60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007

Kindertagesstätten in 60 Jahren EKHN

Zwischen 1945 und 1960 übernehmen die Kirchengemeinden wieder ihre Kindergärten. In den Nachkriegsjahren sind die Hauptsorgen ausreichende Ernährung und Versorgung mit dem Nötigsten. Auch die Bedingungen in den Kindergärten sind entsprechend bescheiden: niedrige Entgelte, niedrige Beiträge, große Gruppen, die bis zu 50 Kinder betragen können. Die Erzieherinnen knüpfen an alte pädagogische Konzepte an.
Zwischen 1958 und 1980 steigt die Zahl der Kinder rapide. Die Forderung nach mehr Bildungsqualität wird lauter. Die Pädagogik entwickelt den Situationsansatz, der von den Lebenssituationen der Kinder ausgeht und gemeinsam mit ihnen an Themen arbeitet, die sie beschäftigen. Er ergänzt das bisherige Profil evangelischer Kindertagesstätten, das im Erzählen biblischer Geschichten, im Lernen von Kirchenliedern und im Feiern kirchlicher Feste liegt. Nun tritt der Schwerpunkt hinzu, Kindern zu helfen, ihre Welt zu verstehen, schwierige Lebenssituationen zu teilen, innere Stärke zu entwickeln.

Die hohe Kunst der Erzieherin
Anspruchsvolle pädagogische Konzepte lassen sich nur mit gut ausgebildetem Personal umsetzen. Für eine optimale Förderung der kognitiven, emotionalen und sozialen Kompetenz von Kindern benötigen die Erzieherinnen und Erzieher auch eine ausgeprägte und geschulte Beobachtungskompetenz. Sie sollen Kinder nicht beschäftigen, sondern wahrnehmen, was sie beschäftigt. Um die Ausbildung der Erzieherinnen zu verbessern, wird 1972 das evangelische Arbeitszentrum Fort- und Weiterbildung im Darmstädter Elisabethenstift gegründet. Es gilt bis heute als eine der fortschrittlichsten Schulen. 1978 stellt die EKHN die Leitlinien »Kinder sind unsere Zukunft« auf.
Rheinland-Pfalz hatte bereits 1972 als erstes Bundesland das Kindergartengesetz mit klaren Vorgaben und Zusagen für Kindertagesstätten vorgelegt. Eine Novellierung im Jahr 2006 integriert das Programm »Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an« und die Forderungen des Tagesbetreuungsausbaugesetzes des Bundes. In Hessen gilt seit Januar 2007 das hessische Kinder- und Jugendhilfe-Gesetzbuch mit nach wie vor unzureichenden Regelungen für Kindertagesstätten. Die Frage nach Qualität und pädagogischen Ansprüchen wird unter dem Eindruck des PISA-Schocks und des weltweiten Bildungswettlaufs erneut gestellt. Kindertagesstätten werden mit der Forderung nach gezielten Bildungsmodellen und einem besseren Anschluss an die Schulen konfrontiert. Ohne sich dem Wunsch nach effizienter Bildung zu entziehen, bringt die EKHN die Bedeutung sozialer Kompetenz, christlicher Werte und der Persönlichkeitsentwicklung in die bildungspolitische Debatte ein.

Interkulturelles Lernen und längere Öffnungszeiten
Seit 1980 steigt die Zahl der Kinder aus Migrationsfamilien. In manchen evangelischen Kindertagesstätten stellen sie sogar die Mehrheit. Kindertagesstätten werden zu Lernorten für interkulturelles und interreligiöses Zusammenleben. Sie brauchen ein klares und darauf abgestimmtes evangelisches Profil. Immer mehr Eltern drängen auf längere Öffnungszeiten und umfassendere Betreuungsangebote für ihre Kinder, da sie einer Erwerbsarbeit nachgehen wollen oder müssen. Die EKHN ist bereit, diesen Wünschen nachzukommen, da sie zu einem möglichst großen Gestaltungsspielraum der Eltern beitragen will. Allerdings setzen die problematischen Finanzierungsbedingungen hier Grenzen. Gleichzeitig sinkt seit Ende des 20. Jahrhunderts die Zahl der Kinder erheblich, was an manchen Orten die Existenz von Einrichtungen infrage zu stellen beginnt.

Finanzierung
Bis in die 70er-Jahre finanzieren die Kirchen die Kindertagesstätten alleine. Seit 1996 haben Kinder ab drei Jahren einen rechtlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Die EKHN hat ihr finanzielles Engagement auf in der Regel 15 Prozent der laufenden Kosten begrenzt. In der Regel gibt es nun Teilfinanzierungsmodelle von Land, Kommunen und Kirchen. In den 604 evangelischen Kindertagesstätten in Hessen-Nassau liegen die Personalkosten der kirchlichen Träger in Rheinland-Pfalz bei 12,5 Prozent für einen Teilzeitplatz (für Krippen bei 5 Prozent, für Ganztags- und Hortbetreuung bei 10 Prozent), in Hessen bei in der Regel 15 Prozent der Personal-, Sach- und Verwaltungskosten.

Kindertagesstätten

  1954 1975 1995 2006
Einrichtungen 281 480 598 604
Hauptamtliche Mitarbeiter/-innen 590 1.937 3.977 4.873
Nebenamtliche Mitarbeiter/-innen 0 25 1.057 951

 

Zentrum Bildung
Fachbereich Kindertagesstätte

Erbacher Straße 17
64287 Darmstadt
Telefon (06151) 6690-210

http://kita.zentrumbildung-ekhn.de