60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007

Frauen und Familienbildung in 60 Jahren EKHN

Schon in den 70er-Jahren erkannten Gruppenleiterinnen, dass sie die »spezielle Lebensproblematik der Frauen« aufgreifen mussten, und gaben während der Synode 1974 das Motto aus, ihnen »in ihre Situation hinein das Evangelium zu verkünden«.

Zwei Blickwinkel, ein Ziel
Dieses Jahr nun feiern die Evangelischen Frauen das 100-jährige Jubiläum des ehemaligen Dachverbands der Frauenhilfe sowie das 60-jährige des früheren Dachverbands der Frauenarbeit. Bis vor kurzem noch existierten sie nebeneinander. Mit denselben Interessen, aber doch unterschiedlichen Blickwinkeln und noch unterschiedlicheren Strukturen:
Die Frauenhilfe hatte die Gemeinde im Blick, verfügte als Verein über feste Strukturen, hauptamtliche Mitarbeiterinnen und finanzielle Zuweisungen durch die EKHN. Dennoch war sie rechtlich unabhängig von der Institution Kirche. So konnte sie die Kirchengemeinden durch die Nazizeit tragen. Nach dem Krieg half sie dann, soziale Dienste und Kindergärten neu aufzubauen. Sie sorgte auch dafür, dass die nach dem Wiederaufbau mehr als erschöpften Frauen – Mütter und Großmütter – sich in den eigens dafür ausgestatteten Heimen bei Mütterkuren erholen konnten. 1950 schloss sich der Landesverband der Frauenhilfe dem Müttergenesungswerk an. Diese Arbeit machte die Frauenhilfe auch in der Öffentlichkeit präsent.
Die Frauenarbeit dagegen engagierte sich immer übergemeindlich. In dem losen Zusammenschluss von rund 14 verschiedenen Organisationen – von Diakonissenhaus über Pfarrerinnentag bis Labrystheia – engagierten sich Frauen, die Bildungsarbeit und Politik im Fokus hatten. Die Verbandsstruktur war rein ehrenamtlich, daher gab es kaum Zuschüsse von der Landeskirche.

Frauenbilder im Wandel
Beide Verbände haben zu Veränderungen und Reformen in der Kirche beigetragen. Dabei stolperten sie regelmäßig über altbackene Vorstellungen – fremde wie eigene. In der Kirche lösen sich Rollenklischees scheinbar zäher auf, so jedenfalls sehen es Frauen. Bereits 1968 diskutierten sie in der Synode darüber, dass Frauen in der Kirche durch patriarchalische Strukturen behindert würden. Es bestand die Sorge, die Frauenhilfe könne als Bollwerk für die überkommene Gestalt der Gemeinden missbraucht werden. Deshalb forderten die Synodalen zum Umdenken auf.
Der Nachhall der damaligen Aufbruchstimmung kam erst 1986. Kein Wunder, dass Unzufriedenheit die »Erste Frauenanhörung« bestimmte. Daraufhin gründete die EKHN die Arbeitsstelle Frauen, die das Gleichstellungsgesetz vorantrieb. Die nächste Bestandsaufnahme fand 1995 in der »Zweiten Frauenanhörung« statt. Dieses Treffen war der Anstoß für die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Frauen und damit für die Umstrukturierung der Frauenarbeit in der EKHN. Höchste Zeit, denn nicht nur für Außenstehende war das Knäuel der vernetzten Frauenfäden kaum zu entwirren.

Gemeinsam stark
Wie gut nun das gemeinsame Arbeiten funktioniert, zeigt das Pilotprojekt der Evangelischen Frauen »Bei mir bist du schön«. Das »EVAngelische Frauenbegegnungszentrum« in Frankfurt arbeitet mit den dazu erstellten Materialheften ebenso wie die vier Familien-Bildungsstätten des Verbands in Wiesbaden, Gießen, Offenbach und in der Wetterau – und auch die Leiterinnen der Frauenhilfe in Schaafheim.

Frauenkreise

  1977 1985 1995 2005
Frauenkreise 1.626 1.728 2.064 1.301
Teilnehmende 32.032 34.313 29.827 19.828


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