60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007
Medien in 60 Jahren EKHN
Medien prägen nicht erst heute den Alltag und die Meinungsbildung der Gesellschaft und ihrer Mitglieder. Daran beteiligt sich auch die Kirche von Anfang an mit Nachrichten, Zeitungen, Büchern, Radio und anderen Medien, die seit den trostarmen Nachkriegsjahren Orientierung und Zuspruch anbieten.
Nachrichten und Zeitung
Die Kirchenzeitung »Weg und Wahrheit« verbreitet bereits 1946 unter ihrem ersten Chefredakteur Willy Schemel Informationen aus dem kirchlichen Leben. Wie die entsprechenden Blätter der anderen Landeskirchen hat auch »Weg und Wahrheit« ab 1970 mit einer sinkenden Auflage zu kämpfen: Denn das kirchenorientierte evangelische Milieu wird langsam kleiner und das allgemeine Interesse an der Kirche sinkt.
www.evangelische-sonntagszeitung.de
Presseagentur
Der Evangelische Pressedienst (epd) bereichert ab 1949 wieder das Informationsangebot und die demokratische Meinungsbildung. Er verbreitet bis heute, jeweils auf aktuellem technischen und journalistischen Stand, Nachrichten über die Kirche und ihre Themen.
www.epd-hessen.de
Radio
Die EKHN gestaltet im von den Alliierten kontrollierten Radio Frankfurt das Programm mit. Ab 1949 sichern die Staatsverträge der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz den Kirchen über den Rundfunk Verkündigungssendungen zu. Im Auftrag der EKHN laufen im Hessischen Rundfunk 400 Sendungen und im Südwestfunk, später umbenannt in Südwestrundfunk, circa 110 Sendungen
pro Jahr. Sie erreichen in diesem Massenmedium ein millionenfaches Publikum.
www.rundfunk-evangelisch.de
Seit 1990 sind auch auf Radio FFH und anderen Privatsendern des Kirchengebiets etwa 400 evangelische Beiträge pro Jahr zu hören.
www.privatfunkagentur.de
Medienpädagogik
Der Filmdienst reist ab 1950 durch die Kirchengemeinden und zeigt christliche und Werte bildende Filme. Als das Fernsehen dieses Angebot überflüssig macht, wird der Filmdienst schließlich 1992 in die Ton- und Bildstelle, deren Sitz in Frankfurt ist, integriert. Sie bietet ab 1958 audiovisuelle Medien an, mit denen Religions- und Konfirmandenunterricht sowie die Gemeindearbeit interessanter gestaltet werden können.
www.tonbild.de
Büchereien
Bestehende Büchereien in der EKHN, zumeist in Gemeinden und diakonischen Einrichtungen, nehmen ihre Arbeit wieder auf oder werden neu gegründet. Im Jahr 1975 ist ihre Zahl auf 712 angewachsen. Sie verleihen über eine halbe Million Bücher. Danach sinkt ihre Bedeutung, denn Bücher werden erschwinglich und teilweise von elektronischen Medien verdrängt. 2007 sind 140 Gemeindebüchereien im Verband evangelischer Büchereien organisiert. Sie bieten nun auch Ton- und Datenträger wie Hörbücher und Lernprogramme an.
www.buechereien-in-der-ekhn.de
Aufbruch
Ende der 60er-Jahre wird die Kirche zunehmend kritisiert und infrage gestellt. Sie gerät unter den Druck, sich selber besser erklären zu müssen. Die Annahme dieser Herausforderung ist eng mit Kirchenpräsident Helmut Hild verknüpft. Er stellt neben die evangelische Publizistik, die im aufklärerischen Sinn der Gesellschaft dient, eine eigene Öffentlichkeitsarbeit, welche die direkten Interessen der Kirche öffentlich vertreten soll. 1969 entsteht die erste Informationsbroschüre über die Kirchensteuer. Sie wird mit einer Auflage von über einer halben Million in allen Gemeinden verteilt. 1970 gibt sich die EKHN mit Dr. Hans Weißgerber den ersten Informationsbeauftragten.
Wahlkampagne und EKHN-Mitteilungen
Die Kirchenvorstandswahlen im Mai 1973 werden erstmals mit einer Kampagne öffentlich sichtbar gemacht. Mit farbigen Plakaten und Handzetteln mit dem Schneckenlogo und dem Slogan »Ein Christ lebt nicht im Schneckenhaus. Er wählt und lässt sich wählen« will die EKHN die Wahlbeteiligung und damit die demokratische Legitimation verbessern. Das ist damals ein umstrittenes Novum in der traditionell stark auf das gesprochene Wort fixierten evangelischen Kirche.
Die Ergebnisse der Wahl werden in der ersten Ausgabe der »EKHN-Nachrichten« veröffentlicht. Diese neue monatliche Publikation bündelt die bislang unkoordiniert verbreiteten Informationen der vielen Ämter und Einrichtungen in einem internen Medium. Es existiert bis heute.
Mitgliedermagazin
1975 bringt die EKHN als erste und einzige Landeskirche mit dem Quartalsmagazin »+++ im gespräch« eine Publikation heraus, die alle Mitglieder kostenlos erhalten sollen. Kirchenpräsident Hild will damit »einem schwindenden kirchlichen Mitgliedschaftsbewusstsein in der Volkskirche entgegenwirken«, wie er vor der Synode betont. Gestaltet wird das bildreiche und farbige Quartalsmagazin von Prof. Hans-Jürgen Rau. Der vorgesehene Vertriebsweg über die Kirchengemeinden funktioniert allerdings nicht so umfassend wie erhofft. 1993 tritt an seine Stelle das Mitgliedermagazin ECHT, das sein Chefredakteur Dr. Rainer Didszuweit und als Herausgeber Oberkirchenrat Dr. Joachim Schmidt mit neuem Konzept auf dem teuren, aber zuverlässigen Postweg zustellen. Gedacht ist es als Lebenszeichen der Kirche vor allem für jene Mitglieder, die weder von ihrer Gemeinde noch von anderen kirchlichen Angeboten erreicht werden.
www.echt-online.de
Kirche im weltweiten Netz
Die Förderung der Demokratie, dieser Nachkriegsgedanke der Kirche, wird noch einmal 1994 wichtig, als das Internetzeitalter beginnt. Pfarrer Hans Rumpeltes und weitere kluge Köpfe in der Jugendarbeit der Friedensgemeinde aus Mühlheim am Main erahnen früh die gigantischen Chancen und Gefahren des neuen digitalen Mediums. Sie wollen darin eine Plattform für kommerzfreie, offene und demokratische Kommunikation anbieten. Dafür bauen sie das Digitale Informations- und Kommunikationssystem in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (DIKE) auf, ein offener Dialogkanal für alle, die sich für Kirche und ihre Themen interessieren. DIKE betreut bis 2006 auch die technische Plattform des offiziellen Internetauftritts, den die EKHN 1997 einrichtet. Peter W. Schmidt, Rita Deschner und Carsten Sommer konzipieren und pflegen das Spiegelbild der realen EKHN im virtuellen weltweiten Netz. Zu ihm gehört auch der ganz reale Online-Seelsorger Pfarrer Helwig Wegner-Nord.
Gebündelte Kräfte
Finanzielle Einbrüche und zurückgehende Akzeptanz zwingen in den 90er-Jahren zu Veränderungen. In Frankfurt wird 1996 das Medienhaus gegründet, in dem die zuvor verstreuten Medienabteilungen gebündelt werden. Als gGmbH ist es ein moderner Dienstleister für die Bereiche Druck, Rundfunk und Internet. Der EKHN-eigene Spener Verlag wird aufgrund mangelnden Erfolgs aufgelöst. Die »Kirchenzeitung«, nach Jahren mit sinkender Auflage bei 15.000 angelangt, startet unter Chefredakteur Wolfgang Weißgerber durch. Seit 2004 erscheint sie mit dem neuen Namen »Evangelische Sonntags-Zeitung« und einer neuen, farbigen Aufmachung. Das von Birgit Arndt konzipierte neue Marketingkonzept steigert die Auflage erheblich – gegen den allgemeinen Trend der Kirchengebietspresse.
Menschen entwerfen ihr Bild von der Welt heute weitgehend mithilfe von Eindrücken, die sie nicht selbst gewonnen, sondern Medien entnommen haben. Die tägliche Nutzungsdauer von Medien liegt bei durchschnittlich etwa viereinhalb Stunden. Für den Auftrag der Kirche nimmt ihre Bedeutung dramatisch zu. Dem trägt die Dekanatsstrukturreform 2000 Rechnung, indem sie jedem Dekanat einen Stellenanteil für Öffentlichkeitsarbeit zuweist. Seit 2005 arbeiten nun 28 Medienexperten in den Dekanaten mit den vier gesamtkirchlichen Öffentlichkeitsreferenten am Paulusplatz zusammen, um den Auftrag der Kirche in den Medien immer wieder neu erkennbar zu machen.
Medienhaus
Das Medienhaus in Frankfurt, gegründet 1996/97, ist das Zentrum für evangelische Publizistik und Medienarbeit in Hessen und Nassau. Unter einem Dach sind zu finden:
• Evangelische Sonntags-Zeitung
• Evangelischer Pressedienst (epd), Landesdienst Hessen: Nachrichtenagentur für Tageszeitungs- und Funkredaktionen
• Privatfunkarbeitsstelle der EKHN: etwa 400 evangelische Radiosendungen pro Jahr für RPR, KlassikRadio und andere, vor allem aber für Hit Radio FFH
• öffentlich-rechtliche Rundfunkarbeit beim Hessischen Rundfunk: knapp 500 Verkündigungssendungen pro Jahr für die verschiedenen Wellen des Hessischen Rundfunks
• Arbeitsbereich Medienprojekte/Internet: initiiert Medienprojekte, bietet Fortbildung an, koordiniert und steht für das Internet-Engagement der EKHN
Im Medienhaus sind 35 Mitarbeiter/-innen sowie weitere Honorarkräfte beschäftigt. Die Aufwendungen des Medienhauses in Höhe von 3,5 Mio. Euro im Jahr 2006 deckten EKHN-Zuschüsse in Höhe von 1,9 Mio. Euro und Umsatzerlöse in Höhe von 1,6 Mio. Euro.
Medienhaus gGmbH
Zentrum für evangelische Publizistik und Medienarbeit in Hessen und Nassau gGmbH
Rechneigrabenstraße 10
60311 Frankfurt
Telefon (069) 92107-401
E-Mail medienhaus[at]ekhn.de
zurück | letzte Aktualisierung: 21.09.2007 | copyright by EKHN