60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007

Grußworte zum Sechzigsten

Bischof Dr. Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland:
»Die EKHN ist mir nahe als eine Kirche, in der Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, also die Themen des sogenannten »Konziliaren Prozesses«, eine große Bedeutung haben. Darin sind Impulse ihres ersten Kirchenpräsidenten Martin Niemöller, der ja auch Leiter des Kirchlichen Außenamtes der EKD und Ratsmitglied war, bis heute prägend geblieben. Die EKHN hat ferner immer eine tragende Rolle bei den 1972 begonnenen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen gespielt und war stets ein Vorreiter in wichtigen kirchlichen Strukturdebatten. Strittigen Themen weicht die EKHN nicht aus; manchmal gibt sie auch Anlass zu kräftigen Debatten. Mit der Aktion ›Evangelisch aus gutem Grund‹ und dem Fassettenkreuz hat die EKHN dem deutschen Protestantismus insgesamt einen kräftigen Schub im Nachdenken über die eigene Identität gegeben. Immer wieder nimmt sie Verantwortung für die EKD im Ganzen wahr; so gibt es viel Grund zur Dankbarkeit und zu guten Wünschen.«

Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz:
»Die ökumenischen Beziehungen zwischen der EKHN und dem Bistum Mainz sind auf einem konstruktiven Weg. Wir haben viele gemeinsame Veranstaltungen, auch gegenüber Politik und Parteien, Wirtschaft und Sport. So haben wir gerade in Hessen, einschließlich der Hessischen Kirchenleiterkonferenz, eine vorbildliche Art des Zusammenwirkens. Dadurch dass manches auch in feste Formen gegossen ist, ist uns vieles fast selbstverständlich und zur regelmäßigen Übung geworden. Dies ist gerade in der Rhein-Main-Region von besonderem Gewicht. Dabei denke ich an die wechselseitige Unterstützung, die wir uns gegenseitig bieten, zum Beispiel beim Frankfurter Kirchentag, aber auch beim Mainzer Jubiläumskatholikentag. Nicht zuletzt denke ich dabei auch an viele gemeinsame Gottesdienste in unseren Städten, aber auch im ganzen Land. Im Herrn sind wir verbunden. Aus dieser Zuversicht können wir den gemeinsamen Weg durch die Zeit wagen.«

Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck:
»Der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gratuliere ich herzlich zu ihrem 60. Geburtstag. Gottes Segen begleite sie auch weiterhin!
Was ich mit Blick auf sie für besonders charakteristisch halte, ist ihre Vielgestaltigkeit: Ländliche Regionen wie der Vogelsberg oder der Odenwald gehören ebenso zu ihr wie die Metropole Frankfurt und auch die theologischen und geistlichen Profile sind durchaus vielfältig. Dies verschafft ihrem Leben eine unverwechselbare Dynamik.
In der Vergangenheit wurden allzu oft die Unterschiede zwischen den beiden hessischen Landeskirchen betont - vielleicht, weil uns unsere Wurzeln verbinden. Heute gehen wir auf vielen Gebieten längst einen gemeinsamen Weg: Wir wissen uns im Bekenntnis unseres Glaubens wie im Dienst an den Menschen verbunden.
Im Respekt vor den jeweiligen Traditionen und Prägungen werden wir in Zukunft noch enger zusammenarbeiten. Da sind wir erst am Anfang - aber immerhin das!«

Diözesanadministrator Dr. Günther Geis, Limburg:
»Als das Bistum Limburg im frühen 19. Jahrhundert errichtet wurde, entsprachen ihm auf evangelischer Seite noch mehrere Kirchenbezirke. Ihre schrittweise Zusammenfügung und deren Bekräftigung auf dem hessen-nassauischen Kirchentag von 1947 haben zu transparenteren Verhältnissen geführt. Das Gebiet des Bistums Limburg deckt sich mit einem beträchtlichen Teil des Gebietes der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Nicht alle, aber doch die meisten Christen, die im Ballungsraum Rhein-Main, im Rheingau und im Westerwald leben, haben ihre geistliche Heimat in einer dieser beiden Kirchen. In den Gemeinden, den Familien, Betrieben und Schulen, überall sind sie Nachbarn. Unsere Kirchen tragen vom Evangelium her gemeinsam Verantwortung dafür, dass der christliche Glaube seine missionarische Kraft auch heute entfaltet. Die Katholiken im Bistum Limburg wünschen ihren Schwestern und Brüdern in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau den reichen Segen des dreifaltigen Gottes, zu dem wir uns im gemeinsamen Glauben bekennen.«

Roland Koch, hessischer Ministerpräsident:
»Der christliche Glaube lebt von der Gemeinschaft der Gläubigen. Diese Gemeinschaft ist für die Christen evangelischer Konfession seit 60 Jahren in einem Teil Hessens die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Sie ist wie das Land Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg auf historischen Wurzeln neu entstanden. Als christliche Kirche und als Teil der demokratischen Gesellschaft engagiert sich die EKHN für die Menschen. Der Meinungsdiskurs ist eines ihrer Markenzeichen und die Tradition der Beteiligung an der gesellschaftlichen Debatte ist Ausdruck der starken Stellung der Gemeindemitglieder. In dieser Stärke liegt eine Chance für die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Denn für Kirche und Staat gilt gleichermaßen: Es kommt darauf an, dass wir die Zukunft gewinnen.«

Kurt Beck, rheinland-pfälzischer Ministerpräsident:
»Vor wenigen Wochen haben wir in Rheinland-Pfalz den 60.Geburtstag unseres Landes gefeiert. Ich freue mich daher besonders, der gleichaltrigen Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zu ihrem Jubiläum zu gratulieren und zugleich den engagierten Christinnen und Christen für ihre geleistete Arbeit herzlich danken zu können.
Was besonders beeindruckt, ist das große - oft ehrenamtliche - Engagement in christlichen Gemeinden und Gruppen. Dieses aktive Mittun strahlt weit über den innerkirchlichen Bereich hinaus in den diakonischen sowie den politischen Bereich aus. Vorbildlich ist für mich die Ehrenamtsakademie der EKHN, die gezielt ehrenamtliche Leitungskräfte für ihre Arbeit qualifiziert.
Auch finde ich bemerkenswert, dass die EKHN ein Zentrum für gesellschaftliche Verantwortung in Mainz unterhält, das die Aufgabe hat, aus christlicher Verantwortung vor Gott und den Menschen für eine gesellschaftliche Entwicklung einzutreten, die sozial gerecht und ökologisch verträglich ist.
Ein immer wichtigeres Thema ist der Dialog mit dem Islam. Hier verfügt die EKHN über mehr als 25 Jahre Erfahrung und ich habe in den Gesprächen mit ihren Vertretern immer wieder Rat und Unterstützung erfahren.
Ich wünsche der - nach kirchlichen Maßstäben - noch sehr jungen Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Gottes Hilfe für noch viele segensreiche Jahre.«

Geburtstagskinder
Am 30. September 1947 und 1. Oktober 1947 fand die Gründungssynode der EKHN statt, gewissermaßen ihr Geburtstag. 52 Mitglieder der EKHN haben an den gleichen Tagen Geburtstag. Viele von ihnen haben sich gefreut, als sie davon erfuhren, und ihrer Kirche zum 60. Jubiläum ein Grußwort geschrieben. Einige sind hier abgedruckt.

Monika Kleinert, Seeheim:
»Es freut mich sehr, dass meine Kirche mit mir den 60. Geburtstag feiert. Meinen herzlichen Glückwunsch! In meiner Erinnerung an all die so bewegten Jahre habe ich meine Kirche nur positiv erlebt, auch die Menschen, die in ihr tätig waren. Ich fühlte mich nie verlassen, auch in kranken Tagen nicht. Als Kind durfte ich den Gottesdienst besuchen und war sehr stolz auf meine Bildchen, versehen mit Bibelversen. Das größte Erlebnis war unsere gemeinsame Trauung vor 37 Jahren. Unser einziger Sohn wurde getauft.
Wir sind alle zufrieden und haben Freude am Leben, unsere Kirche gehört dazu.«

Irene Hausmann, Echzell (Wetterau):
»Als Kind habe ich zu Hause früh Zugang zum Glauben gefunden. Wir haben viel gebetet und gesungen. Vor allem die kirchliche Musik habe ich dabei schätzen gelernt. Auch heute ist mir die konstante kirchliche Bindung sehr wichtig. Ich liebe die Gottesdienste mit der alten Liturgie. Ich weiß: Die Kirche muss auch moderner werden, um junge Menschen anzusprechen, und dafür wünsche ich ihr alles Gute!«

Margit Becker, Gau-Odernheim:
»Mit 50 Jahren bin ich in die evangelische Kirche übergetreten. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ist mir sympathisch, sie ist frei und offen. Sehr dankbar bin ich unserer Pfarrerin, deren Predigten mir immer viel gegeben haben. Mir gefällt die Kirche, so wie sie ist, weiter so!«

Walter Sandrock, Mainz:
»Früher war ich selbst im Kirchenvorstand, jetzt hatte ich seit längerem keinen Kontakt mehr zur Kirche gehabt. Wie schön, dass es durch diesen Geburtstag einen Anlass gibt, das zu ändern! Ich gebe der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau als Anregung mit, doch mehr für Menschen zwischen 40 und 70 anzubieten. Informationsabende über biblische oder historische Themen zum Beispiel oder auch Bibelschulungen. Ich wünsche der evangelischen Kirche, dass sie populärer wird und stärker in der Gesellschaft auftritt!«

Walter Berg, Hadamar:
»Ich komme aus Ostpreußen. Schon von klein auf gehe ich sonntags in die Kirche. Montag bis Samstag arbeite ich, da bleibt keine Zeit für die Gemeinde. Aber Sonntag gehe ich ins Gotteshaus, um Gott nahe zu sein und zu beten. Der Kirche wünsche ich, dass sie weiter wächst und mehr Menschen ihren Weg zu Gott finden.«

Gerhard Lieber, Idstein:
»Ich war schon sehr früh in der evangelischen Jugendarbeit und dann im CVJM aktiv. Daran knüpfe ich sehr gute Erinnerungen. Allerdings wurde nach Jahren diese Arbeit durch einen neuen Dekan, der auch noch unser Gemeindepfarrer wurde, sehr behindert und letztlich fast zerstört. Gedanklich habe ich mich in dieser Zeit immer mehr von der Kirche entfernt und bin dann auch ausgetreten. Aber Dinge ändern sich, fast 20 Jahre später bin ich bei meinem jetzigen Gemeindepfarrer wieder in die Kirche eingetreten. Ich wünsche unserer Kirche für die Zukunft etwas mehr Offenheit und dass sie mit der Ökumene trotz aller Schwierigkeiten weitermacht!«

Reiner Schild, Nassau:
»Ich stamme aus einer sehr gläubigen Familie. Eine christliche Lebensweise ist mir auch heute noch sehr wichtig, denn in ihr ist die gesamte Weltordnung verankert. Wenn sich nur drei Viertel der Menschen daran halten würden, wäre es um unsere Welt viel besser bestellt. Der Kirche wünsche ich deshalb, dass ihr es stärker gelingt, junge Menschen für sie zu interessieren.«

Christel Driesch, Mörsbach:
»Aus meinem Konfirmandenunterricht heißt mein Leitspruch ›Eine feste Burg ist unser Gott‹. Inzwischen leide ich seit vielen Jahren unter Rheuma und kann nicht mehr oft zum Gottesdienst gehen. Doch mein Glaube ist weiterhin wichtig für mich, gerade wegen meiner Krankheit. Mein Leben bezeichne ich als eine Achterbahnfahrt, ohne meinen Glauben an Gott, meine Familie und die Musik hätte ich das sicherlich nicht geschafft. Der Kirche wünsche ich, dass alles weiterhin so gut läuft - und herzlichen Glückwunsch!«

Christel Jungk, Bad Homburg:
»Als kleines Mädchen habe ich oft bei unserem Pfarrer im Garten gespielt. Er hat mich auch konfirmiert. Später ist der Kontakt zur Kirche weniger geworden, auch weil ich katholisch geheiratet habe. Ich wünsche der Kirche alles Gute! Sie soll ihr Angebot aufrechterhalten. Dann kann ich es später, wenn ich nicht mehr arbeite, wieder in Anspruch nehmen.«

Siegfried Ortlieb, Kelsterbach:
»An meine Konfirmation und meine Trauung kann ich mich gut erinnern, auch an die Hochzeit meines Sohnes. Ich kam mit den Pfarrern immer gut zurecht, aber die jüngeren Pfarrer erlebe ich heute als viel weltoffener als früher. Ich schätze es, wenn ich mit einem Pfarrer auch mal über das Wetter reden kann, wie man eben so mit den Leuten redet. Das ist eine positive Entwicklung der Kirche. Zu ihrem Geburtstag wünsche ich ihr alles Gute!«

Christoph Voemel, Hachenburg (Bad Marienberg):
»Durch meinen Vater, einen Pfarrer und Anhänger der Bekennenden Kirche, habe ich die Gründungsgeschichte der EKHN früh kennengelernt. Ich halte es für sehr wichtig, dass junge Menschen kirchlich sozialisiert werden, ich selbst habe sehr schöne Zeiten in der Kirche gehabt und viel für mein späteres Leben daraus mitgenommen. Der EKHN wünsche ich, dass sie nicht nur 60 Jahre alt, sondern auch jung wird, dass sie an junge Menschen herankommt und sie begeistern kann!«

Irmgard Muth, Mettenheim:
»Ich arbeite schon viele Jahre ehrenamtlich in meiner Gemeinde, früher im Kindergottesdienst, jetzt im Kirchenvorstand. Die Arbeit hat mir immer viel Freude bereitet. Jetzt allerdings habe ich große Kritik: Unser Pfarrer muss im Zuge von Sparmaßnahmen gehen. Die Pfarrstelle wird nicht neu besetzt. Ich wünsche der Kirche, dass sie sich für die untere Ebene einsetzt. Denn hier funktioniert das Gemeindeleben gut und sollte nicht weggespart werden!«

Ellen Baumann, Frankfurt:
»Meine Konfirmandenzeit war eine sehr prägende Zeit. Später lief der Kontakt zur Kirche vor allem über die eigenen Kinder. Obwohl unsere Gemeinde zahlenmäßig immer kleiner wird, bleibt sie lebendig. Die Menschen kommen aus Überzeugung. Ich bin mit meiner evangelischen Kirche sehr zufrieden, sie ist offen und immer auf dem neuesten Stand!«

Ursula Stäckler, Birkenau (Bergstraße Süd):
»Ich bin katholisch getauft. Als ich zum zweiten Mal heiratete, war ich keiner Kirche angehörig, wollte jedoch kirchlich getraut werden. Ein Pfarrer hat sich bereit erklärt, uns zu trauen. Daraufhin bin ich mit der Geburt meines zweiten Sohnes der evangelischen Kirche beigetreten. Auch mein Erstgeborener konvertierte. Ich fühle mich sehr wohl in der EKHN, weil sie offen und lebensnah ist. Ich wünsche ihr, dass sie noch mehr Menschen mit moderneren Gottesdienstformen begeistert. Und dass sie sich für eine gerechte Verteilung von Geld bei den Menschen einsetzt.«

Hans-Joachim Pölkemann, Bad Endbach-Bottenhorn:
»Es freut mich, dass ich in diesem Jahr meinen 60. gemeinsam mit meiner Kirche feiern kann. Der Trauspruch, der meine Frau und mich durch unser gemeinsames Leben begleitet, steht in Psalm 121: ›Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Von wo kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.‹ Wenn ich auch kein regelmäßiger Kirchgänger bin, so hat mich und meine Familie Gottes Wort immer begleitet. Ich wünsche der Kirche, dass die Zahl ihrer Mitglieder nicht weiter zurückgeht und dass alle, die mit den anstehenden Reformen betraut sind, den richtigen, zukunftsweisenden Weg finden.«

Irene Hundsdorf, Darmstadt:
»Es gibt zu viel Ungerechtigkeit auf der Welt. Viele junge Menschen wachsen ohne Zukunftsperspektive auf. Schwache fallen durch das soziale Netz. Die Kirche hat die Möglichkeit, ihre Stimme für soziale Gerechtigkeit zu erheben, und das sollte sie mit noch viel mehr Einsatz tun!«