Evangelische Kirche in Wiesbaden ohne Heinemann
Dekan war seit über 30Jahren in der Landeshauptstadt Wiesbaden
Wiesbaden, 12. März 2010. Dekan Hans-Martin Heinemann, 56, verlässt nach seiner Wahl zum Stadtsuperintendenten im Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverband Hannover die hessische Landeshauptstadt. Der Wechsel erfolgt voraussichtlich bereits in der kommenden Sommerpause im Juni. Für die Kirchen in Wiesbaden bedeutet der Weggang einen fast historischen Einschnitt. Denn nicht nur Heinemann wechselt nach Niedersachsen, sondern auch der Katholische Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz nach Frankfurt. Beide Positionen müssen neu besetzt werden. In der Evangelischen Kirche wird die Wahl eines neuen Dekans oder einer Dekanin mindestens bis Ende des Jahres dauern. Heinemann war fast sein ganzes Berufsleben über in Wiesbaden. Er startete 1979 mit dem Pfarrvikariat in der Stephanusgemeinde, später wurde er Stadtjugendpfarrer. 1990 kam er als Seelsorger an die Lutherkirche. Im Jahr 2000 wählte ihn die Dekanatssynode zum ersten hauptamtlichen Dekan in einem aus drei Kirchenregionen gegründeten neuen Dekanat Wiesbaden mit damals 100.000 Evangelischen.
Die Reaktionen auf Heinemanns Weggang zeigen, dass es nicht leicht sein wird, die Lücke der ausgleichenden und führungsstarken Leitungsperson zu schließen. Propst Dr. Sigurd Rink bezeichnet die Entscheidung als einen „großen Verlust für die EKHN und einen großen Gewinn für Hannover.“ Als Dekan habe er eine prägende Rolle in der Landeshauptstadt eingenommen. Die Reform der mittleren Leitungsebene habe Heinemann kommunikativ ausgestaltet, in der Landessynode sei sein Einfluss auf die neue Kirchenordnung hoch gewesen.
Die Synode der EKHN hatte allerdings zweimal andere Kandidaten vorgezogen, als sich Heinemann als Propstkandidat für Süd-Nassau und als Stellvertreter des Kirchenpräsidenten zur Wahl stellte. Dekanstellvertreter Gerhard Müller sieht „einen guten Freund und Weggefährten“ ziehen. Er lobt die hohe kommunikative Kompetenz und seinen Einfluss beim Zusammenwachsen der Aufgaben von Gemeinden und kirchlichen Diensten. Auch die Präses der Dekanatssynode, Gabriele Schmidt, sieht „seinen Herzenswunsch in Erfüllung gehen.“ Jetzt müsse sich die Kirche in Wiesbaden neu aufstellen. Das geschieht auch deshalb, weil in Kürze sowohl das Wiesbadener Kirchenparlament, als auch die Mitglieder des Dekanatsvorstandes und vier Landessynodale neu gewählt werden. Heinemann war Synodaler des EKHN-Kirchenparlamentes und Vorsitzender dessen Rechtsausschusses.
Was die Rolle der Kirchen anbelangt, kennt sich der scheidende Pfarrer aus: In seiner Hannoveraner Vorstellungsrede hatte er dazu aufgerufen, in der Stadt bei den Vereinen, den Wirtschaftsverbänden und der Stadtpolitik präsent zu sein. In Wiesbaden war Heinemann das immer. Vor allem nahm er sich der Stadtgesellschaft auch geistlich an. Zu Gedenktagen wie dem 11. September, zu Stadt- und Landesjubiläen stand er mit eindrücklichen Gottesdiensten bei. Er sah es als eine Herausforderung an sich und seine Kirche an, Bürger der Stadt zu trauen und zu bestatten oder deren Kinder zu taufen. In seinem Amt hat er auch für Wiedereintritte geworben.
So sind die Schuhe recht groß, in die ein Nachfolger, Mann oder Frau, wird steigen müssen. Mit dem Wechsel nach Hannover beendet Heinemann schließlich einen privaten Spagat. Schon über Jahre ist seine Frau dort Vorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Der ehrenamtlich in der Marktkirchengemeinde engagierte Wolfgang Kosslers sagt zum Wechsel: „Ich habe Verständnis dafür, wenn jemand jahrelang hier seine Pflicht tut und jetzt der Familie einen Vorzug geben will.“
Freundliche Grüße
Dr. Roger Töpelmann
Evangelische Öffentlichkeitsarbeit EKHN Dekanat Wiesbaden/Propstei Süd-Nassau
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[Elke Heldmann-Kiesel/RD]
zurück | letzte Aktualisierung: 12.03.2010 | copyright by EKHN