Bericht
Mit Umweltschutz und Schafherde die Schöpfung bewahren
Das Laubach-Kolleg in Mittelhessen feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum
von Patrick Stricker
Einen Schritt vor den Haupteingang – und die gläserne Schiebetür öffnet sich nach links und rechts automatisch. Im Foyer angekommen, erstrahlen zwei große Flachbildschirme, die an der Wand hängen. Und auch ein Blick nach oben ins Treppenhaus oder nach links in den Gang vermittelt einen bestimmten Eindruck: Hier ist alles neu, ganz modern, frisch renoviert.
Die Rede ist vom Laubach-Kolleg im mittelhessischen Laubach zwischen Grünberg und Schotten. Die Rede ist von einer Schule, die von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) getragen und finanziert wird. Von einer Schule, die in den vergangenen Jahren für insgesamt vier Millionen Euro energetisch saniert worden ist. Und von einer Schule, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiert.
Ökologische Sanierung
Gleich zwei Gründe zum Feiern also, und die Verantwortlichen um Schulleiterin Ellen Reuther haben ein Fest-Programm für das ganze Jahr auf die Beine gestellt. Den Auftakt zu den Jubiläums-Feierlichkeiten markierte kürzlich die Veranstaltung „Open House“ – ein Tag der Offenen Tür, an dem Lehrer und Schüler sich sowie ihre neuen Räumlichkeiten präsentierten. Mit dabei war auch Barbara Schmid vom Baureferat der EKHN. Sie erläuterte die Einzelheiten der energetischen Sanierung: Wärmedämmung, dreifach verglaste Fenster und eine Solaranlage auf dem Schuldach.
Ein echter Fan dieser Sanierung ist Olaf Kühnapfel, Lehrer am Laubach-Kolleg. Für ihn passen diese millionenschweren Investitionen sehr gut zum Motto ,Bewahrung der Schöpfung‘, das sich das Laubach-Kolleg auf die Fahnen geschrieben hat. „Es ist notwendig, dass die Kirche hier ein Zeichen setzt“, sagt er. „Es ist notwendig, dass fossile Energieträger geschont werden und wir auf regenerative Energiequellen setzen.“
Die Entstehung
Vor 50 Jahren war das alles natürlich noch Zukunftsmusik. Damals, im Jahr 1962, wurde der Grundstein für die heutige Erscheinungsform der Schule gelegt. Parallel zur bereits bestehenden „Paul-Gerhardt-Schule“ wurde das Laubach-Kolleg mit angeschlossenem Wohnheim gegründet. Hier sollte Menschen die Möglichkeit gegeben werden, ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. 1970 wurden beide Einrichtungen zusammengelegt, fünf Jahre später erfolgte die Umbenennung in Laubach-Kolleg. Heute handelt es sich dabei sowohl um ein Oberstufengymnasium für den ersten als auch um ein Kolleg für den zweiten Bildungsweg.
Menschlichkeit wird groß geschrieben
Eine, die ihr Abitur gerade nachholen möchte, ist die 26-jährige Lena Schwarz. Sie hat bereits zwei Kinder und schätzt vor allem die Freundlichkeit, die ihr die Lehrer an dieser Schule entgegen bringen. „Ich habe schon das Gefühl, dass die Lehrer recht verständnisvoll sind, wenn man morgens mal ein bisschen zu spät kommt“, sagt sie mit einem Lächeln.
Für Schulleiterin Ellen Reuther ist das schon fast selbstverständlich. „Das Geheimrezept ist, dass sich hier Menschen begegnen – im Bildungsalltag“, schwärmt sie. „Das bedeutet aber nicht, dass wir immer nur in Harmonie schweben. Die Schüler-Lehrer-Versammlungen zeigen: Es gibt Punkte, über die wir uns im Diskurs austauschen müssen.“
Zuversichtlich in die Zukunft
Ganz oben auf der Agenda steht dabei zum Beispiel der demografische Wandel. Für die Regionen Oberhessen beziehungsweise Vogelsberg erwarte Reuther einen Rückgang der Schülerzahlen. Mehr als 300 Schülerinnen und Schüler besuchen momentan das Laubach-Kolleg, zwei Drittel von ihnen ist dabei jünger als 18 Jahre. Aktuell sieht es aber noch nicht danach aus, als ob der Schulhof bald verwaist sein würde. „Wir haben im Moment sogar Raumnot“, berichtet Reuther. „Eine Wohnheimküche nutzen wir zur Zeit als Klassenzimmer.“
Bestes Mittel gegen Schulstress: Eine Schafherde
Es gibt aber auch ein paar Bewohner am Laubach-Kolleg, für die ist immer Platz: für die schuleigene Schafherde nämlich. „Dazu sind wir durch eine liebenswürdige Zufälligkeit gekommen“, erzählt die Schulleiterin. „Vor vielen Jahren hat eine Kollegiatengruppe auf einer Studienfahrt ein Schaf gekauft und mitgebracht. Seitdem sind es immer mehr geworden, heute haben wir sogar eine eigene Schaf-AG.“ Die hat sich zum Beispiel darum gekümmert, dass die Schafe eine eigene Weide haben. Für Reuther sind diese Tiere der perfekte Gegenpol zum hektischen Schulalltag. „Die Schafe können sehr beruhigend wirken“, sagt sie. „Sie werden niemals als überflüssig oder als lästig angesehen – obwohl sie direkt vor dem Klassenzimmer weiden, blöken oder auch mal ausbrechen können.“
Patrick Stricker / RD
zurück | letzte Aktualisierung: 07.02.2012 | copyright by EKHN