60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007

Jugend in 60 Jahren EKHN

Die Anfänge der evangelischen Jugendarbeit liegen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die entstehenden Jugendbünde [Evangelische Jugendverbände] werden im Dritten Reich entweder in die NS-Jugend integriert oder aufgelöst. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg lassen die freien evangelischen Jugendwerke und -verbände ihre Arbeit wieder aufleben. Und auch die EKHN etabliert Strukturen für Kinder- und Jugendarbeit. Bereits in ihrem Gründungsjahr 1947 tritt mit Dr. Heinz Czaia der erste Landesjugendpfarrer seinen Dienst an. Schon ein Jahr vorher gibt es in Darmstadt ein Stadtjugendpfarramt. Weitere folgen in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und Gießen. 1957 ermöglicht die Kirchenleitung, Stellen für Dekanatsjugendwarte einzurichten.

Aufbruch in den 60ern
Als »Zukunft der Kirche« macht die Jugend spätestens in den 60er-Jahren auf sich aufmerksam. In einer Zeit ohne Lehrstellenmangel und Numerus clausus gibt sich evangelische Jugendarbeit schwungvoll-optimistisch und steht ganz im Zeichen des Gemeindeaufbaus. Sie etabliert neue geistliche Lieder und moderne Gottesdienstformen und möchte »Kirche entstauben«. Die EKHN schafft eine Fülle von Strukturen, um die Jugendarbeit zu unterstützen. 1962 wird im ehemaligen Kloster Höchst nach umfangreichen Umbaumaßnahmen ein Jugendzentrum eröffnet, 1969 entsteht ein Amt für Jugendarbeit. Ein Jahr später gründet sich der Landesjugenddelegiertentag als evangelische Jugendvertretung. Im Sog der Studentenunruhen sind in Gemeinden und Dekanaten bereits Jugendvertretungen entstanden, die beanspruchen, Ziele, Inhalte und Formen selbst zu bestimmen, anstatt sie sich von der offiziellen Kirche vorgeben zu lassen. Eine Verordnung erkennt 1974 die Selbstvertretungsstrukturen und auch den Landesjugenddelegiertentag offiziell an. Stadtjugendpfarrämter, Dekanatsjugendreferentinnen und -referenten sowie das Amt für Jugendarbeit machen Fortbildungsangebote. 1972 übernehmen die ersten Gemeindepädagoginnen und -pädagogen in vielen Gemeinden die Kinder- und Jugendarbeit. Sie lösen die Gemeindehelfer ab und prägen ein neues Berufsbild, für das die Evangelische Fachhochschule in Darmstadt einen eigenen Studiengang eingerichtet hat.

Kuschelige 70er und konfliktträchtige 80er
Doch die Situation verändert sich Mitte der 70er-Jahre: Die Grenzen des Wachstums werden offenbar, in den Schulen wachsen Notendruck und Konkurrenz, die Grundstimmung wird pessimistischer. Dem Aufbruch folgt eine Suche nach Geborgenheit. Geschützte Orte sind gefragt, wo Jugendliche dem alltäglichen Erwartungsdruck entfliehen können. Es ist die Zeit der »Teestubenarbeit«, der »Gegenwelten« auf Kirchentagen. Anfang der 80er-Jahre dann orientiert sich eine neue Strömung politisch: Jugendgruppen engagieren sich gegen Atomwaffen und NATO-Doppelbeschluss. Friedensarbeit entsteht als Reaktion auf gesellschaftliche Debatten und erhält einen besonderen Schub durch eine »Friedenswerkstatt« im Jugendzentrum Kloster Höchst, die sich später als »Jugendkulturwerkstatt« EKHN-weit etabliert. Die Kirchensynode beschäftigt sich 1984 erstmals mit dem Schwerpunktthema »Kirche und Jugend«. Zehn Jahre später beschließt sie, im Rhythmus von zwei Jahren einen »Bericht zur Lage der Jugend« als festen Bestandteil in die Tagesordnung zu integrieren. Das oberste Entscheidungsgremium der EKHN wünscht, sich regelmäßig mit Entwicklungen in der evangelischen Jugendarbeit zu befassen.

Im neuen Jahrtausend
Jugendliche sind heute immer schwerer mit Angeboten zu erreichen, die auf klassische Mitgliedschaft und langfristige Bindungen setzen. Sie erwarten zudem mehr Qualität. Darauf reagiert die EKHN mit neuen Angeboten. Unter dem Titel »go(o)d days & nights« wartet der erste Jugendkirchentag 2002 in Gießen mit 1.850 Dauerteilnehmern auf, insgesamt nehmen knapp 4.500 Jugendliche teil. Im Rhythmus von zwei Jahren folgen weitere Großveranstaltungen mit Musik, Theater, Multimedia, Workshops, Gottesdiensten und vielfältigen Events in Wiesbaden und Bad Nauheim, wo knapp 6.000 teilnehmen. 2008 wird der vierte Jugendkirchentag in Rüsselsheim stattfinden.
Die Jugendburg Hohensolms und die Tagungsstätte Kloster Höchst werden modernisiert. Im Jahr 2007 startet mit der Jugendkulturkirche Sankt Peter ein neues Projekt mit hochkarätigen Angeboten, das gezielt zwischen Jugend und Kirchenkultur vermittelt. Die umgebaute Peterskirche in der Frankfurter Innenstadt bietet unter anderem Bistro, Bandprobe- und Seminarräume sowie eine Kapelle und wird von der eigens für diesen Zweck gegründeten »jugend-kultur-kirche sankt peter gGmbH« betrieben. Gesellschafter sind die EKHN und der Evangelische Regionalverband Frankfurt (ERV).
Die Strukturreform 2001 integriert das Amt für Kinder- und Jugendarbeit als Fachbereich in das neu geschaffene Zentrum Bildung in Darmstadt. Als Leiter fungiert der Landesjugendpfarrer. Der Landesjugenddelegiertentag wird im Oktober zur Evangelischen Jugend in Hessen und Nassau e.V. (EJHN). Sie gründet 2007 eine Kinder- und Jugendstiftung, die kirchlich getragene und verantwortete Kinder- und Jugendarbeit in der EKHN auf Gemeinde- und Dekanatsebene fördert.

Kinder- und Jugendgruppen

  1977 1985 1995 2005
Kinder- und Jugendgruppen 3.392 3.536 3.005 2.853
Teilnehmende 50.032 45.111 36.162 23.722

Zentrum Bildung
Landesjugendpfarrer Eberhard Klein
Erbacher Straße 17
64287 Darmstadt
Telefon (06151) 6690-111
E-Mail klein[at]ev-jugend.de
www.zentrumbildung-ekhn.de