Bericht
Fünf Kindertagesstätten in der EKHN werden ausgezeichnet
Feierliche Verleihung des evangelischen Gütesiegels
Den ersten fünf Kindertagesstätten in der EKHN wird Ende August das evangelische Gütesiegel verliehen. Kirchenpräsident Volker Jung überreicht am 27. August in Darmstadt die Auszeichnung. Grußworte sprechen Irene Alt, Ministerin für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen in Rheinland-Pfalz und Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Sozialministerium Hessen.
Als sichtbares Zeichen für Qualität beabsichtigt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau in ihren Kindertagesstätten ein Gütesiegel einzuführen. Es handelt sich um das Evangelische Gütesiegel BETA. Um diese bundesweit anerkannte Auszeichnung zu er-halten, müssen sich die Einrichtungen extern überprüfen und begutachten lassen und die vorgegebenen Standards und Qualitätsmerkmale erfüllen. Im Rahmen eines Pilotprojektes wurde das Verfahren in der EKHN erprobt. Am 27. August wird erstmals das evangelische Gütesiegel an fünf Kindertagesstätten verliehen.
„Niemand wird gezwungen sich überprüfen zu lassen. Es ist alles freiwillig“, sagt Roberta Donath, Fachberaterin für Qualitätsentwicklung im Zentrum Bildung. „Das Gütesiegel war ein Wunsch aus der Praxis. Wie auch in anderen Bereichen üblich, wollen viele Einrichtungen ihre Qualität beurkundet haben. Mit dem Gütesiegel haben sie nun ein sichtbares Aushängeschild.“
Kirchenpräsident übergibt Urkunde
Am 27. August wird ihnen die Urkunde von Kirchenpräsident Volker Jung übergeben. Die Verleihung des Gütesiegels erfolgt in der Zeit von 9 bis 10.30 Uhr in der Aula der Evange-lischen Hochschule Darmstadt, im Rahmen des Kongresses „Personalmanagement“. Zu-dem wird den ersten sieben Gutachterinnen, die ihre Ausbildung für das Evangelische Gütesiegel BETA erfolgreich abgeschlossen haben, das Zertifikat überreicht.
Qualität wird sichtbar
„Mit dem BETA-Gütesiegel erhalten die evangelischen Träger und Einrichtungen ein bundesweit einheitliches Zeichen mit dem ihr Qualitätsprofil sichtbar und anerkannt wird“, betont Oberkirchenrätin Monika Griep, Leiterin des Referates Qualitätsentwicklung und Qualitätsmanagement in der Kirchenverwaltung. Gleichzeitig setze das Verfahren viele Lernprozesse in Gang und ermutige die Einrichtungen ihre Arbeit wertzuschätzen und eigene Entwicklungspotentiale zu entdecken.
Voraussetzungen für das Gütesiegel
„Der Weg zum Gütesiegel ist nicht einfach“, räumt Roberta Donath ein. „Es beginnt damit, dass die Einrichtungen ihre Arbeit gut dokumentieren und sich bewerben. Sind die Voraussetzungen erfüllt, wird ihnen eine externe Gutachterin oder ein Gutachter zugeteilt. Diese prüfen die Dokumente und machen sich ein eigenes Bild beim Besuch der Einrichtung. Um festzustellen wie die Standards in der täglichen Arbeit umgesetzt werden, führen sie mit Leitung, Träger, pädagogischen Fachkräften und Elternvertretern Gespräche.“
Das Gütesiegel ist fünf Jahre lang gültig, dann muss es erneuert werden.
Fünf Einrichtungen dürfen sich zukünftig mit dem Gütesiegel schmücken:
- In der Evangelischen Kindertagesstätte „Regenbogenland“ in Wirges wird mit ehren-amtlichen Helferinnen und Helfern ein vielseitiges Bildungsangebot auf die Beine gestellt. Ein Physik-Lehrer geht mit den Kindern zum Forschen in den Physiksaal der Schule, ein pensionierter Musiklehrer macht Musik mit den Kindern, eine ehrenamtliche Mitarbeitende der Gemeinde gestaltet religionspädagogische Angebote und einmal im Monat kommt eine Spiel- und Erzähloma. „Wir haben gut ausgebildetes Personal und Fachkräfte für Migration und Sprachförderung. Zudem legen wir aber Wert auf Kooperationen mit geeigneten Personen und Einrichtungen außerhalb unserer Einrichtung, um das Erfahrungsfeld der Kinder zu erweitern“, sagt Marion Glaubitt.
Mitbestimmung wird hier groß geschrieben, denn regelmäßig finden Kinder-Konferenzen statt. Wenn zum Beispiel überlegt und entschieden wird, was es zum gemeinsamen Frühstück geben soll, wer einkauft und wer bei der Zubereitung hilft. Die Kinder-Konferenz ist ein Instrument der Mitbestimmung. Die Kinder haben hier die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen, lernen etwas über Kommunikation und bekommen ein erstes Verständnis für Demokratie“, erklärt die Leiterin, Marion Glaubitt. Die Konfe-renz-Themen sind so unterschiedlich wie die Anlässe. „Da werden Nutzungsregeln für ein neues Spielgerät ausgehandelt, Vorschläge für den Ausflug gesammelt oder ein Projekt-thema ausgewählt. Aber auch Konflikte und Streit können zum Thema einer Konferenz werden.“
- In der Evangelischen Kindertagesstätte „Regenbogen“ Dietzhölztal-Steinbrücken hat man festgestellt, dass viele Kinder mit Migrationshintergrund Probleme haben mit der Zuordnung der richtigen Artikel. „Eine Kollegin hat von ihrer Fortbildung die Idee mit den Der-Die-Das-Gläsern mitgebracht“ berichtet die Leiterin Susanna Zielberg. „Die Kinder ordnen Gegenstände zu und füllen sie in das richtige Glas. Der Würfel, die Schere, das Bonbon. So wird Sprache spielend leicht im Alltag gelernt.“
Die Kindertagesstätte macht auch beim Stiftungsprogramm „Haus der kleinen Forscher“ mit. Mit Unterstützung eines Vaters, der in der Forschung tätig ist wurde im Frühjahr ein Schmetterlings-Projekt angeboten. Hier konnten die Kinder hinter Glas die Entwicklung von Schmetterlingseiern auf einer Bennnessel beobachten. Zum Schluss sind 14 Schmet-terlinge geschlüpft.
“Nicht nur die Kinder lernen bei solchen Projekten. Auch wir Erwachsene lernen mit den Kindern immer wieder etwas Neues hinzu“, sagt Susanna Zielberg. „Wichtig ist, dass wir die Neugierde auch bei uns selbst erhalten und uns von den Fragen und Ideen der Kinder anregen lassen.“ Die Evangelische Kita „Regenbogen“ ist eine zwei-gruppige Ganztagseinrichtung mit Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren.
- In der Kindertagesstätte der Evangelischen Thomasgemeinde wird der Übergang von der Kita in die Schule ein Jahr lang vorbereitet und begleitet. Für die Kinder im letzten Kindergartenjahr gibt es spezielle gruppenübergreifende Angebote. Sie geben sich als Gruppe einen Namen und bringen ihre Themenwünsche ein. Sie machen Exkursionen, besuchen die Forscherwerkstatt in der Schule und nehmen gleich zu Beginn des letzten Kindergartenjahrs am Einschulungsgottesdienst teil. „Es gibt eine gute Partnerschaft zwischen der Kita, der Grundschule und der Kirchengemeinde“, sagt die Leiterin Helga Goldhammer.
- Die Evangelische Kindertagesstätte Holzappel liegt mitten in der Natur und mitten im Dorf. Eine viergruppige Ganztagseinrichtung mit Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren. „Bei uns hat das Dorf Priorität“, sagt die Leiterin Gerlinde Hortsch. „Wir erkunden mit den Kindern das Dorf, besuchen die Feuerwehr, gehen zum Metzger, zum Bäcker, in die Kirche, ins Museum. Wir gehen auch zu den Orten und Plätzen, die in Sagen und Legenden vorkommen und lesen den Kindern die Geschichten dazu vor. Wir überlegen mit ihnen, wie könnte es damals hier ausgesehen haben oder fragen warum heißt der Hertha-See, Hertha-See. Wenn die Kinder unsere Kita verlassen, wissen sie ganz viel über ihr Dorf und auch über die Natur. Und sie erleben, dass sie dazugehören. Wir achten aufeinander. Heimat so zu erfahren ist doch was Besonderes.“ Auf dem großen Außengelände bauen die Kinder Insektenhotels, im nahe gelegenen Wald Hütten. Einmal die Woche gibt es den Wald- und Wiesentag, teilweise auch in Zusammenarbeit mit dem Förster oder mit Naturschutzverbänden. Drinnen gibt es Kreativecken mit Tonwerkstatt und Werkbank.
„Die Kinder haben bei uns viele Möglichkeiten sich auszuprobieren aber auch Beziehungen zu anderen Kindern aufzubauen und zu pflegen“, sagt Gerlinde Hortsch. „Auf ein gutes Miteinander legen wir großen Wert und ich glaube das spürt man, wenn man bei uns rein kommt.“
- In der Evangelischen Kindertagesstätte „Schatzkiste“ in Herborn-Hörbach wird mit den Kindern des letzten Kindergartenjahres einmal wöchentlich eine Kinder-Konferenz gestaltet. Hier werden wichtige Punkte aus dem Kindergartenalltag, aber auch aktuelle
politische Themen aufgegriffen. Regelmäßig wird eine „Kinder-Nachrichten-Seite“ aus dem Internet gemeinsam besprochen. „Wir wollen damit Interesse an Politik und Weltge-schehen vermitteln“, sagt die Leiterin, Judith Metz. „Wichtig ist uns, dass wir die Themen von verschiedenen Seiten her beleuchten. Die Kinder gehen da gut mit. Natürlich wollen sie irgendwann auch wissen, wie Politik in der Stadt gemacht wird und wie Erwachsene ihre Konferenzen abhalten. Um das zu erleben gehen wir mit den Kindern ins Rathaus zum Bürgermeister. Dort dürfen sich die Kinder auf die Plätze der Stadtverordneten set-zen und ihre Kinder-Konferenz mit Mikrophon abhalten.“ Zudem pflegt die „Schatzkiste“ Hörbach gute Kontakte zum Altersheim in Herborn. „Wenn alle zwei Monate die Klein-busse vom Seniorenstift vorfahren, jubeln die Kinder „die Altersheimer kommen“. Es sind schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die Kinder besuchen regelmäßig das Altersheim und machen mit den Senioren Musik. Die Senioren kommen zum Sommerfest der Kita und die Kinder zum Sommerfest im Altersheim.“
Lust auf Sprache macht ein Kinderbüro und lädt zum Experimentieren mit Buchstaben ein.
Die Kindertagesstätte der Evangelischen Kirchengemeinde Hörbach ist eine Ganztagsein-richtung mit 120 Kindern im Alter von 1,5 bis 11 Jahren. Sie war bereits von 1999 bis 2003 Pilot-Einrichtung der nationalen Qualitätsinitiative des Bundesfamilienministeriums und Erprobungseinrichtung für den Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan.
Hintergrund-Infos:
Qualitätsentwicklung (QE)
Derzeit befinden sich ca. 500 Kindertagesstätten im Prozess der Qualitätsentwicklung (QE), bekannt unter dem Signet „Qualitätsfacetten“. Mit der Einführung des kirchlichen QE-Verfahrens leistet die EKHN einen erkennbaren Beitrag zur qualitativen Verankerung von Bildung, Erziehung und Betreuung in den evangelischen Kindertagesstätten. Sie sieht es als ihre Verantwortung an, in diesem Kontext religiösen Fragen Raum zu geben, christliche Traditionen in den Alltag zu integrieren, Begegnung der Religion zu ermöglichen und eine Werteerziehung zu fördern.
Kongress Personalmanagement
Der Schlüssel für die Qualität der Angebote in evangelischen Kindertagesstätten ist die Professionalität des Personals. Aus diesem Grund erfolgt die Verleihung des Gütesiegels am 27. August im Rahmen des Fachkongresses „Personalmanagement der evangeli-schen Kindertagesstätten“. Träger und Kita-Leitungen sind im Anschluss (ab 10.30 Uhr) eingeladen, sich mit Prof. Dr. Axel-Olaf Burow von der Universität Kassel auf einen mode-rierten Kommunikationsprozess einzulassen. Im Mittelpunkt stehen Themen wie: Perso-nalplanung, Strategien zur Personalgewinnung und Personalentwicklung, Mitarbeitenden-gespräche und Einarbeitungskonzepte für neue Mitarbeitende. Ziel des Tages ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten, Ideen und Perspektiven zu entwickeln, um in Zeiten des Fachkräftemangels qualifizierte Mitarbeitende zu finden und zu halten. Der Fachkongress findet von 9 bis 17 Uhr in der Evangelischen Hochschule Darmstadt statt. Kosten: 45,- Euro. Information und Anmeldung beim Veranstalter: Zentrum Bildung, Fachbereich Kindertagesstätten, inge.wetter.zb@ekhn-net.de
Elke Heldmann-Kiesel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
zurück | letzte Aktualisierung: 26.08.2011 | copyright by EKHN