60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007
Senioren in 60 Jahren EKHN
Lebenshilfe und Gestaltungsräume
Jedes fünfte Mitglied der EKHN ist derzeit über 65 Jahre alt – Tendenz steigend. Ab 2020 schließlich erreichen die geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter. In der evangelischen Kirche hat die Arbeit mit Senioren eine lange Tradition. Vor allem die Gemeinschaft fördernde Angebote wie wöchentliche Treffs oder Fahrten sind aus den Gemeinden nicht wegzudenken. Über 1.100 Altenkreise mit mehr als 26.000 Teilnehmenden gibt es dort. Auch Gruppen der Frauenhilfe spielen traditionell eine große Rolle. Senioren übernehmen einen Großteil der ehrenamtlichen Aufgaben vom Vorsitz im Kirchenvorstand bis zum Austragen der Gemeindebriefe. Senioren besuchen im Rahmen eines Besuchsdienstes andere Senioren oder werden von Pfarrerinnen und Pfarrern zu Hause besucht. Sie tragen durch ihre Teilnahme den Gottesdienst mit. Hinzu kommt eine breite Palette an diakonischen Unterstützungsangeboten. So ist das Diakonische Werk der größte Leistungserbringer für in Heimen lebende Menschen. Diakoniestationen pflegen Menschen zu Hause, beraten und unterstützen Angehörige.
Langsam verbreitet sich die Sensibilität für die »jungen Alten«, die einen aktiven Lebensstil pflegen möchten. Einige Experten unterteilen den Lebensabschnitt des Ruhestands daher und sprechen vom »dritten« und »vierten« Lebensalter. Den Übergang sehen sie bei etwa 80 Jahren. So lassen sich zahlreiche Menschen im Ruhestand von den traditionellen kirchlichen Angeboten für Senioren nicht mehr ansprechen. Neue Konzepte der Seniorenarbeit setzen daher auf Aktivität, Teilnahme, Ehrenamt und Engagement auf Zeit. »Weg von der Angebotskirche, hin zu Gestaltungsräumen für eigene Ideen«, lautet das Motto gezielter Projekte.
Bei dieser Entwicklung nimmt die evangelische Kirche, besonders die EKHN, eine Vorreiterrolle ein: Bereits 1967, als in Deutschland bewusste Arbeit mit »Ruheständlern« noch unbekannt war, befasste sich die Altenarbeit der evangelischen Kirche mit dieser speziellen Gruppe von Senioren. Man sprach zunächst einmal »junge Männer« an, die gerade ihr aktives Berufsleben beendet hatten, diskutierte gemeinsam über entstehende Schwierigkeiten und überlegte, wie man sie überwinden kann.
Der neue Impuls ging unter anderem von Propst Ernst zur Nieden und Landesmännerpfarrer Karl Friedrich Becker aus, die einen »Dienst auf freiwilliger Basis« etablierten. Er sollte besonders die älteren, im Ruhestand lebenden Männer ansprechen. Es ging um Aktivierung der »noch rüstigen älteren Männer« im Sinne von »Lebenshilfe durch Selbsthilfe«. Beim Aufbau einer »offenen Altenarbeit« kooperierte man eng mit dem Psychologischen Institut der Universität Bonn, die einen Lehrstuhl für Gerontologie besaß und Erfahrungen und Erkenntnisse vermittelte. Im März 1967 schließlich fand eine Tagung in der Evangelischen Akademie Arnoldshain zum Thema »Lebensfragen der alten Menschen« statt.
Die Erfolge innerhalb der EKHN führten 1970 dazu, dass der neue Tätigkeitsbereich auf die gesamte Evangelische Kirche in Deutschland ausgeweitet wurde. Bis dahin hatte die EKHN über 100 Ruheständler in Rüstzeiten für den Dienst als ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinden ausgebildet.
Senioren in den Gemeinden
|
1977 |
1985 |
1995 |
2005 |
Alten- und Seniorenkreise |
882 |
850 |
1003 |
963 |
Teilnehmende |
28.867 |
28.941 |
26.381 |
21.157 |
Besuchsdienstkreise |
225 |
344 |
546 |
563 |
Teilnehmende |
2.793 |
4.080 |
5.002 |
4.852 |
zurück | letzte Aktualisierung: 20.09.2007 | copyright by EKHN