Geschichte - Dietrich Bonhoeffer
Dietrich Bonhoeffers Besuch in Nassau
Fragen des deutschen und französischen Nationalismus wurden diskutiert
Bonhoeffer hatte in seiner Funktion als Jugendsekretär der internationalen Vereinigung des Weltbundes die Konferenz organisiert und zusammen mit dem französischen Pfarrer Dr. Pierre C. Toureille (1900-1976) verantwortet. Bonhoeffer selbst berichtete über die Veranstaltung in der Zeitschrift der Bekennenden Kirche "Die Eiche", "dass die Konferenz vielleicht (als) die gelungenste des vergangenen Jahres bezeichnet werden muss. Das Thema: "Die Einheit des deutsch-französischen Protestantismus zwischen Katholizismus und Bolschewismus" erwies sich als glücklich, weil es allgemein theologische Besinnung und konkrete Einzelfragen miteinander verband. An den Abenden wurden die Fragen des deutschen und französischen Nationalismus diskutiert." Auf dem Rückweg schickte Bonhoeffer noch eine Ansichtskarte aus Limburg an der Lahn an einen Pfarrerkollegen als "einen Gruß von meiner Franzosenkonferenz, die nicht so übel war."
Stärkende Worte für die Konferenz-Teilnehmer aus dem Daniel-Buch
Dass diese Konferenz nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte, bezeugt auch folgende Passage aus einer Andacht über Daniel 10 "Friede sei mit Dir", die Bonhoeffer später in der Technischen Hochschule in Berlin hielt.
"Ich werde den Tag nicht vergessen, an dem mir dieser Text zum ersten Mal eindrücklich geworden ist. Es war auf einem Zusammensein von jungen Deutschen und jungen Franzosen; wir waren zusammengekommen auf dem gemeinsamen Boden der Kirche und wollten hier über die Dinge sprechen, die zwischen uns liegen, wollten uns unter das Gebot Gottes in unserer Stunde stellen, unter das Gebot `Friede auf Erden´..., und da wurde uns allen Angst, da wurde uns Bange um unsere Botschaft... . Und als wir so etwas erschrocken beisammen waren, da las ein junger Franzose eben diese Worte... . Und als er zu den Worten (an Daniel) kam: `courage, courage, Friede sei mit dir´, - da war uns allen so, dass wir nachher hätten sprechen können: Nun rede, Herr, denn du hast uns gestärkt!"
Zwei Jahre später musste Dietrich Bonhoeffer predigen "nun wird die Sache gefährlich. Nun sind wir nicht mehr Zuschauer, Beobachter, Richter dieser Geschehnisse. Nun sind wir selbst die Angeredeten."
[Rüdiger Klees]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN