60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007

Ausstellung »Alles Echt« im Bibelhaus Frankfurt

Der biblische Text als Puzzle

In einer bundesweit beachteten Ausstellung hat das Bibelhaus der EKHN einige der ältesten Dokumente zum Neuen Testament nach Frankfurt geholt. Fast alle Exponate, die überwiegend aus Ägypten stammen, waren zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.

Bibel

Von Gott inspiriert – von Menschen geschrieben
Die Texte der Bibel sind nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden von Menschenhand geschrieben. Nicht die Buchstaben sind heilig, sondern der Geist, der sie durchdringt. Insofern sind die biblischen Texte nicht unmittelbar das Wort Gottes, sondern sie enthalten das Wort Gottes. Als Zeugnisse des Glaubens fordern sie Christen zu persönlichem Glauben und aktuellem Bekennen heraus.

Verstehen und Übersetzen
Wie die Bibel angemessen übersetzt und verstanden werden kann, muss zu allen Zeiten neu herausgefunden werden. Dazu ist die wissenschaftliche Forschung unverzichtbar. Dem dienen auch Initiativen wie die »Bibel in gerechter Sprache«. Deshalb unterstützt die EKHN sie.

»Näher kommen wir an die historische Bibel nicht heran«, erklärt Museumsdirektor Jürgen Schefzyk. Er steht im Hochsicherheitskeller des Erlebnismuseums Bibelhaus am Frankfurter Museumsufer. Der Raum ist dunkel. In einer Vitrine liegt Sand, ein Tonkrug ragt halb daraus hervor. Darüber ist, geheimnisvoll von einer glimmenden Lampe erleuchtet, ein Fetzen Papyrus zu sehen. Es ist das Chester-Beatty-Fragment und damit nicht irgendein Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium, sondern das älteste überlieferte Textzeugnis davon überhaupt. Irgendwann im dritten Jahrhundert versank es im ägyptischen Wüstensand. Im 19. Jahrhundert fanden es einheimische Antiquitäten-Jäger und verkauften es dem Forscher und Antiken-Sammler Chester Beatty. Nun trägt der Papyrus seinen Namen, der jedem Theologen im Studium begegnet. Es gehört wie Tausende weiterer Papyrus-Fragmente der Österreichischen Nationalbibliothek, die damit die weltweit größte Sammlung dieser alten Schriftdokumente besitzt. 70 davon hatte sie freigegeben, damit sie erstmals in Deutschland zu sehen waren. Das Bibelhaus der EKHN am Frankfurter Museumsufer präsentierte sie in der Ausstellung »Alles Echt«, zusammen mit weiteren Schrift- und Glaubenszeugnissen aus Paris, London, Mainz und Frankfurt. Eine Vortragsreihe und ein Internetportal mit einem Wettbewerb für Kinder und Jugendliche boten weitere Zugänge zu den Exponaten und ihrer Zeit.
Die Ausstellung war nicht nur für Kulturbeflissene und Geschichtsliebhaber interessant. Sie leistete auch einen wichtigen Beitrag zum christlichen Bibelverständnis. Sie machte sichtbar, dass die biblischen Texte zwar vom Himmel inspiriert, aber nicht vom Himmel gefallen sind. Darauf wies Kirchenpräsident Peter Steinacker bei der Eröffnung hin: »In der Bibel finden wir das großartige Zeugnis von der Liebe und vom Erbarmen Gottes gegenüber uns Menschen. Die schriftliche Grundlage unseres Glaubens ist eine Art Puzzle. Und einige der ältesten Teile davon können Sie heute hier sehen. Die moderne Bibelwissenschaft ist seit 100 Jahren intensiv damit beschäftigt, diesen Entstehungsprozess zu rekonstruieren und möglichst nahe an die Originaltexte heranzukommen.«
Originaltexte aus der Feder der Evangelisten oder gar aus den Tagen des Paulus und Jesus sind nicht erhalten. Geblieben ist nur das, was von ihnen nach Jahrhunderten des Abschreibens und Weitererzählens im Wüstensand versank und eineinhalb Jahrtausende später wieder ausgebuddelt wurde. Näher kommt man an das Originalgeschehen wissenschaftlich nicht heran.
Die Ausstellung wurde von der Frankfurter Bibelgesellschaft e.V. durchgeführt und stand unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Roland Koch, dem griechisch-orthodoxen Metropolit Augustinos und Kirchenpräsident Steinacker.
Den Ausbau der Ausstellungsräume haben die Albert-und-Barbara-von-Metzler-Stiftung, die Stadt Frankfurt, der Hessische Museumsverband und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert. Unterstützt haben die Ausstellung renommierte Unternehmen und Banken.

Bibelkreise

 

1977

1985

1995

2005

Bibelkreise

660

802

893

911

Teilnehmende

9.298

10.940

9.428

9.244

 

Ratgeber für Kinderbibeln
Der Markt für Kinderbibeln ist groß und verwirrend vielfältig. Das Religionspädagogische Amt der EKHN hat nun als erstes von Verlagen unabhängiges Fachgremium darüber einen Ratgeber herausgebracht. Unter dem Titel »Kinderbuch Bibel?« werden 31 im Buchhandel erhältliche Kinderbibeln vorgestellt und anhand der Stichworte Textauswahl, Sprache, Illustrationen, theologische Ausrichtung und Einsatzmöglichkeiten bewertet. Der Ratgeber »Kinderbuch Bibel?« ist unter www.ekhn.de/kinderbibelratgeber zu finden. Als Druckversion kann er kostenlos angefordert werden.


Religionspädagogisches Studienzentrum
Im Brühl 30
61476 Kronberg im Taunus
Telefon (06173) 9265-0
E-Mail info[at]rpz-ekhn.de

www.rpz-ekhn.de

Ausstellung »Alles Echt«
Die Ausstellung war bis Mai 2007 zu sehen. Wer sie verpasst hat, kann sich anhand des farbigen Katalogs – zubeziehen beim Bibelmuseum – einen Eindruck verschaffen. Die Dauerausstellung mit vielen kreativen Erfahrungsmöglichkeiten aus der Welt der Bibel ist selbstverständlich weiterhin geöffnet.


Bibelhaus am Museumsufer

Leiter: Pfarrer Jürgen Schefzyk
Metzlerstraße 19
60594 Frankfurt
Telefon (069) 66426528
E-Mail info[at]bibelhaus-frankfurt.de

www.frankfurterbibelgesellschaft.de