Meldung

23. Oktober 2007

Untermieter im Gotteshaus schützen ihre schwächeren Geschwister

Kirchturm als Nistplatz für Schleiereulen, Flugversuche sind geglückt

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Quelle: KG Lollar

Nein, in Lollar muss der Pfarrer nachts nicht auf dem Balkon schlafen. Die „Schnarchgeräusche“, welche die Nachbarschaft irritierten, stammen von einem Schleiereulenpärchen und seinen Jungen. Fünf von sieben Eulenküken haben überlebt und fliegen an Oktoberabenden um Kirche und Pfarrhaus.

Aktiver Vogelschutz

Dass sich der Nachwuchs so zahlreich eingestellt hatte, überraschte selbst Vogelexperten, wie der NABU-Vorsitzende Ludwig Friedrich bei seinem Besuch im August 2007 betonte. Im vergangenen Frühjahr hatte das Eulenpaar bereits zu nächtlicher Stunde seine Rufe hören lassen. Es hatte sich in der Nistanlage im Kirchturm niedergelassen, die Vogelschützer vor zwei Jahren direkt unterhalb der Glocken angebracht hatten.

Junge Schleiereulen achten auf die schwächsten Geschister

Vogelwart Walter Ziegler hatte bereits im August der Evangelischen Kirchengemeinde in Lollar erklärt, dass das Sozialverhalten der jungen Eulen durchaus eines Untermieters in einem Gotteshaus würdig sei. Nähmen doch die stärksten Jungen die Schwachen immer schützend in ihre Mitte. Und auch beim Ausfliegen sei Rücksichtnahme das höchste Gebot. Erst wenn das jüngste Mitglied der Familie flügge geworden sei, verlasse die Geschwisterschar gemeinsam das Nest.

Schutz vor lautem Glockengeläut

Aber wie überstehen die Raubvögel mit dem äußerst sensiblen Gehör das laute Glockengeläut in ihrer unmittelbaren Nähe unbeschadet?  Sie können mit speziellen Hautlappen ihren Gehörgang verschließen.


[Hans Theo Daum / Rita Deschner]