60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007
Religionsunterricht in 60 Jahren EKHN
Von Sputnikschock bis PISA-Trauma
Die Geschichte des Religionsunterrichts in Hessen-Nassau ist eng verknüpft mit dem Bildungsbegriff und der Bildungspolitik. Ein historischer Einschnitt war 1957 der »Sputnikschock«, der Deutschland Anfang der 60er-Jahre das erste PISA-Gefühl bescherte. Es war zur Zeit des Kalten Krieges, als die Nachricht, die Sowjetunion habe als erste Nation einen Satelliten, den Sputnik, ins All geschossen, die westliche Welt erschütterte. Welcher Wissensvorsprung! Deutschland rief den »Bildungsnotstand« aus. In der Umbruchphase der 60er-Jahre geriet der Religionsunterricht in eine ernste Krise. Die Kirche habe in staatlichen Institutionen nichts zu suchen, meinten damals nicht wenige und zweifelten, ob die Sonderrolle des Religionsunterrichts überhaupt verfassungskonform sei. Nach dem Bildungsbericht der Regierung 1970 drohte der Unterricht sogar komplett aus dem Lehrplan zu fallen. Ein Gutachten bestätigte jedoch 1971 das Recht auf religiöse Bildung.
Konzepte im Wechsel der Zeiten
Kritik kam vermehrt aus den eigenen Reihen. Das damals vorherrschende Prinzip der »evangelischen Unterweisung« entwickelte Lebensprinzipien von der Bibel her und setzte darauf, Wissen zu vermitteln, religiöse Formen einzustudieren und Texte auswendig zu lernen. Lehrkräfte bemängelten das als unzeitgemäß. Eine Neuordnung der Lehreramtsbildung war die Folge. Ernst Mayer, ehemaliger Schulleiter der Gau-Odernheimer Schule, erinnert daran, wie sich der ursprünglich bibelzentrierte Unterricht langsam den Themen der Welt öffnete: »Zwischen 1970 und 1990 wurde das Fach moderner und weltoffener. Themen wie ›Brot für die Welt‹ wurden aufgegriffen. Ab 1990 gab es dann wieder neue, moderne Methoden weg vom Frontalunterricht, hin zum dialogischen Prinzip.« Jene Konzeptphasen spiegeln den jeweiligen Stand der Pädagogik wider. Heute gibt es ein Mischmodell, das sich zurzeit wieder erneuert und den Ansatz von der »Befähigung zum lebenslangen Lernen« integriert.
Von der Praxis für die Praxis
In Hessen und Nassau gibt es für den Religionsunterricht seit 60 Jahren ein eigenes verantwortliches Gremium, den Gesamtkirchlichen Ausschuss, kurz GKA. In ihm sind die Lehrkräfte verschiedener Schultypen, Eltern und die zuständigen Ämter vertreten. Jene im kirchlichen Raum einzigartige Regelung ist ein Erbe der nassauischen Kirche, die den Vorläufer des GKA bereits in den 20er-Jahren gründete. Entscheidungen sollten mit so viel Fachwissen wie möglich getroffen werden, so das Ziel. Der GKA wirkt bei der Erstellung von Schulbüchern mit.
Aktuell arbeitet der Ausschuss an den neuen Lehrplänen in Hessen und Rheinland-Pfalz mit. Für die verschiedenen Schulformen wird definiert, was die Schülerinnen und Schüler am Ende der Einheiten können sollten – immer auf die Themenfelder Mensch und Welt, Gott, Bibel, Jesus Christus, Kirche und Religionen bezogen. Nach dem rheinland-pfälzischen Entwurf sollen Kinder in der Grundschule unter anderem »elementare biblische Geschichten kennen, diese als Ausdrucksformen menschlicher Erfahrung mit Gott verstehen und sie auf das eigene Leben beziehen können«.
Evangelischer Religionsunterricht
| Angebot und Akzeptanz des Religionsunterrichts an hessischen Schulen 2006 | Abdeckungsgrad* [%] |
Anteil abgemeldeter evangelischer Schüler/-innen [%] |
Anteil nicht evangelischer Schüler/-innen [%] |
| Grundschule | 86,5 |
0,9 |
25 |
| Haupt- und Realschule sowie Förderstufe | 68,2 |
2,8 |
25 |
| Gymnasium Sekundarstufe I | 78,3 |
7,7 |
20 |
| Förderschule | 35 |
0,9 |
70 |
| Berufliche Schule | 44 |
nicht bekannt |
44 |
* Der Abdeckungsgrad benennt den Anteil der evangelischen Schülerinnen und Schüler, die am evangelischen Religionsunterricht teilnehmen können.
Religionspädagogisches Studienzentrum
Kronberg-Schönberg
Direktor: Pfarrer Uwe Martini
Im Brühl 30
61476 Kronberg im Taunus
Telefon (06173) 9265-133
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