60 Jahre EKHN - Jahresbericht 2006/2007

Kindergottesdienste in 60 Jahren EKHN

In den 30er-Jahren besuchten Schulkinder noch selbstverständlich den Kindergottesdienst. Nach dem Krieg bot die Kirche den Menschen verlässlichen Halt. Ende der 60er-Jahre kamen die Kinder der Babyboomer-Generation in die Schulen. Die Eltern waren von der Kirche kaum sozialisierte Kriegskinder, die nun in Umbruchzeiten Eltern wurden. Viele von ihnen ließen die kirchliche Tradition der Familie erlöschen.
Als immer mehr Kinder wegblieben, erkannte die Kirche, wie wichtig es war, einen guten Kindergottesdienst anzubieten und die Gemeinden darin zu unterstützen. Man bemerkte, dass die damals noch »Nothelfer« genannten, jugendlichen Kindergottesdienst-Mitarbeiter zu wenig Unterstützung erfuhren, überfordert waren und deswegen diese Aufgabe recht bald wieder niederlegten. Der 1960 gegründete Landesverband für Kindergottesdienst in Hessen und Nassau kümmerte sich unter Gerhard Bars um genau dieses Problem. Auf Rüstzeiten bekamen Helfer nun Materialien sowie Anregungen und Grundlagen für die Leitung eines Kindergottesdienstes. Die Nachfrage war größer als die Anzahl der Schulungsplätze.
Damals versuchte man auch modernere Formen des Gottesdienstes zu entwickeln und fragte: Was ist Kindergottesdienst überhaupt? – Religionsunterricht, kirchliche Unterweisung, Hinführung zum Erwachsenengottesdienst, Familiengottesdienst? – Wo gehört er hin? – In die Kirche, wo es feierlich ist, oder ins Gemeindehaus, wo man besser kreativ sein kann? – Wann ist die beste Zeit? – Parallel zum Gottesdienst, damit Familien zusammen kommen und gehen können? Oder im Anschluss, damit die Kinder in die Kirche können und der Pfarrer oder die Pfarrerin auch mal mit den Kindern zusammen feiern kann?
1974 wurde eine halbe Stelle für einen Ansprechpartner der Landeskirche eingerichtet, der sich gemeinsam mit dem Landesverband um die Beratung und Weiterbildung der zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiter kümmern sollte. Sie wurde von dem damaligen Landesschülerpfarrer Gerd Schenk mit versehen.
1978 wurde dann mit Paul Martin Clotz die erste hauptamtliche Kindergottesdienstpfarrstelle besetzt, deren Sitz heute im Zentrum Verkündigung ist. Das Signal lautete: Kindergottesdienst wird ernst genommen, ist Bestandteil der Gemeindearbeit. Man erkannte, dass er keine religionspädagogische Veranstaltung sein darf, sondern wirklich Gottesdienst – aber erlebnisorientiert und kindgerecht.
Nachdem die Liturgie als formgebendes Ritual in den 80er-Jahren weniger gefragt war, gewann sie seit den 90er-Jahren wieder an Bedeutung, wie die derzeitige Kindergottesdienstpfarrerin Sabine Fröhlich weiß. Viele Kinder sind heute schon früh sehr gut informiert und mit Unterhaltungsangeboten vertraut, nehmen aber gern Angebote an, die auf ihre grundlegenden Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Gott und der Welt eingehen. In ihren Grundkursen lehrt Sabine Fröhlich daher das spannende Erzählen ebenso wie das Vermitteln der theologischen Botschaft biblischer Texte. Den Kindern daraus eine Lebenshilfe erwachsen zu lassen ist die Herausforderung des Kindergottesdienstes heute mehr denn je.

Kindergottesdienste

 

1965

1977

1985

1995

2006

Kindergottesdienste pro Jahr

48.429

45.409

44.704

36.445

28.225

Teilnehmende pro Woche

61.425

28.405

20.409

18.322

12.872

Die Zahlen der Kindergottesdienste und der sie besuchenden Kinder sind stark rückläufig. Dafür ist nicht nur die demografische Entwicklung, also der Kindermangel, verantwortlich. Als zweiter Grund ist der Anstieg der Familiengottesdienste von 3.215 im Jahr 1983 auf 5.858 im Jahr 2006 zu nennen. Viele Gemeinden versuchen Kinder und Erwachsene in einem gemeinsamen Gottesdienst anzusprechen.