60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007
Kindergottesdienst in der Gemeinde Mörfelden
Mit Spaß und Spiritualität
Für den Kindergottesdienst ist eine Vielfalt an Konzepten entstanden, um auf die heutigen Erwartungen und Bedürfnisse der Kinder samt ihrer Familien einzugehen. Stimmige Konzepte finden großen Zuspruch, wie die Kirchengemeinde Mörfelden mit ihren steigenden Teilnehmerzahlen erfährt. Dort feiern Sonntag für Sonntag 40 Kinder und etwa 18 erwachsene und jugendliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottesdienst.
Kindergottesdienst
Kirche für die Kleinen
Kindergottesdienst ist Gottesdienst und keine pädagogische Veranstaltung. Aufgrund der veränderten Lebensbedingungen findet er heute in einer Vielfalt von Konzepten statt. Deshalb ist der Kindergottesdienst ein Übungsfeld der EKHN für neue Ideen. Sie finden nicht selten später auch Eingang in andere Gottesdienstangebote.
Jungbrunnen
Im Kindergottesdienst werden gemeindenah Formen lebendiger Liturgie und lebensnaher Vermittlung des christlichen Glaubens entwickelt. Dabei werden mit den Kindern auch die Eltern angesprochen. Das wirkt dem Generationen übergreifenden Traditionsabbruch entgegen und inspiriert auch die Erwachsenen.
Viele helfen mit
Der Kindergottesdienst wird vor allem von ehrenamtlichen Erwachsenen und Jugendlichen gestaltet. Sie entdecken dabei eigene Begabungen und entwickeln Fähigkeiten. Sie machen Erfahrungen in der Begegnung mit Kindern, die das eigene Leben bereichern und den persönlichen Glauben fördern.
»Ihr müsst aufschrecken! Jesus ist gekommen und ihr wolltet eigentlich gar nicht schlafen!« – Christian Steinau, 17-jähriger Gruppenleiter der Mörfelder Jungs vom Kindergottesdienst gibt Regieanweisungen. Das Drehbuch? – »Die Bibel!« Zehn elf bis 13-Jährige und ihre jugendlichen Teamer proben im Dachgeschoss des Gemeindehauses für das Projekt »Ökumenischer Kinderkreuzweg« am Karfreitag. Der evangelische Kindergottesdienst gestaltet drei von fünf Stationen. Die Jungs wollen das Geschehen im Garten Gethsemane nachspielen, wo Jesus seinen Verräter Judas trifft und von Soldaten verhaftet wird. Also, noch einmal: »Sören, nein, Jesus kommt ...« Die drei Jünger zucken nun heftig zusammen, reiben sich entschuldigend die Augen und einer von ihnen beginnt mit dem so vertrauten Text: »Der Geist ist ...?« – »Willig, aber das Fleisch ist schwach«, hilft Teamer Christian.
Kinder ernst nehmen
Szenenwechsel. Ein Stockwerk tiefer treffen sich die »großen Mädchen«. Sie hüllen sich probehalber in bunte Tücher, denn sie haben die Station »Maria Magdalena und die Frauen am Kreuzweg« übernommen. Die Treppe runter, im Erdgeschoss, arbeitet die Schulkindergruppe an Standbildern für den Karfreitag und im benachbarten Kindergartenhaus üben die zwei- bis sechsjährigen »Kleinen« das Lied für die Eröffnung. Die Gruppe betreuen je zwei oder drei Kindergottesdienst-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.
In anderen Gemeinden kommen nur fünf oder acht Kinder, manche geben ganz auf. Was läuft in Mörfelden anders? »Wir kommen, weil es Spaß macht und immer was los ist«, antworten Lena, acht Jahre, und Jessica, elf Jahre, fast wortgleich.
Ohne Leistungsdruck
»Im Umgang mit Kindern und Jugendlichen braucht man viel Toleranz – Strenge macht keinen Sinn«, ist Margot Renner überzeugt. Die Pflegewirtin leitet den Mörfelder Kindergottesdienst ehrenamtlich. Die anderen sagen, sie habe ihn vor 22 Jahren überhaupt erst erfunden. Nach und nach kamen dann eine Psychologin und zwei Grundschullehrerinnen, die auch Religionspädagoginnen sind, mit ihren eigenen Ideen und Materialien hinzu. Und immer mehr Kinder ab zwei Jahren. »Es soll ein Interesse am christlichen Glauben und an der Kirchengemeinde wachsen«, wünscht sich Margot Renner. Das scheint zu gelingen, manch ehemaliges Kind ist mittlerweile im Kirchenvorstand aktiv.
Schlüssel zum Mörfelder Erfolg ist sicher die kontinuierliche Präsenz erwachsener Ehrenamtlicher im Zusammenspiel mit einer großen Gruppe wechselnder jugendlicher Teamer, die für frischen Wind sorgen. Ab zwölf Jahren dürfen Jungen und Mädchen hier die Bürde der Verantwortung spüren, aber auch das Vertrauen der anderen. Dafür brauchen sie Rückhalt im Team und grundlegendes Wissen. Regelmäßige Vorbereitungstreffen sowie die Weiterbildungskurse, die von der EKHN in Kooperation mit dem Landesverband für Kindergottesdienst in Hessen und Nassau veranstaltet werden, sind deswegen Grundpfeiler ihrer Arbeit.
Leiterin der Fortbildung ist die Kindergottesdienstpfarrerin Sabine Fröhlich. In Zusammenarbeit mit ihrem Team lehrt sie die Ehrenamtlichen zunächst das »spannende Erzählen«, denn biblische Geschichten werden erst lebendig, »wenn Kinder mitfühlen können, was passiert, und auch die Botschaft dahinter verstehen«. Ganz wichtig für Kinder seien außerdem: immer wiederkehrende liturgische Rituale. Zur Verdeutlichung zieht Fröhlich den Vergleich zur »Liturgie eines Besuchs«: »Ankommen, sich begrüßen, gemeinsam etwas tun und sich liebevoll mit einem Segen verabschieden.«
Standpunkte finden
Genauso wird es in Mörfelden gemacht. Auf die Begrüßungsrunde folgt die Diskussion eines Bibeltextes oder einer aktuellen Sinnfrage aus dem Leben der Kinder. In jeder Gruppe funktioniert der Ablauf ein wenig anders. Die Jungen etwa beten zum Abschied gemeinsam das Vaterunser und eignen es sich dabei gleich an. Heute bilden sie einen Rugby-Kreis, als sprächen sie sich Mut für die kommende Woche zu. Die Mädchen dagegen erhalten einen Segensspruch mit auf den Weg. Die Schulkinder halten sich heute an den Händen und sagen zusammen, »Gott segnet uns und macht uns stark« – zum letzten Wort stampfen sie mit dem rechten Fuß auf. Eine Idee von Svenja Stein, diesen Segen auch körperlich zu begleiten. Die 17-jährige Teamerin erklärt warum: »Man muss seinen Standpunkt finden im Glauben, egal, was die anderen dazu sagen!«
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zurück | letzte Aktualisierung: 21.09.2007 | copyright by EKHN