60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007
107 Jahre Frauenhilfe Schaafheim
Frauen
Generationenfrage
Die Aktiven der Frauen(bildungs)arbeit kommen zum großen Teil aus einer Generation mit »Frauenbewegungshintergrund«. Die Vorstellungen und Ansprüche junger Frauen haben sich aber gewandelt. Deshalb muss das Verhältnis von Frauenarbeit zum Feminismus und zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen geklärt werden.
Dialog Frauen-Männer
Frauenarbeit und Männerarbeit bewegen sich aufeinander zu. Es entsteht ein Kommunikationsprozess, den beide mit ihren jeweiligen Erfahrungen bereichern. Denn beide befinden sich auf einem Weg, der ihre herkömmlichen Rollen stark verändert.
Zeit für sich – Zeit zum Helfen
»Um die Liebestätigkeit der evangelischen Frauen an den Gemeindegliedern zu wecken«, gründeten Pfarrer vor 100 Jahren die ersten Gruppen. Oft wurden die Frauenhilfegruppen zum Rückgrat der Gemeinde. Bis heute zeichnen sich Frauentreffs durch soziales Engagement aus. Doch das Selbstverständnis der Akteurinnen hat sich gewandelt. Auch in Schaafheim, wo eine der ältesten Frauenhilfegruppen der EKHN aktiv ist.
Else Höreth greift zum Mikrofon, steht auf und bittet die »Schwestern« um Ruhe. Langsam legt sich das Gemurmel aus rund 60 Mündern und die Jahresabschlussfeier der Frauenhilfegruppe Schaafheim beginnt. Der Pfarrer hält eine Andacht. Die beiden Leiterinnen Else Höreth und Waltraud Lück managen heute eine Veranstaltung, die einer großen Familienfeier gleicht.
Die meisten der Frauen sind zwischen 70 und 85 und schon ihr halbes Leben dabei – wie ihre Mütter vor ihnen. Die Frauenhilfe gehört seit 107 Jahren zum Dorfleben. Der damalige Pfarrer gründete sie als »Missionskranz« mit dem Ziel, die Missionswerke zu unterstützen. Nach dem Krieg schlossen sie sich dem Verband der Evangelischen Frauenhilfe an. Noch heute, sagt Waltraud Lück, heißt es im Ort: »Wir gehen ins Kränzje.« Von Anfang an sammelten die Frauen Sach- und Geldspenden, nähten Hemden, strickten Baumwollbinden für Krankenhäuser und veranstalteten Benefizbasare. Später verschickten sie auch Hilfspakete an die Partnergemeinde Mansfeld in Thüringen.
Die damalige Leiterin Anni Kreh führte zwei Gruppen: nachmittags die Frauenhilfe und am darauffolgenden Abend die Frauenarbeit. Ein- bis dreimal im Jahr organisierte sie auch Ausflüge für die Frauen des Bauerndorfs am Rand des Odenwalds, die wegen der Feldarbeit sonst nicht verreisen konnten. Ob das Ziel Bad Ischl hieß oder Amorbach, es war immer etwas ganz Besonderes. Das blieb so, bis für Anni Kreh, mittlerweile selbst älter geworden, die Vorbereitungen zu anstrengend wurden.
Umdenken, mitmachen
Selbst das Ruder in die Hand zu nehmen waren die Frauen nicht gewohnt, stattdessen blieben sie einfach weg. Fast hätte man zum 100-Jährigen schließen müssen, als frischer Wind aus den eigenen Reihen kam. Die Frau des neuen Pfarrers, Christiane Hucke, unterstützte ein kleines Team beim Umdenken – weg von der einen Organisatorin an der Spitze, hin zur Teamleitung. Krankenbesuche, die Vorbereitung der Nachmittage bis zur Organisation von Referentinnen und Referenten und das Überweisen von Spenden, das alles wurde nun aufgeteilt. »Damals war das eine enorme Umstellung«, erinnert sich die Pfarrersfrau. Sie arbeitet auch als Ehrenamtliche im Dekanat und seit 2005 auch im Vorstand des Verbands Evangelische Frauen mit.
Alterspezifisch im Aufwind
Frauen unter 60 sucht man in der Schaafheimer Frauenhilfe vergebens, dennoch erfreut sich der Kreis eines regen Zulaufs: 40 Neuzugänge in den letzten Jahren. Was hat sich verändert? Es gibt wieder Reisen und es gibt spannende Themennachmittage. Nicht alles wurde umgestaltet, denn die Frauen legen Wert auf ihre Hilfstradition. Deswegen stricken sie weiter an den traditionellen Patchwork-Decken, von denen jedes Jahr über die Bibelmission rund 25 nach Weißrussland geschickt werden. »Sie genießen es, sich in ihrer eigenen Sprache über ihre Erfahrungen auszutauschen. Deswegen machen wir keinen Spagat, nur um generationenübergreifend zu sein«, umreißt Hucke das seniorengerechte Konzept. Erfahrungsgemäß gingen Jüngere lieber in eigene Gruppen mit anderen Themen oder engagierten sich projektbezogen.
zurück | letzte Aktualisierung: 20.09.2007 | copyright by EKHN