Geschichte - Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffers Besuch in Nassau

 

 

Breslau, Berlin, Barcelona, New York und London sind einige der wichtigen Stationen im Leben Dietrich Bonhoeffers. Wenig bekannt ist, dass er sich auch auf dem Gebiet der heutigen EKHN aufhielt. Mit 26 Jahren organisierte Dietrich Bonhoeffer eine deutsch-französische Regionalkonferenz des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen vom 12. bis 14. Juli 1932 in Westerburg und nahm selbst daran teil. Westerburg liegt heute im Dekanat Bad Marienberg. Das Westerburger Schloss war damals eine Jugendburg des Bundes deutscher Jugendvereine.

Fragen des deutschen und französischen Nationalismus wurden diskutiert

Bonhoeffer hatte in seiner Funktion als Jugendsekretär der internationalen Vereinigung des Weltbundes die Konferenz organisiert und zusammen mit dem französischen Pfarrer Dr. Pierre C. Toureille (1900-1976) verantwortet. Bonhoeffer selbst berichtete über die Veranstaltung in der Zeitschrift der Bekennenden Kirche "Die Eiche", "dass die Konferenz vielleicht (als) die gelungenste des vergangenen Jahres bezeichnet werden muss. Das Thema: "Die Einheit des deutsch-französischen Protestantismus zwischen Katholizismus und Bolschewismus" erwies sich als glücklich, weil es allgemein theologische Besinnung und konkrete Einzelfragen miteinander verband. An den Abenden wurden die Fragen des deutschen und französischen Nationalismus diskutiert." Auf dem Rückweg schickte Bonhoeffer noch eine Ansichtskarte aus Limburg an der Lahn an einen Pfarrerkollegen als "einen Gruß von meiner Franzosenkonferenz, die nicht so übel war."

Stärkende Worte für die Konferenz-Teilnehmer aus dem Daniel-Buch

Dass diese Konferenz nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte, bezeugt auch folgende Passage aus einer Andacht über Daniel 10 "Friede sei mit Dir", die Bonhoeffer später in der Technischen Hochschule in Berlin hielt.

"Ich werde den Tag nicht vergessen, an dem mir dieser Text zum ersten Mal eindrücklich geworden ist. Es war auf einem Zusammensein von jungen Deutschen und jungen Franzosen; wir waren zusammengekommen auf dem gemeinsamen Boden der Kirche und wollten hier über die Dinge sprechen, die zwischen uns liegen, wollten uns unter das Gebot Gottes in unserer Stunde stellen, unter das Gebot `Friede auf Erden´..., und da wurde uns allen Angst, da wurde uns Bange um unsere Botschaft... . Und als wir so etwas erschrocken beisammen waren, da las ein junger Franzose eben diese Worte... . Und als er zu den Worten (an Daniel) kam: `courage, courage, Friede sei mit dir´, - da war uns allen so, dass wir nachher hätten sprechen können: Nun rede, Herr, denn du hast uns gestärkt!"

Zwei Jahre später musste Dietrich Bonhoeffer predigen "nun wird die Sache gefährlich. Nun sind wir nicht mehr Zuschauer, Beobachter, Richter dieser Geschehnisse. Nun sind wir selbst die Angeredeten."

[Rüdiger Klees]