Kirchenpräsident

4. Januar 2009

Der neue Kirchenpräsident will sich für sozial Schwache und die Hospizbewegung verstärkt engagieren


Privatfunkagentur der EKHN interviewte Dr. Volker Jung

 

Kirchenpräsident Jung
Quelle: EKHN/RD
Kirchenpräsident Jung im Aufnahmestudio im Medienhaus

„Mir geht es darum, dass ich als Kirchenpräsident deutlich als Pfarrer dieser Kirche erkennbar bin“, sagte Dr. Volker Jung, der neue Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Diese Aussage, die er während eines Interviews für FFH machte, setzte Jung bereits am Tag seines Amtsantritts, dem 1. Januar 2009, in die Tat um: Über Neujahr war er mit 70 Jugendlichen aus dem Dekanat Vogelsberg auf einer Skifreizeit unterwegs.
Das Gespräch mit Andreas Fauth, dem Leiter der Privatfunkagentur der EKHN, sendet FFH am 4. Januar 2009 in der Sendung Kreuz & Quer von 6 bis 9 Uhr. Es wurde bereits Ende letzen Jahres im Studio des Medienhauses in Frankfurt aufgezeichnet. Auf dieser Seite können Sie außerdem das vollständige Interview anhören.

Situation von Benachteiligten in Politik und Wirtschaft anmahnen

Das Interview mit Kirchenpräsident Dr. Volker Jung für FFH zum Hören:

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Der Kirchenpräsident

Privatfunkagentur der EKHN

In dem Gespräch umreißt Volker Jung sein Anliegen als „Chef der EKHN“. So beschäftige ihn persönlich am meisten die auseinanderdriftende Schere zwischen Arm und Reich. „Es ist eine Tatsache, dass es Schulklassen gibt, in denen sich einige Kinder die Schulfreizeit nicht mehr leisten können -  das ist außerordentlich problematisch“, stellte er fest. Die Aufgabe der Kirche sehe er darin, die Situation wahrzunehmen und in Gesprächen mit der Politik anzumahnen.
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise sei er außerdem gespannt auf Gespräche mit Wirtschaftsverbänden.
Für die Kirche habe die Finanzkrise zur Folge, dass die EKHN weniger Kirchensteuereinnamen als in den letzen Jahren zur Verfügung haben werde.

Hospizarbeit in den Blick nehmen

Weiterhin hat sich der neue Kirchenpräsident für sein erstes Amtsjahr vorgenommen, einen Blick auf die Themen der medizinischen Ethik zu werfen. „Gerade die Frage von Sterbebegleitung und Sterbehilfe steht im Moment sehr im Vordergrund,“ so Jung. Er geht davon aus, dass hier neue Herausforderungen für die Kirchengemeinden entstünden, weil über die palliative Versorgung im ambulanten Bereich nachgedacht werde. Als Kirchenpräsident möchte er die gute und wertvolle Arbeit der Hospizbewegung in den Blick nehmen und zur Diskussion beitragen.

Vielfalt statt strenge Hierarchie

Seine Rolle als Kirchenpräsident sieht Jung weniger als Funktionär, sondern vielmehr als  Seelsorger. Stimmen, die eine straffere, innerkirchliche Hierarchie fordern, entgegnet er: „Das würde unserer Kirche und wie wir Kirche leben, nicht entsprechen.“ Es sei gerade ein Kennzeichen evangelischen Glaubens, dass in der EKHN die Vielfalt untereinander ausgehalten werde.

Biblische Texte als Glaubensgrundlage

Als Grundlage seines Glaubens nannte der Kirchenpräsident die biblischen Texte, die er regelmäßig für sich neu entdecke. Beim Lesen überlege er: „Was haben sie mit mir und meinem Leben zu tun?“ Dabei stelle sich ihm eine fremde Welt gegenüber, in der Menschen Gott begegnet seien. Dies helfe ihm, seine eigene neu zu wahrzunehmen. „Da geschieht viel an Gottesbegegnung“, berichtet Volker Jung.

Entwicklung der Gemeinden

Die enge Verbindung von Glaubensinhalten und dem eigenen Leben ist ihm auch für den Sonntagsgottesdienst wichtig: In den Gemeinden sollen Gottesdienste mit Freude gefeiert werden, in denen Heimat vermittelt werde. Die Menschen sollen spüren: Hier geht es um mich. Außerdem sollten Gottesdienste zu besonderen Anlässe wie zu Dorffesten statt finden, ebenso Familien- oder Musikgottesdienste. Als Kirchenpräsident wünsche er sich Gemeinden mit einladenden Angeboten, die sich nach außen hin öffnen. „Kirchengemeinden sind dann stark, wenn sie Lebensverhältnisse mitgestalten, wenn sie sich verantwortlich fühlen.“

Rita Deschner / AF