60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007
Die EKHN-Finanzen im Lichte der Jahrzehnte
Finanzen
Abhängigkeit von Kirchensteuer reduzieren
Die EKHN hat gut gewirtschaftet. Ihr Haushalt ist ausgeglichen. Rücklagen können kurzfristige Schwankungen abfedern. Allerdings sind ihre Finanzen sehr stark von der Konjunktur und der Steuergesetzgebung abhängig. Weitere Einnahmequellen wie Sponsoring, Fundraising und Fördervereine müssen stärker erschlossen werden.
Finanzlasten absichern
Die demografische Kurve bedeutet für die EKHN eine sinkende Mitgliederzahl. Um langfristig handlungsfähig zu bleiben, strebt die Kirche an, dauerhafte Ausgaben wie die Ruhestandsversorgung und die Baulasten so weit wie möglich über Stiftungen abzudecken.
Von der Konjunktur unabhängiger werden
Die dynamische Entwicklung der EKHN in vielen klassischen und auch neu hinzugekommenen Aufgabenbereichen und Handlungsfeldern wäre ohne eine entsprechende ökonomische Grundlage nicht möglich gewesen. Die Entwicklung der EKHN in den letzten Jahrzehnten ist daher auch eine Erfolgsstory der Kirchensteuer, die zurzeit mit einem Anteil von 80 Prozent an den Gesamteinnahmen die dominierende Einnahmequelle bildet.
Allein zwischen den Jahren 1953 und 1967 wuchs das Kirchensteueraufkommen in der Bundesrepublik um insgesamt mehr als 400 Prozent. Damit war die Grundlage geschaffen für eine positive Entwicklung der Zahl der Kirchengemeinden und Pfarrstellen, der Diakoniestationen, der Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Pflegeheime und Schulen, aber auch für Arbeiten in der Ökumene und Weltmission.
Das rasante Wachstum der Kirchensteuer setzte sich in den weiteren Jahrzehnten bis zum Jahr 1993 in Form eines zumindest nominell jährlich steigenden Kirchensteueraufkommens fort – und das trotz rückläufiger Mitgliederzahlen seit etwa 1970.

Die seit Einführung von Kirchensteuern Ende des 19. Jahrhunderts bewusst eingegangene Verbindung der Kirchensteuer mit dem Schicksal der Lohn- und Einkommensteuer (Akzessorietät) hat sich für die Landeskirchen und vor allem für die EKHN über viele Jahrzehnte als sehr vorteilhaft erwiesen. Die Schwächen der Akzessorietät sind allerdings nicht zu übersehen: Sie liegen in der Abhängigkeit von Konjunktur, Arbeitsmarkt und Gesetzgebung. Die sinkenden Kirchensteuereinnahmen seit dem Jahr 2000 sind speziell ein Ergebnis der Steuergesetzgebung, aber auch der konjunkturellen Entwicklung und bei der Kirchenlohnsteuer ein Spiegelbild des Arbeitsmarktes. Auch die positive Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit ist mit diesen Haupteinflussgrößen eng verbunden. Trotz zurückgehender Mitgliederzahlen von rund 2.400.000 im Jahre 1970 auf 1.800.000 im Jahr 2007 haben sich die Kirchensteuereinnahmen in diesem Zeitraum in der EKHN mehr als verdoppelt. Betrachtet man die letzten sieben Jahre, so mehren sich die Stimmen derer, die eine Umkehr dieses Trends befürchten. Denn die Zeiten von hervorragenden Konjunkturdaten in Deutschland und auch in der EKHN können im Zuge der Globalisierung nicht in die Zukunft fortgeschrieben werden. Die Mitgliederverluste lassen sich mithin nicht mehr durch Wirtschaftswachstum kompensieren, sodass sich die demografische Entwicklung künftig auch auf die Einnahmen negativ auswirken wird. Selbst wenn man die EKD-Annahmen (bis 2030 ein Drittel der Mitglieder weniger und Halbierung der Finanzkraft) als düsteres Zukunftsszenario nicht auf die EKHN übertragen kann, ist damit zu rechnen, dass die demografische Entwicklung von minus 0,9 Prozent der Mitglieder pro Jahr in der EKHN auch auf die Einnahmeseite in ähnlicher Weise durchschlägt.
Trotz der sich seit 2005 wieder günstiger entwickelnden Steuereinnahmen wurde in der EKHN ein Diskussionsprozess angestoßen, in dem unter der Annahme sinkender Ressourcen die Prioritäten für das weitere Handeln bis zum Jahre 2025 erarbeitet und festgelegt werden sollen. Die Rückschläge der vergangenen Jahre haben vorsichtig gemacht. In vielen Landeskirchen werden heute, oft durch schmerzliche Diskussionsprozesse begleitet, die Weichen dafür gestellt, damit in Zukunft auch mit geringeren Ressourcen ein qualitativ hochwertiges Aufgabenspektrum den Mitgliedern und der Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden kann. Die EKHN ist für diesen Prozess vergleichsweise gut gerüstet. Mit der Versorgungsstiftung und der Evangelischen Ruhegehaltskasse haben wir die Versorgungslasten exzellent abgesichert. Des Weiteren wurde gerade in den letzten Jahren der Blick dafür geschärft, dass auch ein Rücklagenpolster nicht nur schön, sondern notwendig ist, um Anpassungsprozesse bei sinkenden Einnahmen gestalten zu können. Auch wenn die EKHN zurzeit die Landeskirche in der EKD mit dem höchsten Steueraufkommen pro Kopf ist, besteht in allen Gremien der EKHN eine große Übereinstimmung darin, dass verantwortungsvolles Handeln heute auch die Vorsorge für die Zukunft umfassen muss.
Zur Vorsorge für die Zukunft gehört auch, dass für die vielfältigen Arbeiten in den Gemeinden und Dekanaten zusätzliche Einnahmequellen erschlossen werden, um nach und nach die Abhängigkeit von Kirchensteuerzuweisungen zu reduzieren. Deswegen hat die EKHN bereits Ende der 90er-Jahre damit begonnen, auch durch hauptamtliche Kräfte den Bereich Fundraising und Sponsoring aufzubauen. Schätzungen gehen davon aus, dass zurzeit 18 Mio. Euro ganz überwiegend auf der Ebene der Gemeinden eingeworben werden. Das entspricht etwa 10 Prozent des gesamten Zuweisungsvolumens für Kirchengemeinden und Dekanate. Nach dem Perspektivpapier 2025 soll dieser Anteil von Drittmitteln bis zum Jahr 2025 verdoppelt werden. Förderkreise, Fördervereine und Stiftungen sind Schlüsselbegriffe für die weitere Entwicklung der Arbeit in den Gemeinden und Dekanaten. Die rückläufigen Steuereinnahmen der letzten Jahre haben schließlich auch einer Ökonomisierung kirchlichen Denkens und Handelns im Sinne eines optimierten Ressourceneinsatzes Nachdruck verliehen. Dieser Entwicklung mögen manche Kirchenverantwortliche noch mit etwas Distanz begegnen, aufzuhalten ist dieser Prozess aber nicht und das ist auch gut so. Denn die Kirchensteuerzahler haben ein Recht darauf, dass die von ihnen eingezogenen Finanzmittel effizient zum Einsatz gelangen. In Prioritätendiskussionen kann lange darüber geredet und auch gestritten werden, für welchen Zweck die Mittel eingesetzt werden sollen, nicht aber über die möglichst hohe Effizienz des Mitteleinsatzes.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in klassischen kirchlichen Berufen
|
|
1954 |
1975 |
1995 |
2006 |
Kindergartenpersonal |
hauptamtlich |
590 |
1.937 |
3.977 |
4.873 |
|
nebenamtlich |
0 |
25 |
1.057 |
915 |
Kirchenmusik |
hauptamtlich |
* |
139 |
149 |
143 |
|
nebenamtlich |
* |
1.748 |
1.801 |
1.808 |
Pfarrer/-innen |
|
936 |
1.231 |
1.272 |
1.598 |
Küster/-innen |
hauptamtlich |
* |
227 |
249 |
234 |
Sekretariat/Sachbearbeitung |
hauptamtlich |
* |
195 |
1.021 |
1.416 |
|
nebenamtlich |
* |
388 |
725 |
1.072 |
* Die Zahlen wurden erst in den 70er-Jahren erfasst.
Die Mitarbeiterzahlen sind nicht in allen Fällen eindeutig zu erheben oder zuzuordnen. Erstens gibt es viele Verbände und Vereine, die zwar juristisch selbstständig, aber der EKHN assoziiert sind. Zweitens üben viele Menschen in Gemeinden Mehrfachfunktionen aus. So sind viele Küster in einer Gemeinde zugleich auch Hausmeister. Oder Organisten und Sekretärinnen sind in mehreren Gemeinden stundenweise beschäftigt. Hier sind die Übergänge ins Ehrenamt fließend. Erst im Zuge der allmählichen Professionalisierung der Verwaltung seit den 60er-Jahren werden einheitliche Standards bei der Zählung etabliert.
Heinz Thomas Striegler
Leiter des Dezernats Finanzen, Bau und Liegenschaften
Telefon (06151) 405-344
E-Mail heinz-thomas.striegler[at]ekhn-kv.de
zurück | letzte Aktualisierung: 21.09.2007 | copyright by EKHN