Bericht
"Krippenplätze sind gut, wenn sie der Freiheit dienen, den eigenen Lebensweg zu gestalten"
Interview mit dem Kirchenpräsidenten
Angebote der EKHN für Familien
Suche nach Evangelischen Kindertagesstätten
Bereich "Kindertagesstätten" im Zentrum Bildung der EKHN
Projekt "Familienleben" in Mittelhessen
Projekt "Du bist Familie" in Rheinhessen
Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen ist für Mütter und Väter nicht einfach – nun diskutiert die Bundesregierung über Lösungsmöglichkeiten, beispielsweise über den Ausbau von Krippenplätzen. Die EKHN bietet schon jetzt durch Evangelische Kindertagesstätten, Krabbelgruppen und Evangelische Familienbildungsstätten zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten für Familien. Um die pädagogische Qualität und das evangelische Profil zu weiter zu stärken, haben die Evangelischen Kindertagesstätten in diesem Jahr eine Qualitätsoffensive gestartet. In einem Interview bezieht Kirchenpräsident Prof. Peter Steinacker Stellung zur aktuellen Diskussion um die Familie.
Was halten Sie von den Plänen der bundesdeutschen Familienministerin Ursula von der Leyen, Betreuungsplätze für unter dreijährige Kinder auszubauen?
Kirchenpräsident: Echte Pläne sind das ja noch nicht. Offenbar kennt man noch nicht einmal die Bedarfszahlen. Aber den Impuls finde ich erst einmal gut. Es geht darum, den Gestaltungsspielraum für Frauen und Männer zu vergrößern und die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu verbessern. Daran hapert es in unserem Land. Frauen, die wieder arbeiten wollen, müssen das können. Und Frauen - und Männer – , die für ihre Kinder da sein wollen, ohne zu arbeiten, müssen das auch können. Ein Verdienst plus Kindergeld muss dafür reichen.
Viele Mütter müssen oder wollen wieder arbeiten, nachdem sie ein Kind bekommen haben. Wie unterstützt die EKHN diese Familien?
Kirchenpräsident: Durch viele Angebote wie Kitas und Krabbelgruppen.
So mancher berufstätigen Mutter wird das Gefühl vermittelt, eine Rabenmutter zu sein. Frauen, die ihr Kind zu Hause erziehen, werden als Hausmütterchen belächelt. Was sagen Sie diesen Frauen?
Kirchenpräsident: Wir sind zwar eine alternde Gesellschaft – aber der kinderliebende Großelterneffekt hat sich gesellschaftlich noch nicht eingestellt. Wir überschütten unsere Kinder mit vielen Dingen, aber insgesamt sind wir nicht freundlich zu ihnen. Zu wenig Geld fließt in ihre Bildung und Ausbildung. Die Mütter kriegen das als erste ab, gleichgültig, für welchen Lebensweg sie sich entscheiden um ihre Kinder aufzuziehen.
Daneben gilt: In einer pluralistischen Gesellschaft muss sich jeder und jede der Kritik stellen. Was immer man tut, es wird kritisierbar sein. Meine erste Empfehlung ist deshalb, den eigenen Lebensweg selbstkritisch zu prüfen. Und wenn er Bestand hat, ihn möglichst gut und selbstbewusst zu gestalten. Das kann der Lebensweg einer Mutter oder eines Vaters sein, die oder der nur für die Kinder da sind. Es kann auch der Lebensweg eines hauptsächlich berufstätigen Menschen sein. Oder eine ganz persönliche Mischung aus beidem. Das evangelische Ideal ist das der persönlich verantworteten Gestaltungsfreiheit. Menschen können auf ganz verschiedene Weise Erfüllung finden, dazu können Arbeit, Kinder und vieles andere gehören. Als evangelischer Christ stehe ich für die Freiheit zu einem eigenen Lebensweg ein, auf dem Frauen und Männer auf persönliche Weise Arbeit und Kinder vereinbaren können, aber nicht unbedingt beides verbinden müssen. Krippenplätze sind gut, wenn sie dieser Freiheit dienen. Aber auch ein ausreichendes Kindergeld ermöglicht diese Freiheit. Beide Lebensformen dienen zugleich der Gesellschaft. Darum müssen beide gefördert werden.
In Hessen-Nassau schreiben die mittelhessischen und ein rheinhessisches Dekanat das Thema "Familie" groß und haben zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen geplant. Warum ist das Thema aus Ihrer Erfahrung und Ihrem Glaubenshintergrund für Sie besonders wichtig?
Kirchenpräsident: Als Familie bezeichnet der Familienbericht der Bundesregierung seit 1993 das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern. Diese weite Definition ist mir wichtig. Die Familie ist der elementare Bezugsrahmen für menschliches Leben – übrigens auch für die Vermittlung des Glaubens. Das kann niemand so gut wie Eltern, Großeltern und Paten. In der Familie erleben Menschen Geborgenheit und Glück. Aber es gibt auch andere Erfahrungen. Therapeuten wissen darum eine Menge. Deshalb muss man darauf achten, keinen Verklärungen aufzusitzen.
Es kommt auf stabile Beziehungen an, in denen Kinder und Erwachsene einander vertrauen können. Nach dem Krieg sind viele Kinder ohne Väter erzogen worden, ich auch. Dennoch hatte ich eine glückliche Kindheit und bin meiner Mutter bis heute dankbar dafür. Und ich habe sogenannte „intakte“ Familien erlebt, die furchtbar waren. Keine Form des Zusammenlebens bietet absolute Sicherheit. Trotzdem sind Ehe und Familie sind für mich erstrebenswert, denn sie gewähren in der Regel den Kindern die größte Daseinsgewissheit.
Gibt es eine Botschaft, die Sie den Männern zum Thema Kinderbetreuung und Familie vermitteln möchten?
Kirchenpräsident: Vielleicht einen für die Personalchefs in Unternehmen: Werdet familienfreundlicher. Erlaubt auch euch und eurem Führungspersonal Familie nicht nur zuhause zu haben sondern auch aktiv darin zu leben. Macht Teilzeit und Elternzeit möglich. Schafft flexible Bedingungen für eine gute Balance zwischen Arbeit, Familie und Freizeit. Das ist gut für die Menschen und das Unternehmen.
Die Fragen stellten Rita Deschner und Pfarrer Stephan Krebs
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN