst nach Augsburg und dann nach Innsbruck. Nach der Freilassung ging er mit ihm in die neue Residenz Weimar. Dort starb Lucas Cranach der Ältere am 16. Oktober 1553 im Alter von 81 Jahren.


[Dr. Norbert Stieniczka]