Meldung

05. Juli 2007

Nanotechnologie als Chance zur Bekämpfung von Krankheiten und mögliche Gefahr für den Menschen

"Ethischen Aspekte der Nanotechnologie" veröffentlicht




Sonnenschutzcremes mit höherem UV-Schutz oder kratzfeste Autolacke sind Produkte, die auf Grundlage der immer bedeutsamer werdenden Nanotechnologie entwickelt werden. Bei solchen alltäglichen Gebrauchsartikeln, die sicherlich mehrheitlich im Fokus der Forschung stehen, endet der Gestaltungswille mancher visionärer Forscher und Entwickler jedoch nicht. Einige halten es sogar für möglich, künstliche Organismen zu erschaffen und Maschine-Mensch-Systeme.

Neue Technologie soll im Sinne einer „Verantwortungsethik“ betrachtet werden


Nanotechnologie - was ist das? "Nanos" ist das griechische Wort für Zwerg und damit die Beschreibung von etwas sehr Kleinem. In der Naturwissenschaft steht die Vorsilbe "nano" für einen Milliardstel Buchteil, so entspricht 1 Nanometer einem Milliardstel Meter. Das Entscheidende ist, dass diese sehr kleinen Teilchen andere Eigenschaften besitzen, als größere Stücke des gleichen Materials. Nun geht es darum, die Eigenschaften dieser Miniaturteile zu erforschen, um diese dem Menschen zunutze zu machen.

Eines scheint sicher: In Zukunft werden nanotechnologisch aufbereitete Produkte eine zunehmend größere Rolle spielen. Deshalb haben die Umweltbeauftragten der einzelnen Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland im Mai 2007 zu den Möglichkeiten der Nanotechnologie eine Stellungnahme mit dem Titel „Ethische Aspekte der Nanotechnologie“ veröffentlicht. Aus der EKHN beteiligte sich Dr. Hubert Meisinger, Referent für Umweltfragen im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung in Mainz.
In dem Papier stellen die Verfasser fest, „dass die Nanotechnologie aus ethischer Sicht nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird.“ Daher solle vor allem geklärt werden, wie die neue Technologie im Sinne einer „Verantwortungsethik“ bewertet werden könne.

Chancen und Risiken I: Krankheiten können geheilt, aber auch hervorgerufen werden

In dem Papier wird deutlich, dass die Nanotechnologie große Chancen, aber auch unbekannte Risiken birgt. Deshalb fordern die Umweltbeauftragten, dass jeder Einzelfall auf seine Auswirkungen für Gesundheit und Umwelt geprüft werden müsse.
Bei Krebserkrankungen könnten dank der Nanotechnologie die Diagnose und Therapie verbessert werden. So wird an Nanomedikamenten geforscht, die ausschließlich in Tumorzellen eindringen und dort den Wirkstoff freigeben können, um gesunde Zellen zu schonen.


Die komplette Stellungnahme können Sie hier nachlesen:

Ethische Aspekte der Nanotechnologie:
Eine Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft
der Umweltbeauftragten in der EKD (AGU)
(PDF, 211 KB)

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Kontakt:

Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung
Pfarrstelle für Umweltfragen

Albert-Schweitzer-Straße 113-115
55128 Mainz
Telefon: 06131 - 2874450

Die Tatsache, dass es Nanoteilchen gelingt, Zellwände zu durchdringen, birgt allerdings auch Risiken. So könnten Nanopartikel vom Menschen eingeatmet werden, nachdem sie sich beispielsweise von entsprechend ausgerüsteten Kleidungsstücken gelöst haben. Nachgewiesen wurde, dass diese kleinsten Teilchen von der Lunge ins Blut gelangen, aber auch vom Blut in das Gehirn. Aufgrund ihrer geringen Größe erkennen die Fresszellen im menschlichen Blut die Fremdkörper nicht und entfernen sie deshalb auch  nicht. Dadurch kann es beispielsweise in der Lunge zu Entzündungen kommen.

Chancen und Risiken I: Umwelt kann geschützt, aber auch gefährdet werden

Auch im Bereich des Umweltschutzes liegen positive Auswirkungen und Gefahren eng beieinander. So werden beispielsweise in Abgaskatalysatoren metallische oder keramische Nanopartikel eingesetzt, um die Verbrennung umweltschädlicher Gase wie Stickoxide und Kohlenmonoxid zu verbessern. „Dabei muss natürlich geprüft werden, ob Nanoteilchen aus
den Katalysatoren in die Umwelt freigesetzt werden und welche Wirkung diese dort ausüben“, betonen die Umweltbeauftragen. Die Auswirkungen von Nanopartikeln auf die Umwelt seien jedoch noch weitgehend unerforscht. Nanopartikel seien theoretisch in der Lage, sich über Luft und Wasser weltweit zu verbreiten und würden sich nicht mehr zurückholen lassen. Seien derartige Partikel nicht abbaubar, könnten sie sich in der Natur anreichern. Die Umweltbeauftragten warnen: „Eine mögliche schädliche Wirkung hätte dann unheilvolle Folgen.“

Umweltbeauftragte warnen davor,  „verbesserte“ Lebewesen zu entwickeln

Vor dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes gehen die evangelischen Umweltbeauftragten davon aus, dass die Gottesebenbildlichkeit des Menschen die vernünftige und angemessene Gestaltung und den verantwortlichen Umgang mit der theologisch als Schöpfung verstandenen Natur einschließe. Große Bedenken äußern sie allerdings, dass mittels der Nanotechnologie auch Möglichkeiten entwickelt werden könnten, die die geistigen Fähigkeiten und die Wahrnehmung des Menschen in einem bisher nicht bekannten Ausmaße und einer nicht bekannten Qualität verbessern könnten. So wirkten einige Darstellungen über die Chancen der Nanotechnologie wie Science-Fiction-Romane und beschrieben eine Welt, in der sich auch technisch optimierte Menschen tummelten. Tatsächlich erscheint es möglich, dass Forscher aus biologischen und nichtbiologischen Materialien neue Nanostrukturen zusammensetzen. Es wird bereits daran gearbeitet, mit Hilfe von Nanostrukturen neue Eigenschaften für Bakterien oder Zellen zu entwickeln. „Spekuliert wird bereits über verbesserte Menschen, ja sogar Maschine-Mensch-Systeme“, so die Verfasser. Deshalb sei es wichtig, mit der theologischen Auseinandersetzung und der ethischen Beurteilung nicht Jahre hinter der naturwissenschaftlichen Entwicklung hinterherzuhinken. Vielmehr sei es notwendig, zeitnah, möglichst parallel, neue Entwicklungen mit ethischen Beurteilungen und theologischen Überlegungen zu begleiten und sich als Kirche oder Theologie kompetent in gesellschaftlich und wissenschaftlich relevante Diskussionen einzubringen.

[Rita Deschner/HM]