Bericht
Die Gesellschaft wandelt sich - das Berufsbild der Gemeindepädagogik auch
Forum Gemeindepädagogik in Darmstadt
Darmstadt, 29.9.2009. Ein dynamisches Arbeitsfeld, zielgruppenorientiert und am Puls der Zeit, so beschreibt Kirchenpräsident Volker Jung die Gemeindepädagogik in der EKHN. „Hier wird eine hervorragende Leistung erbracht, auf die wir als Kirche stolz sein können“, hat er in Darmstadt vor rund 130 Teilnehmenden des Forums Gemeindepädagogik gesagt. Diese Qualität gelte es zu sichern zugleich sei das Berufsbild weiterzuentwickeln. Neue Impulse wünscht er sich für die Arbeit mit Familien. Es gehe darum, die Familien in ihren unterschiedlichen Formen in den Blick zu nehmen. Auch ältere Menschen, die „neuen Alten“ oder „Silver Agers“ seien mit attraktiven Angeboten anzusprechen. Laut Jung ist die moderne Seniorenarbeit ein zentrales Betätigungsfeld für die Gemeindepädagogik der Zukunft.
Zunehmend gefragt seien Projekt- und Netzwerkfähigkeit aber auch die theologische Kompetenz sei unverzichtbar. In Zeiten, in denen der Glaube immer mehr aus dem Alltag verschwinde, sollten Gemeindepädagogen in Glaubensfragen auskunftsfähig sein und religiös Position beziehen können.
Jung hat in seinem Vortrag das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Situation und kirchlichem Auftrag skizziert und aktuelle Herausforderungen für die gemeindepädagogische Arbeit benannt. „Die Bildungsgerechtigkeit muss als Thema noch stärker ins Bewusstsein der Gemeindepädagogik dringen“, macht er deutlich. Zugleich ermuntert er zu Milieuüberschreitungen. „Wagen Sie Grenzüberschreitungen, richten sie ihren Blick in die Welt“. Gemeindepädagogik solle aufmerksam die Lebenswirklichkeit vor Ort wahrnehmen und kreativ werden, wenn es darum gehe, Kirche für alle zu sein und nicht nur für traditionelle kirchliche Milieus Angebote machen.
„Migration und Integration gehört auf die Agenda von Kirche und Gemeinde“, fordert er auf. „Ich möchte ihnen Mut zur interkulturellen Arbeit machen“. Gute Ansätze gebe es bereits in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Auch die Chancen einer schulbezogenen Jugendarbeit will er weiterhin ausgelotet wissen.
Auf die kritische Rückfrage aus dem Publikum, ob die Kirche angesichts der breiten Aufgabenpalette gedenke mehr Stellen in der Gemeindepädagogik einzurichten, stellt der Kirchenpräsident klar, dass es sich um Herausforderungen handele. Es sei kein Aufgabenkatalog, der abgearbeitet werden müsse. „Arbeit gibt es genug. Schön wäre es, wenn wir noch mehr Stellen hätten. Aber es kann nicht alles gemacht werden. Es müssen Akzente gesetzt werden.“ Es müsse begründet ausgewählt werden, was wichtig und was machbar sei. Dies gelte es bewusst zu planen und anzupacken.
Prof. Dr. Michael Domsgen, von der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, hat in seinem Vortrag für die Familienperspektive geworben. Sie solle Prüfstein für gemeindepädagogische Angebote sein und könne einer milieuspezifischen Verengung entgegenwirken. Im Mittelpunkt der Familienperspektive stehe das Miteinander und die familialen Beziehungen und nicht die Struktur oder Form der Familie. Das gemeindepädagogische Angebot müsse für Familien plausibel sein. „Familien wollen unterstützt und entlastet werden“, sagt er. Sie wollten erkennen, welchen möglichen Lebensgewinn sie aus einem religiösen Angebot herausziehen können. Für Familien sei daher die alltagspraktische und lebensgeschichtliche Relevanz der Angebote wichtig. „Familien entziehen sich, wenn sie das Gefühl haben, nur vereinnahmt zu werden“.
Das Mehrgenerationenhaus Eschborn unter dem Dach des Dekanats Kronberg ist in einem von acht Workshops vorgestellt worden. Familie wird dort als Kern der intergenerativen Arbeit wahrgenommen. „Es lohnt sich Gemeinde als Lebensort und Lernort der Generationen in den Blick zu nehmen, sagt Christine Elacho-Behnke, Gemeindepädagogin im Mehrgenerationenhaus. Dabei gelte es die Bedarfe der einzelnen Generationen ernst zu nehmen und Angebote für alle Lebensalter zu machen: Betreuungsangebote für Kinder, familienunterstützende Dienstleistungen und Begegnungsmöglichkeiten für Jung und Alt. Es gehe um das Miteinander und nicht um das Nebeneinander der einzelnen Gruppen.
Mit der Frage wie Bildungsgerechtigkeit gefördert aber auch verhindert werde, hat sich ein weiterer Workshop befasst. Bildungsgerechtigkeit heißt auch Zugangsgerechtigkeit, sind sich die Teilnehmenden einig. Es gehe darum, Chancen zum Mitmachen für alle zu ermöglichen. Dies scheitere oft schon bei der Finanzierung von Teilnahmebeträgen.
Das Forum Gemeindepädagogik wurde Ende September zum dritten Mal in Darmstadt an der Evangelischen Fachhochschule (EFHD) veranstaltet. Es stand unter dem Titel: „Zischen Auftrag und Gestaltung“ und nahm aktuelle Bildungsherausforderungen in den Blick. Organisiert wurde es von der EFHD, dem Interessenverband der Gemeindepädagogen, der Kirchenverwaltung und dem Zentrum Bildung der EKHN.
Elke Heldmann-Kiesel
zurück | letzte Aktualisierung: 08.10.2010 | copyright by EKHN