Hessen-Nassau und die Welt - Ökumene

Der Blick über den Tellerrand macht Mut: „Ein einigen Teilen der Welt wächst die Zahl der Christen sehr stark, wobei muslimische Gemeinschaften etwas weniger Zulauf haben“, erklärt Dr. Hans Jürgen Steubing, Fachreferent für Ökumenische Diakonie in der EKHN. Beispielsweise kommt die Partnerkirche der EKHN in Nord-Sumatra kaum mehr nach, neue Leiter für den Kindergottesdienst auszubilden – die Schar der kleinen Besucher wächst zu schnell.

Als getaufte Christen gehören auch Sie zur weltweiten Gemeinschaft aller Christen. Viele Kirchengemeinden zeigen dies, indem sie gemeinsame Projekte mit Partnergemeinden aus Tansania, Ghana oder Sumatra durchführen. Auch kirchliche Reiseveranstalter bieten oft Gesprächkreise oder Besuche in Familien bei Partnergemeinden an, so dass Christen in Hessen-Nassau ihre evangelischen Brüder und Schwestern in anderen Ländern kennen lernen können.

Auf landeskirchlicher Ebene pflegen vorwiegend das Zentrum Ökumene der EKHN sowie das Referat „Mission und Ökumene“ der Abteilung „Kirchliche Praxis“ der Kirchenverwaltung in Darmstadt die weltweiten Beziehungen zu anderen christlichen Gemeinschaften.

Die Beziehungen zu anderen Christen weltweit und vor Ort werden mit dem Begriff "Ökumene" umschrieben. Er wird von dem griechischen Wort „oikoumene“ abgeleitet und bedeutet „der bewohnte Erdkreis“.

Zwischen der EKHN und Kirchen sowie christlichen Einrichtungen anderer Länder bestehen zahlreiche unterschiedliche Verbindungen:

Partnerkirchen

Auf Gemeinde-, Dekanats-, Propstei- und landeskirchlicher Ebene gibt es regelmäßige Kontakte der EKHN zu den Partnerkirchen. Regelmäßig besuchen sich die Vertreter und Gemeindemitglieder gegenseitig und arbeiten teilweise an Themen oder Projekten. Beispielsweise beschäftigen sich Protestanten aus Hessen-Nassau und Tansania mit dem Projekt „Interreligiöser Dialog von Christen u. Muslimen“. Dabei bringen die tansanischen Christen ihre Erfahrungen über ihr friedliches Zusammenleben mit den Muslimen mit ein.

Bedeutsam sind auch die Stipendien, welche die EKHN an Studierende in den Partnerkirchen vergibt. Theologiestudenten aus Tschechien verbringen oft zwei Jahre in Frankfurt am Main oder Marburg, um ihr Studium zu beenden oder zu promovieren. Es kam auch bereits vor, dass die EKHN eine Inderin unterstützte, damit diese in einem naturwissenschaftlichen Fach promovieren konnte.
Nach dem Examen bleiben die Stipendiaten oft rund zehn Jahre in Europa oder Amerika, um dann mit einem reichen Erfahrungsschatz zurück in ihre Heimat zurückzukehren. Einige gründen dann dort eine eigene Firma.
Partnerkirchen der EKHN (PDF, 97 KB)

Missionswerke

Indirekt ist die EKHN in die weltweite Gemeinschaft über die Missionswerke eingebunden. Die Landeskirche stellt finanzielle Mittel zur Verfügung und beteiligt sich bei wichtigen Entscheidungen, da Vertreter der EKHN auch in den Vorständen der Missionswerke sitzen.
Die Missionswerke haben es sich zur Aufgabe gemacht, über die politischen und religiösen Lebensbedingungen ihre Partnerländer zu informieren sowie Projekte zu unterstützen. Mitglied ist die EKHN bei dem Evangelischen Missionswerk in Südwest-Deutschland (EMS) und der Vereinten evangelischen Mission in Wuppertal (VEM). Das EMS sorgt beispielsweise dafür, dass die Johann-Ludwig-Schneller Schule im Libanon ihren Schülern, die zum Teil christliche und muslimische Waisen sind, eine Schul- und Berufsausbildung bieten kann.
Missionswerke

Kirchen helfen Kirchen

Die Initiative "Kirchen helfen Kirchen" unterstützt insbesondere die Arbeit von Kirchen, die sich unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen behaupten müssen. Dabei fördert „Kirchen Helfen Kirchen“ vor allem diejenigen pastoralen, diakonischen und ökumenischen Initiativen von Kirchen, für die durch andere kirchliche Hilfsprogramme keine Fördermöglichkeit besteht.  Zu den Trägern gehören vor allem reformierte und unierte Kirchen der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) - darunter auch die EKHN. Die Geschäftsführung des Programms "Kirchen helfen Kirchen" liegt beim Diakonischen Werk der EKD.
mehr über "Kirchen helfen Kirchen"
Kirchen helfen Kirchen

Austausch zwischen christlichen Gemeinschaften

Zahlreiche Zusammenschlüsse, Gemeinschaften und Konferenzen sorgen für einen Austausch zwischen Protestanten aus verschieden Regionen der Erde. Auch für die Zusammenarbeit zwischen Menschen evangelischer, katholischer, orthodoxer oder anderer Konfessionen wird von ökumenischen Vereinigungen gefördert.
Evangelische Kirchen und Gemeinschaften
Christliche, ökumenische Gemeinschaften

Freiwilliges Diakonisches Jahr in Europa

Die „Evangelischen Freiwilligendienste für junge Menschen - Diakonisches Jahr im Ausland“ ermöglichen 18- bis 25-Jährigen in sozialen Einrichtungen in Europa mitzuarbeiten. Die EKHN unterstützt diese Initiative finanziell.
Diakonisches Jahr im Ausland

Spenden-Aktionen

Diakonische Projekte von „Brot für die Welt“ und „Hoffnung Osteuropa“ unterstützt die EKHN ebenfalls. Sie informiert ihre Mitglieder von deren Vorhaben, damit sie diesen Aktionen mit Spenden helfen. Jedes Jahr sammeln im Rahmen des sonntäglichen Gottesdienst die Gemeinden Kollekten für diese Organisationen. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass ehemalige Kindersoldaten in Sierra Leone eine Berufsausbildung erhalten oder Opfer von Frauenhandel im russischen St. Petersburg juristische und psychologische Hilfe bekommen.
Projekte

Eigene Hilfsprojekte der EKHN

Mit Kirchensteuern finanziert die EKHN auch direkte Hilfsprojekte. Sie beteiligt sich am Programm „Kirchen helfen Kirchen“, das unter anderem evangelische Minderheiten in Europa unterstützt. Außerdem stellt die Landeskirche Geldmittel beispielsweise für den Bau eines Gemeindezentrums in der Prager Südstadt, für ein Hospiz-Projekt in Tschechien und für die Renovierung der ökumenischen Fakultät in Klausenburg in Rumänien zur Verfügung.

Unterstützung von evangelischen Minderheiten

In einigen Ländern leben Protestanten als Minderheit. So genannte „Diaspora-Gemeinden“ sind beispielsweise die reformierte Kirche in Ungarn inmitten einer katholischen Mehrheit sowie eine lutherische Gemeinde in Kasachstan. Damit diese evangelischen Gemeinden überleben können, unterstützt die EKHN das Gustav-Adolf-Werk finanziell. Es hilft dabei, kirchliche Mitarbeitende weiterzubilden oder kirchliche Gebäude zu renovieren.
Gustav Adolf Werk

Kredite für kleine Unternehmen

Einen Teil ihres Geldes legt die EKHN bei dem Institut Oiko-Kredit an, das Menschen in Afrika und Südamerika Kleinkredite auszahlt. Eine Bäuerin kann beispielsweise 100 Dollar erhalten, um sich einen Wagen zu kaufen, mit dem sie ihre Waren auf den nächsten Markt transportieren kann.

Engagement auf politischer Ebene

Um den Wert der Nächstenliebe auch in die Weltpolitik zu transportieren, schließt sich die EKHN mit anderen Organisationen zusammen, die ein ähnliches Anliegen haben. Gemeinsam leisten sie Lobbyarbeit. So gehört die EKHN dem Aktionsbündnis gegen AIDS an, das die Bundesregierung und die Pharmaindustrie für den Kampf gegen AIDS sensibilisiert. Auch in Menschenrechtsfragen ist die EKHN aktiv. Als Mitglied des Missionswerkes VEM unterstützt sie auch deren „Human-Rights-Komission“, die dafür eintritt, die Situation der Menschenrechte in den Partnerkirchen in Sri Lanka, Aceh, Ruanda, Burundi, Kongo und Nambia zu verbessern.
Aktionsbündnis gegen AIDS