EKHN erinnerte an Karl Herbert
Reformiert, lutherisch, evangelisch, protestantisch - oder was?
Anlässlich seines 100. Geburtstags hat die EKHN Karl Herbert, der von 1964 bis 1972 Stellvertreter des Kirchenpräsidenten war, geehrt. Davor hatte der am 14. Juli 1907 geborene Herbert als Propst für Nord-Nassau und als Gemeindepfarrer in Oberhörlen/Kreis Biedenkopf gewirkt. Herbert hat unter dem Titel „Durch Höhen und Tiefen“ auch eine Geschichtsdarstellung über die EKHN verfasst. In der Feierstunde am Donnerstag in Darmstadt bezeichnete Alt-Kirchenpräsident Helmut Spengler Herbert als „Anwalt der Ungeduld des Heiligen Geistes, der die Kirche nicht zuerst auf eigene Erhaltung fixiert sehen will, sondern auf die Welt und Gottes gute Botschaft für sie“. Er lobte Herberts „verstehende Sorgfalt“.
Als Festredner hatte Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker den Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber eingeladen. Er sprach über die heutige Bedeutung der Konfessionen. Weber war als Propst in Südnassau Anwalt der reformierten Konfession bevor er Bischof einer lutherischen Kirche wurde.
Ähnlich Karl Herbert, der immer als Vertreter der reformierten Tradition galt und eigentlich ein Lutheraner war. Es gebe, so erläuterte Weber, einen gemeinsamen evangelischen Bestand sowie „konfessionsspezifische Eigenheiten“ wie etwa die Wertschätzung der Predigt in der reformierten und die Wertschätzung der Liturgie in der lutherischen Tradition. Der Begriff protestantisch sei unscharf, da er zu oft die Bedeutung gewechselt habe. Zwar seien sich viele Menschen ihrer Konfession heute nicht mehr bewusst, trotzdem plädierte Weber dafür, „diese Eigenheiten nicht abzuschleifen, sondern sie zu pflegen, denn Evangelisch sei „im allerbesten Sinne das pluralistische.“ Er könne die Vielfalt als „Reichtum genießen, sofern Kirchengemeinschaft besteht“, sagte Weber. Dies sei mit der Leuenberger Konkordie, an der auch Karl Herbert mitgewirkt habe, seit 1973 Realität.
[Stefan Krebs]
zurück | letzte Aktualisierung: 20.09.2007 | copyright by EKHN