Geschichte - Dietrich Bonhoeffer

Christinnen im Widerstand

 

 

[Von Doris Wiese-Gutheil] Es gab auch Frauen, die sich nicht haben einschüchtern lassen, die vom nationalsozialistischen Regime verfolgt wurden, weil sie widerstanden haben. Auf den Spuren dieser Frauen hat sich die frühere Frankfurter Pfarrerin Gerlind Schwöbel begeben. Seit ihrem Ruhestand im Jahr 1990 setzt sie sich mit großem Engagement dafür ein, Frauen und ihre Biographien bekannt zu machen, die gegen das NS-Regime Widerstand geleistet haben und in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt wurden. Auch der Frankfurter Journalist Hartmut Schmidt kümmert sich darum, dass die Lebensgeschichten dieser Frauen nicht in Vergessenheit geraten.

Katharina Staritz

Katharina Staritz war eine Frankfurter Theologin, die wegen ihres Einsatzes für Juden ins KZ Ravensbrück kam. Die Biographin Gerlind Schwöbel hatte sie noch kennen gelernt, die 1949 die erste Vikarin für Frauenarbeit in Frankfurt wurde und deren Nachfolgerin Schwöbel als junge Vikarin war. Von ihrer "Güte und Freundlichkeit", aber auch von ihrem Schicksal als Gefangene in Ravensbrück tief berührt, widmete Schwöbel ein Großteil ihrer Zeit der Erinnerung an Staritz und viele andere Frauenschicksale aus Ravensbrück.
Katharina Staritz, 1903 in Breslau geboren, studierte Theologie in Marburg. Als Vikarin arbeitete sie in Breslau in der "Evangelischen Hilfsstelle für nichtarische Christen" und verhalf vielen zur Ausreise. Als 1941 jüdische Menschen zum Tragen des Davidsterns verpflichtet wurden, bezog sie in einem Rundschreiben Stellung gegen diese Diskriminierung. Fünf Wochen später wurde sie vom Dienst suspendiert, 1942 von der Gestapo verhaftet und nach Ravensbrück gebracht, von wo sie 1943 dank des engagierten Eintretens ihrer Schwester Charlotte "probeweise" entlassen wurde. Nach dem Krieg wurde Staritz Vikarin für die Frauenarbeit aller Frankfurter Gemeinden, die erste Vikarin in der hessen-nassauischen Kirche und erhielt einen Predigtauftrag in der Katharinenkirche. Am Karfreitag 1953 stirbt sie nach schwerer Krankheit.

Hildegard Schaeder

Hildegard Schaeder, 1902 ebenfalls in Breslau geboren, studierte Slawistik und später Theologie. Als aktives Mitglied der Berliner Gemeinde von Pfarrer Martin Niemöller kümmerte sie sich früh um Juden und "nichtarische" Christen, getaufte Christen, deren Stammbaum jüdische Verwandte aufwies. Jüdische Menschen, die in das Getto von Lublin verschleppt wurden, versorgte sie mit Essen, Medizin und Kleidern. Im September 1943 wurde sie verraten und verhaftet. Nach einem halben Jahr Einzelhaft kam sie nach Ravensbrück und wurde im April 45 für die Gaskammer "selektiert". Das beherzte Eintreten einer polnischen Katholikin rettete ihr das Leben. Nach der Befreiung beschloss sie, ihre Kräfte, "solange es Gott zulässt, der kirchlichen Arbeit" zu widmen. Bis 1978 wirkte sie im Kirchlichen Außenamt der EKD in Frankfurt als Referentin für die Orthodoxen Kirchen des Ostens. Sie stirbt 1984.

Hilde Schneider

Hilde Schneider war eine der vielen "nichtarischen" Christinnen, die von den Nazis verfolgt wurden. 1916 in Hannover geboren, evangelisch getauft und konfirmiert, galt sie gemäß der Nazi-Ideologie doch als Jüdin, da drei ihrer Großeltern jüdischer Herkunft waren. Sie absolvierte eine Ausbildung als Schwester im Hannoveraner Diakonissenhaus. Nach dem Progrom 1938 wurde sie von der Leitung des Henriettenstifts gebeten, das Diakonissenhaus zu verlassen. Sie konnte zunächst noch im Jüdischen Krankenhaus ihrer Heimatstadt arbeiten, wurde dann aber zunächst zu Zwangsarbeit verpflichtet, 1941 nach Riga ins KZ deportiert und schließlich in ein Lager in Westpreußen gebracht. Ihre Erfahrung in der Gefangenschaft ließ den Gedanken reifen, in der Gefangenenseelsorge arbeiten zu wollen - sollte sie jemals den Qualen von Getto und KZ entkommen.
Gleich nach dem Krieg studiert Schneider in Göttingen Theologie, arbeitet zunächst als Vikarin in Bremerhaven und wird schließlich die erste Gefängnisseelsorgerin im Frauengefängnis in Frankfurt-Preungesheim. Über ihre Zeit im KZ hat sie bis vor wenigen Jahren nie gesprochen. Hilde Schneider lebt heute in einem Altenheim im Taunus. Es ist dem Frankfurter Journalisten Hartmut Schmidt zu verdanken, dass ihr Leben jetzt in einem Buch einfühlsam und ergreifend vor Augen geführt wird. (November 2000)

[Doris Wiese-Gutheil/RD]

Der vollständige Text:

Der Menschenverachtung widerstehen / Evangelisches Frankfurt

Buchtipps:

Hartmut Schmidt: Zwischen Riga und Locarno. Bericht über Hilde Schneider, Wichern Verlag 2000.
Hannelore Erhart u.a.: Katharina Staritz, Neukirchener Verlag 1999.
Gerlind Schwöbel: Ich aber vertraue. Katharina Staritz, Evangelischer Regionalverband, 1990.
Gerlind Schwöbel: Leben gegen den Tod - Hildegard Schaeder, Evangelischer Regionalverband 1995.
Helga Engler-Heidle, Marlies Flesch-Thebesius:, Frauen im Talar, Evangelischer Regionalverband 1997.