Meldung
Dekanat Wiesbaden gegen Kohlekraftwerk
Wiesbadener Entscheidung sorgfältig vorbereitet
Kirchenvertreter des Evangelischen Dekanates Wiesbaden haben am gestrigen Mittwochabend (5.3.) eine Stellungnahme zum umstrittenen Kohleheizkraftwerk auf der Ingelheimer Aue beschlossen. Bei ihrer Tagung im Wiesbadener Dietrich Bonhoeffer Haus sprachen sich die Synodalen mit 30 von insgesamt 51 Stimmen gegen den geplanten Neubau aus und forderten die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen der Stadt Wiesbaden sowie der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) auf umweltfreundliche Alternativen zu erarbeiten. Gleichzeitig riefen Sie Christen dazu auf, den individuellen Energieverbrauch zu reduzieren und sich für den Einsatz regenerativer Energiegewinnung mit dem Ziel geringerer CO2 – Belastung einzusetzen. Zuvor hatte einen Debatte darüber stattgefunden, ob die regionale kirchliche Synode in der Landeshauptstadt sich überhaupt dazu äußern dürfe. Der Vertreter der Wiesbadener Lutherkirche Christoph von Bismarck hatte das verneint und eine Absetzung des Punktes von der Tagesordnung verlangt.
Mit ihrem an ökologischen Leitlinien der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) orientierten Beschluss folgten die Synodalen einer in der Sache gleichlautenden Ablehnung des Evangelischen Dekanates Mainz. Die Synodalen unter Leitung von Präses Gabriele Schmidt hatten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sich im Januar durch einen Umweltbeauftragten der EKHN, einen Kraftwerksvertreter sowie einen Klimaexperten sorgfältig informiert. Die Leistung des geplanten Kraftwerksblocks soll 823 Megawatt, der CO2-Ausstoß 740 Gramm je Kilowattstunde betragen. Der Standort auf der Rheinaue gilt als höchst geeignet, weil die Anlieferung von Kohle und die Ableitung des Stromes wirtschaftlich günstig sind.
Der Dekanatssynodalvorstandvorstand Peter Klein sagte in seinem Bericht vor den Kirchenvertretern, die Diakoniestation Wiesbaden Mitte-Ost sei nach einjährigen Verhandlungen an EVIM, den Evangelischen Verein für Innere Mission in Nassau übergeben worden. Die etwa 30 (Teil)-Arbeitsplätze seien somit erhalten geblieben. Die EKHN habe eine Ausfallbürgschaft übernommen.
Problematisch sei die Situation in der Biebricher Hauptkirchengemeinde: Neuwahlen – wie vom Vorstand angestrebt – seien nicht möglich, weil drei Kirchenvorsteher den Weg dafür nicht freimachten. Nun würden anwaltlich juristische Schritte geprüft und die Neuwahlen im Jahr 2009 abgewartet, damit einer neuer Kirchenvorstand gebildet werden könne.
Der stellvertretende Vorsitzende Eberhard Busch stellte den Haushalt 2008 vor, der letztmalig nicht budgetiert sei. Bei einem Umfang von 2,7 Millionen, sei eine Rücklagenentnahme von 42.000 Euro notwendig, die er aber als „seriös“ bezeichnete. Etwa 1 Million Euro kommen aus Zuweisungen der Landeskirche.
Erfolgreich hat das Dekanat die Besetzung der A-Kirchenmusikerstelle in der Lutherkirche abgeschlossen. Gewählt wurde der Freiburger Kantor Jörg Endebrock.
Die Tagung der Dekanatssynode endete mit mehreren Projektvorstellungen für die 43 Kirchengemeinden: Vorstandmitglied Ute Kerschbaumer präsentierte eine Aktion von Brot für die Welt, „Gerecht genießen – 1000 Kirchengemeinden trinken fair“. Ökumenepfarrer Klaus Endter machte auf die Pfingstinitiative „Geistreich“ des Arbeitskreises Christlicher Kirchen (ACK) aufmerksam, die 12 christliche Konfessionen in der Stadt am 10. Mai auf dem Schlossplatz vorstellen will. Zudem warb er für ein ökumenisches Partnerschaftstreffen der lutherischen Diözese Breslau im Juni des Jahres.
[Dr. Roger Töpelmann]
zurück | letzte Aktualisierung: 28.03.2008 | copyright by EKHN